Platons Philosophie: Leben, Werk und die Gerechtigkeit
Platons Leben und der historische Kontext
Die Zeit, in der Platon lebte, bedingte und rechtfertigte seine Philosophie und vor allem sein sozialpolitisches Denken, insbesondere sein Meisterwerk und Prüfungszentrum: „Der Staat“ (Politeia) oder „Über die Gerechtigkeit“.
Obwohl er streng genommen nicht direkt in dieser Zeit lebte, ist Platon der direkte Erbe der politischen, philosophischen und sozialen Probleme, die mit der Entwicklung der Demokratie im klassischen Athen des Perikles zusammenhingen. Nach dem Sieg in den Perserkriegen und der darauffolgenden anthropologischen Wende entstand ein neuer Horizont der Isonomie, der das aristokratische Modell ablöste.
Platon wurde 427 v. Chr. in eine aristokratische Familie hineingeboren, mitten im Peloponnesischen Krieg. Als Soldat nahm er an diesem Konflikt zwischen dem Peloponnesischen Bund und dem Attischen Seebund teil. Der Krieg endete mit der Herrschaft der Dreißig Tyrannen, die von Mitgliedern seiner Familie geführt und politisch von Sparta unterstützt wurde. Dieses Regime markierte die Krise der demokratischen Ideen und den Beginn des Zusammenbruchs der griechischen Welt.
Der Einfluss von Sokrates und die politische Krise
Mit 20 Jahren traf er seinen Mentor Sokrates, den er bewunderte und dessen Philosophie er in seinen Werken widerspiegelte. Nach der Wiederherstellung der Demokratie verurteilte eine Jury Sokrates nach kurzer Zeit zum Tode. Diese Entscheidung veranlasste Platon, sich der Philosophie und Bildung zu widmen, sich vom öffentlichen Leben zurückzuziehen und die Sophisten sowie die Korruption des politischen Systems permanent zu kritisieren. Dies führte zu einer tiefgreifenden anthropologischen, ethischen und politischen Krise.
Reisen und philosophische Einflüsse
Der Tod des Sokrates stürzte Platon in eine Krise und leitete eine Reihe von Reisen ein. Er besuchte verschiedene Länder, um andere Denkweisen kennenzulernen und sein Modell des „Staates“ umzusetzen. Die Krise hielt bis zu Philipp II. von Makedonien an, was das Ende des griechischen Selbstvertrauens bedeutete.
Auf seinen Reisen kam Platon nach Ägypten und begegnete den Lehren von Heraklit und Parmenides. Von Parmenides übernahm er die Qualität der „Idee“ und die Züge des „Seins“. Das Verhältnis zwischen der sinnlichen Welt und der Täuschung bei Heraklit sowie dessen Weltbild des ewigen Flusses (symbolisiert durch das Feuer) beeinflussten ihn ebenfalls. In Sizilien lernte er Pythagoreer kennen, von denen er die Bedeutung der Mathematik, den anthropologischen Dualismus (die Identifikation des Menschen mit seiner rationalen Seele) und die Lehre der Wiedergeburt übernahm. Vom Atomismus und Anaxagoras übernahm er den Begriff des Nous als ordnende, externe Intelligenz der Materie (Demiurg).
Die Gründung der Akademie und das Spätwerk
Nach seiner Rückkehr nach Athen gründete er die „Akademie“, die als erste Universität gilt und jahrhundertelang das kulturelle Zentrum Athens war. Zur Ausbildung künftiger Führungskräfte wurden dort viele Themen mit großer geistiger Freiheit studiert. In dieser Phase entwickelte er seine wichtigsten Theorien und Werke.
Mit 60 Jahren reiste er erneut nach Sizilien, um das politische Modell aus seinem Werk „Der Staat“ umzusetzen – das Ergebnis intensiver soziopolitischer Reflexion.
Das Streben nach Gerechtigkeit
Angesichts der Krise betonte er die Notwendigkeit, die Gesellschaft nach einer neuen Idee der Gerechtigkeit zu formen. Platon wollte verhindern, dass eine Rückkehr zur Demokratie das Volk erneut in eine Krise stürzt. Er suchte nach einer Gerechtigkeit, die dem Gemeinwohl dient und nicht dem Eigennutz. Hier zeigt sich die moralische Kraft des sokratischen Intellektualismus, die im Bewusstsein des Philosophen verankert ist.
Obwohl Platon zeitweise an der Gültigkeit seiner Philosophie zweifelte, kehrte er zu seinen Lehren zurück, wobei ihm Aristoteles als große Ermutigung diente. Er starb im Jahre 347 v. Chr.