Platons Kritik am Relativismus und sein Dualismus
Zusammenfassung
Der Text erläutert Platons Ablehnung des Relativismus der Sophisten, die er als skeptisch und für Ethik und Politik ungeeignet hält, und stellt seine ethischen, erkenntnistheoretischen und logischen Gründe dar. Außerdem werden der anthropologische und der ontologische Dualismus Platons erklärt, also die Trennung von Seele und Körper sowie von Ideenwelt und sinnlicher Welt. Lernende erfahren, warum Platon absolute Werte für notwendig hielt und wie er Seele und Körper bewertet.
Kernpunkte
- Protagoras prägte den relativistischen Satz „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“, den Platon ablehnt.
- Platon hält absolute moralische Werte für notwendig, damit ein gutes Leben und politisches Handeln möglich sind.
- Im Theaitetos argumentiert Platon, der Relativismus hebe sich selbst auf, weil er widersprüchliche Aussagen zugleich für wahr halten müsste.
- Der anthropologische Dualismus unterscheidet Seele als unsterbliches, göttliches Prinzip und Körper als materiellen Teil des Menschen.
- Der Körper gilt Platon als „Gefängnis der Seele“, Ursprung von Unwissenheit und Bösem.
- Der ontologische Dualismus teilt die Wirklichkeit in die vergängliche sinnliche Welt und die unveränderliche intelligible Welt der Ideen, die die grundlegende Realität ist.
Kritik des Relativismus
Platons Kritik am Relativismus der Sophisten betrachtet diesen als skeptisch, absurd und unangemessen für die Grundlagen von Ethik und Politik. Der Relativismus, dem sich Platon gegenübersieht, wurde von Protagoras mit dem berühmten Satz geprägt: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“
Platon lehnt den Relativismus aus folgenden wesentlichen Gründen ab:
I. Ethische und politische Gründe
Platon war überzeugt, dass nur die Existenz absoluter moralischer Werte ein gutes Leben und politisches Handeln ermöglicht. Die Welt der Ideen dient als notwendiger Bezugsrahmen, um sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben mit Weisheit zu handeln, wie er am Ende des Höhlengleichnisses in der Politeia darlegt.
II. Logische und erkenntnistheoretische Gründe
A. Erkenntnistheoretische Gründe
Eine sorgfältige Kritik betrifft die Auswirkungen des Relativismus auf die Möglichkeit der Erkenntnis: Nur die Existenz einer Welt absoluter Ideen erlaubt es, den Relativismus zu überwinden und Wissenschaft als wahres Wissen zu etablieren.
B. Logische Gründe
Im Dialog Theaitetos führt Platon die präzisesten Argumente gegen den Relativismus an:
- a) Relativismus ist wahr.
- b) Relativismus ist falsch.
Diese Sätze sind widersprüchlich. Während der Relativist beide für wahr hält, argumentiert Platon, dass der Relativismus sich selbst aufhebt, da er gleichzeitig behaupten müsste, seine eigene Theorie sei wahr und falsch.
Anthropologischer Dualismus
Der anthropologische Dualismus ist eine philosophische Lehre, nach der der Mensch aus zwei Prinzipien mit unterschiedlichen Zielen besteht: Seele und Körper.
In Übereinstimmung mit seinem ontologischen Dualismus vertritt Platon eine klare Trennung:
- Der Körper: Verbindet uns mit der materiellen, sinnlichen Welt.
- Die Seele: Ein unsterbliches, göttliches Prinzip, das uns mit der Welt der Ideen verbindet.
Für Platon identifiziert sich der Mensch primär mit seiner Seele. Die Inkarnation im Körper betrachtet er als vorübergehenden Zustand. Er bezeichnet den Körper oft als „Gefängnis der Seele“, da er als Ursprung von Unwissenheit und Bösem gilt.
Ontologischer Dualismus
Platon teilt die Realität in zwei völlig unterschiedliche Bereiche auf:
- Die sinnliche Welt: Die Menge der raum-zeitlichen, vergänglichen Dinge.
- Die intelligible Welt (Welt der Ideen): Nicht-räumlich, zeitlos, unveränderlich und ewig.
Obwohl beide Welten existieren, ist die intelligible Welt die grundlegende Realität. Die sinnliche Welt existiert nur, insofern sie die Welt der Ideen nachahmt oder an ihr teilhat. Platon verwendet hierfür auch den Begriff „sichtbare Welt“.
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Warum lehnt Platon den Relativismus ab?
Platon hält den Relativismus für skeptisch, absurd und ungeeignet als Grundlage für Ethik und Politik. Nur die Existenz absoluter moralischer Werte ermöglicht nach seiner Überzeugung ein gutes Leben und richtiges politisches Handeln.
Welches logische Argument führt Platon im Theaitetos gegen den Relativismus an?
Platon zeigt, dass die Sätze „Relativismus ist wahr“ und „Relativismus ist falsch“ sich widersprechen. Der Relativist müsste beide für wahr halten, weshalb sich seine Theorie selbst aufhebt.
Was versteht Platon unter der sinnlichen und der intelligiblen Welt?
Die sinnliche Welt umfasst die raum-zeitlichen, vergänglichen Dinge. Die intelligible Welt der Ideen ist nicht-räumlich, zeitlos, unveränderlich und ewig und gilt als die eigentliche Realität.
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