Merkmale literarischer Gattungen und Kommunikationsprozesse

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Merkmale der literarischen Sprache

Der literarische Text entsteht aus einem Bedürfnis nach Kommunikation und ist das Produkt einer historischen Kommunikation zwischen Sender und Empfänger in Zeit und Raum. Der Prozess wird durch die jeweilige Situation der Kommunikation bestimmt. Neben der Situation gibt es weitere relevante Aspekte des literarischen Kommunikationsprozesses.

Kommunikativer Prozess: Autor, Empfänger und Situation

  • Emittent / Autor: Es ist ratsam, die sehr wichtigen historischen Umstände des Autors zu kennen, um seine Arbeit besser zu interpretieren.
  • Empfänger: Der Leser ist das grundlegende Element; heute übernehmen Rezipienten eine entscheidende Rolle bei der Erschließung des Textes.
  • Situation und Meldung: Die literarische Kommunikation hängt von der Situation ab und verlangt eine Anstrengung der Interpretation.

Sprache und Bedeutung in der Literatur

Beim Schreiben oder Lesen eines Gedichts spielen Emotionen eine wichtige Rolle, weil sie die Prüfung der Bedeutung literarischer Gattungen beeinflussen. Die dichterische Sprache entfernt sich von rein referentieller und denotativer Ebene, nähert sich konnotativen, metaphorischen und symbolischen Bedeutungen.

Vergleichende Literatur und Intertextualität

Wenn wir formale oder thematische Elemente feststellen, die Zugehörigkeit zu anderen Werken desselben oder verschiedener Autoren vermuten lassen, spricht man von Intertextualität. Wenn ein Autor von einem vorhergehenden Werk anderer oder seiner eigenen Werke inspiriert wird, handelt es sich um Intertextualität und fällt in das Gebiet der vergleichenden Literaturwissenschaft. Der Text, der als Inspiration dient, nennt man Hypotext; die Texte, die davon ausgehen, heißen Hypertext.

Lyrische Gattung

Charakteristik der Lyrik

In der Lyrik bringt der Autor seine intimsten Gedanken und Gefühle subjektiv zum Ausdruck.

Besonderheiten der Lyrik

  • Intensive Nutzung der poetischen Funktion: zahlreiche stilistische Mittel werden eingesetzt.
  • Starke Präsenz der expressiven Funktion: Dichtung zeichnet sich durch geschickten Umgang mit eindrucksvollen, suggestiven Ausdrücken aus.
  • Weitere Merkmale:
    • Konzentration und Kürze
    • Geringe Präsenz narrativer Elemente
    • Oft fehlt eine erzählerische Handlung
    • Rhythmus und Musikalität
    • Vielfalt der Themen und Formen

Die Verse

Ein Vers besteht aus einer Reihe von Wörtern, die eine Rhythmuseinheit bilden und in derselben Zeile stehen. Ein Gedicht besteht aus Versen, die in Strophen geordnet sind. Gedichte können eine variable Anzahl von Zeilen und ein Reimschema aufweisen.

Poetische Gattungen und Formen

  • Elegie: Klagegedicht, z. B. über den Tod eines Geliebten.
  • Ekloge: Hirtenlied, oft Liebesgefühle in der Stimme von Hirten.
  • Ode: Gedicht variabler Länge, das oft hohe Gefühle und Lob ausdrückt.
  • Hymne: Erbauendes Gedicht zu Ehren einer herausragenden Person oder Idee.
  • Satire: Spöttisches oder tadelsüchtiges Gedicht gegen Laster und Fehler.
  • Traditionelle Formen: Volkslieder, Troubadourtraditionen.
  • Haiku: Japanische Kurzform, die oft ein in der Natur verwurzeltes Thema entwickelt.
  • Sonett: Strophenform mit zwei Quartetten und zwei Terzetten; behandelt häufig ein Thema oder zwei kontrastierende Ideen.

Erzählgattung (Epik)

Die Erzählung hat eine Geschichte und umfasst Figuren; die Handlung spielt in einem bestimmten Raum und zu einer bestimmten Zeit.

Bestandteile der Erzählung

  • Überlieferung: Der Erzähler erzählt die Geschichte und vermittelt die Fakten an den Leser.
  • Erzählertypen:
    • Allwissender Erzähler: Kennt das Innenleben und die Vorgänge aller Figuren.
    • Zeugenerzähler: Beschreibt objektiv das, was er beobachtet, ohne Wertung.
    • Ich-Erzähler: Die Geschichte wird aus der Perspektive einer Figur erzählt.

Handlungsaufbau (Trama / Struktur)

  • Planteamiento (Darstellung / Exposition)
  • Konflikt
  • Handlung / Entwicklung
  • Ergebnis (kann geschlossen oder offen sein)

Narrative Strukturen und Rollen

  • Strukturen:
    • Linear: Ereignisse sind chronologisch geordnet.
    • Nichtlinear: Ereignisse werden nicht chronologisch erzählt.
  • Rollen:
    • Hauptfigur
    • Nebenfiguren
  • Nach Charakterisierung:
    • Runde Figuren (psychologisch komplex)
    • Flache Figuren (weniger entwickelt)

Dialoge und Redeformen

  • Direkte Rede: Die Worte der Figur werden wörtlich wiedergegeben.
  • Indirekte Rede: Die Worte der Figur werden indirekt wiedergegeben.
  • Freie indirekte Rede: Der Erzähler nimmt die Rede der Figur auf, ohne sie strikt zu kennzeichnen.

Zeit und Raum in der Erzählung

  • Zeit:
    • Extern: Objektive Erzählzeit, die die Geschichte schildert.
    • Intern: Subjektive oder chronologisch unterschiedliche Zeitschritte innerhalb der Erzählung.
  • Raum: Je nach Lage: geschlossen oder offen; je nach Beziehung zur Wirklichkeit variiert die Darstellung.

Haupt-Subgattungen der Erzählung

  • Kurzgeschichte
  • Fabel
  • Legende
  • Reisetexte
  • Biographien
  • Romanformen:
    • Krimi (polizeilicher Roman)
    • Science-Fiction
    • Horror / Thriller
    • Historischer Roman
    • Abenteuerroman
    • Psychologischer Roman (Aktion verbunden mit psychologischer Analyse)
    • Liebesroman (Romantik)
    • Drama (als Gattung: Theaterstoff)

Theater (Dramatik)

Das Theater ist ein aufgeführtes Werk (für ein Publikum). Es enthält theatralische Elemente und besteht aus einem geschriebenen Text mit Dialogen; Regieanweisungen (in Klammern und kursiv) gehören ebenfalls dazu.

Theatralische Elemente und Akteure

  • Regisseur: Verantwortlich für Montage und Inszenierung.
  • Schauspieler: Führen die Rollen aus.
  • Bühne / Setting: Raum der Aufführung.

Gattungsspezifische Überlegungen des Theaters

  • Doppelte kommunikative Situation: Das Werk erfordert mehrere Emittenten.
  • Die Inszenierung zielt darauf ab, Wahrscheinlichkeit und Gefühle zu vermitteln.
  • Dialog und Monolog sind zentrale Kommunikationsformen, mit verbalen und nonverbalen Codes.

Wichtige Subgattungen des Theaters

  • Tragödie
  • Komödie
  • Drama
  • Auto sacramental
  • Melodrama
  • Farce
  • Farsa / Possen

Hinweis: Die hier zusammengefassten Merkmale und Gattungen dienen als Übersicht über grundlegende Aspekte literarischer Texte und ihrer kommunikativen, formalen und funktionalen Eigenschaften.

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