Methodik der qualitativen Interviewanalyse: Ein Leitfaden
Anpassung des Forschungsdesigns
In den vorangegangenen Abschnitten haben wir festgestellt, dass das Design der Stichprobe während der Feldarbeit aufgrund verschiedener Faktoren Veränderungen erfährt. Die Überprüfung der Stichprobenelemente erfolgt auf Basis einer ersten analytischen Auswertung der Interviews in der Anfangsphase der Untersuchung. An diesem Punkt beginnt die Analysephase. Nachfolgend finden Sie allgemeine Informationen zum Prozess der Analyse eingehender Interviews:
Vorteile des ausführlichen Interviews
- Effizienz: Die Unmittelbarkeit der Anwendung des Fragebogens bei Wahrscheinlichkeitsstichproben macht die Durchführung einer angemessenen Anzahl von Interviews zeitlich und finanziell effizienter als langfristige Erhebungen.
- Informationszugang: Wie Miguel Vallés betont, ermöglicht das ausführliche Interview den Zugang zu Informationen, die ohne die Vermittlung einer Person oder Gruppeninteraktion schwer zugänglich wären.
- Methodische Synergie: Es ist eng mit der teilnehmenden Beobachtung verknüpft. Die integrierte Nutzung ermöglicht einen tieferen Einblick in die Sichtweise des „Anderen“.
- Privatsphäre: Das ausführliche Interview bietet einen kontrollierteren Bereich für „Privatsphäre“ als Gruppentechniken und vermeidet die Voreingenommenheit durch den Einfluss Dritter auf die Rede des Befragten.
Einschränkungen
- Kontextverlust: Die ausschließliche Verwendung stellt eine Einschränkung dar, da der soziokulturelle Kontext, in dem die Handlung stattfindet, nicht direkt beobachtet werden kann.
- Fehlende Gruppendynamik: Das ausführliche Interview bietet nicht die zusätzlichen Anreize, die durch die Gruppendynamik entstehen.
Kontra: Der Analyseprozess
1. Transkription: Der erste Schritt ist die Niederschrift der erfassten Informationen und der Aufzeichnungen des Forschers während des Interviews. Diese bilden das Ausgangsmaterial für die Analyse.
2. Erste Durchsicht: Es folgt eine erste Lektüre der Protokolle. Bei mehreren Interviewern ist es ratsam, dass jeder die von ihm geführten Interviews selbst liest, um eine Qualitätskontrolle der Transkription zu gewährleisten.
Kodierung und Kategorisierung
Beginnen Sie mit der Kodierung, um Ausdrücke zu gruppieren, die in den Interviews entstehen. Diese „offenen Codes“ (nach Strauss und Corbin) dienen als erste Annäherung an den Text. Ergänzen Sie Kategorien um Kommentare, Eigenschaften und Dimensionen; diese scheinbar zerstreuten Notizen entfalten später ihren analytischen Wert.
3. Kontextuelle Bewertung: Nach der Identifizierung relevanter Textfragmente müssen diese im Hinblick auf den Einfluss der Interviewsituation bewertet werden.
4. Systematische Klassifizierung: Nach Abschluss der Messungen werden diskursive Fragmente unter Rubriken zusammengefasst. Diese Klassifizierung kann manuell oder elektronisch erfolgen, wobei die Identität der Produzenten der Fragmente stets gewahrt bleiben muss.
5. Intracódigos-Analyse: Durchführung einer Analyse, die sich auf die verschiedenen Fragmente innerhalb jedes Codes konzentriert.
6. Integration und axiale Kodierung: Zusammenführung der Interpretationen zu verschiedenen Dimensionen und Themen. Hier können verschiedene Profile durch die Integration der Teile erstellt werden. Die axiale Kodierung hilft dabei, Code-Familien zueinander in Beziehung zu setzen.
7. Abschließende Überprüfung: Eine finale Durchsicht der Interviews stellt sicher, dass der rote Faden der Argumentation gewahrt bleibt und die Positionen im Bericht konsistent gestützt werden.
Hinweis: Scheuen Sie sich nicht vor Widersprüchen zwischen der Rede der Probanden und den ursprünglichen Konzepten. Sollten diese auftreten, müssen sie erklärt werden. Vermeiden Sie einen „methodischen Hedonismus“, bei dem widersprüchliche Daten einfach ausgeschlossen werden. Diese Anleitung dient als Unterstützung für Einsteiger in die qualitative Forschung und als Auffrischung für erfahrene Forscher.