Nietzsches Kritik an Sokrates, Platon und dem Idealismus

Philosophie und EthikAktualisiert am 3,09 KB

Zusammenfassung

Der Text untersucht Nietzsches Kritik an der griechischen Philosophie seit Sokrates und Platon. Er stellt den Gegensatz zwischen dem Dionysischen und dem Apollinischen dar und zeigt, wie Nietzsche Sokrates als Verräter der Werte sieht. Außerdem werden Platons Ideenlehre, der sokratische Rationalismus sowie Nietzsches Auseinandersetzung mit Hegels Dialektik und dem Idealismus behandelt.

Kernpunkte

  • Vor Sokrates war die Kunst nach Nietzsche spielerisch und nicht auf die Beurteilung der Realität gerichtet; diese Haltung nennt er das Dionysische.
  • Nietzsche bezeichnet die griechische Tendenz zur Vernunft und Ordnung als das Apollinische.
  • Sokrates wird als großer Verräter dargestellt, der die Vernunft über das Leben stellte und die Umkehrung der Werte vollzog.
  • Platon unterschied die Welt der Ideen von der Welt der Sinne und erklärte die Ideen zur einzigen Realität.
  • Der sokratische Rationalismus teilt die moralische Realität in Gut und Böse; Nietzsche sieht darin eine Negation des Lebens.
  • Nietzsche kritisiert auch Hegels Bejahung des Werdens und die Metaphysik des Seins.

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Kritik an Sokrates

Nietzsches Werk verfolgt zwei Ziele: Einerseits die kritische Auseinandersetzung mit seinem früheren Denken und andererseits eine neue Erklärung der Welt. Unser Autor betrachtet die Philologie als das Zentrum der griechischen Welt. Die platonische Reflexion erscheint als das Ende einer Kultur, die von ästhetischen Werten zu rationalen Werten führte. Dieser Übergang von Mythen zum Logos wird von Nietzsche in Zweifel gezogen. Er hinterfragt, ob dieser Schritt positiv zu bewerten ist. Das Ergebnis seiner Arbeit führt allmählich zu der Erkenntnis, die bereits Schopenhauer klar formulierte: Der Grund liegt wie ein Schleier über der Welt, der das Wissen und die Realität behindert.

Kultur vor Sokrates

Vor Sokrates war die Kunst positiv und wissenschaftlich orientiert. Ihr Charakter war spielerisch und künstlerisch; sie beabsichtigte nicht, die Realität zu beurteilen, sondern sie widerzuspiegeln. Dies nennt Nietzsche das Dionysische.

Der Verrat des Sokrates

Nietzsche legt Sokrates die Vereinigung von Vernunft und Wahrheit unter der Formel des Parmenides in den Mund. Diese drastische Änderung entspricht einer bedingungslosen Akzeptanz der Vernunft und einer Kritik an den grundlegenden Trends der griechischen Kultur, die er als Apollinisch bezeichnet. Die Griechen vereinten zwei gegensätzliche Tendenzen: die Sehnsucht nach Leben und Lust sowie den ursprünglichen Pessimismus. Für Nietzsche erscheint Sokrates als der große Verräter, der die Umkehrung der Werte vollzog. Warum handelte Sokrates so? Weil er unfähig war, das Leben so zu akzeptieren, wie es war.

Kritik an Platon und dem Ideal

In der Götzen-Dämmerung notiert Nietzsche den zweiten Teil des Verrats: die Unterscheidung Platons zwischen der Welt der Ideen und der Welt der Sinne. Platon wies den moralischen Vorstellungen die Eigenschaften der Unveränderlichkeit zu und machte sie zur einzigen Realität. Die platonische Metaphysik ist die Negation des Lebens aus Liebe zu einer Welt der Ideen und der Vernunft. Sokrates und Platon brechen das Gleichgewicht zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen. Der sokratische Rationalismus teilt die moralische Realität in zwei Ebenen: Gut und Böse. Diese Haltung wird durch das Christentum bestätigt und bekräftigt, das den Menschen in den Mittelpunkt der Wahrheit stellt. Kant behauptet, Wissen sei nur begrenzt möglich, während Hegel sich in einer stumpfen und verwirrenden Sprache verliert.

Kritik an der sokratischen und Hegelschen Dialektik

Ein weiteres Grundprinzip Hegels ist die Bejahung des Werdens als Bezugssystem der Welt. Nietzsche kritisiert den großen Idealisten nicht nur direkt, sondern seine Präsenz durchzieht das gesamte Werk. Nietzsche betrachtet den Grund als „ägyptisch“. Die Evolution des Lebens ist so starr wie die Gemälde des alten Ägyptens. Die Metaphysik ist die Philosophie des Seins, doch die Bejahung des Werdens beinhaltet den Verzicht auf den Begriff des Seins. Nietzsche sieht in Wagners Opern die verborgene Botschaft der antiken Tragödien.

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Häufige Fragen

Warum kritisiert Nietzsche Sokrates?

Nach dem Text handelte Sokrates so, weil er unfähig war, das Leben so zu akzeptieren, wie es war. Nietzsche sieht in ihm deshalb den Verräter, der die Werte umkehrte.

Was bedeutet das Dionysische bei Nietzsche?

Das Dionysische bezeichnet im Text die spielerische, künstlerische Kultur vor Sokrates, die die Realität nicht beurteilen, sondern widerspiegeln wollte.

Was kritisiert Nietzsche an Platon?

Platon unterschied die Welt der Ideen von der Welt der Sinne und machte die unveränderlichen moralischen Ideen zur einzigen Realität. Nietzsche sieht darin eine Negation des Lebens.

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Test

1. Welcher Begriff bezeichnet bei Nietzsche die spielerische, künstlerische Kultur vor Sokrates?
2. Wen bezeichnet Nietzsche als großen Verräter, der die Umkehrung der Werte vollzog?
3. Wie nennt Nietzsche die griechische Tendenz zu Vernunft und Ordnung?
4. Wie teilt der sokratische Rationalismus die moralische Realität nach dem Text?
5. Was stellt Platon nach dem Text den moralischen Vorstellungen zu?
6. Welche Bejahung kritisiert Nietzsche bei Hegel?

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