Noam Chomskys Theorie zum Spracherwerb: Grundlagen
Grundsätze von Chomskys Theorie
- a) Angeborene Universalgrammatik (UG): Kinder verfügen über eine angeborene Veranlagung zur Sprache.
- b) Sprachliche Parameter: Die UG enthält grundlegende Eigenschaften der Sprache sowie einen Mechanismus zur Variabilität (Parameter), der die Anpassung an spezifische Sprachen ermöglicht.
- c) Spracherwerb: Der Erwerb erfolgt durch den Kontakt der UG mit sprachlichen Erfahrungen, die sich zu einer spezifischen Grammatik (z. B. Spanisch) entwickeln.
- d) Unabhängigkeit von Intelligenz: Der Spracherwerb ist kein Lernprozess, der auf allgemeinen intellektuellen Problemlösungsfähigkeiten basiert.
Biologische Programmierung des Spracherwerbs
Der Spracherwerb weist Merkmale eines biologisch programmierten Verhaltens auf:
- Entstehung: Bei allen Kindern zwischen 18 und 28 Monaten, unabhängig von kulturellen Einflüssen.
- Autonomie: Das Verhalten tritt ohne freiwillige Entscheidung auf und ist nicht durch äußere Ereignisse determiniert (obwohl eine reiche Umgebung förderlich ist).
- Keine explizite Instruktion: Kinder lernen nicht durch formale Ausbildung oder Korrektur von Fehlern.
- Regelmäßige Abfolge: Die Entwicklung korreliert mit anderen biologischen Entwicklungsschritten.
- Kritische Periode: Die normale Sprachentwicklung ist zeitlich begrenzt (von der Geburt bis zur Pubertät).
Beweis: Das Erlernen einer Zweitsprache im Erwachsenenalter ist deutlich schwieriger als der kindliche Erwerb der Muttersprache.
Die Universalgrammatik (UG)
Die Sprache des Kindes wird durch grundlegende Eigenschaften geprägt:
- Abstrakte Strukturen.
- Regelbasierte Steuerung.
- Kreativität statt bloßer Nachahmung.
Von der Universalgrammatik zur Einzelsprache
Die UG ist mit Parametern ausgestattet, die als Mechanismus dienen, um universelle Möglichkeiten in ein korrektes grammatisches System zu überführen. Durch sprachliche Erfahrung wird der Parameter für die jeweilige Sprache (z. B. das Auslassen des Subjekts im Spanischen) festgelegt.
Hinweis: Diese Theorie wurde noch nicht vollständig empirisch nachgewiesen; der Erwerbsprozess umfasst neben der parametrischen Einstellung weitere Faktoren.
Sprache und Denkvermögen
Der Spracherwerb ist unabhängig von der allgemeinen Intelligenz:
- Dissoziation: Kinder mit kognitiven Beeinträchtigungen (z. B. Down-Syndrom, Hydrocephalus) können dennoch eine gute morphologische und syntaktische Sprachkompetenz entwickeln.
- Spezifische Störungen: Es gibt Kinder mit Sprachstörungen ohne allgemeine kognitive oder neurologische Defizite.
- Evolutionäre Perspektive: Die Intelligenz korreliert nicht mit der Sprachfähigkeit (z. B. das Scheitern von Sprachversuchen bei Schimpansen).
Diese Fälle belegen, dass kognitive und sprachliche Fähigkeiten voneinander unabhängig sind.