Der Primärsektor in Spanien: Struktur und GAP-Reformen
Der Primärsektor
Abgrenzung und quantitative Bedeutung in Spanien
Der Primärsektor basiert auf der Gewinnung von Erzeugnissen aus der Natur. Er gliedert sich in folgende Teilbereiche:
- Landwirtschaft: 58 %
- Tierhaltung: 39 %
- Forstwirtschaft: 3 %
Die quantitative Bedeutung des Sektors zeigt sich in seinem Beitrag zum BIP (3,5 %) und zur Beschäftigung:
- BIP-Anteil: Landwirtschaft (3,3 %), Fischerei (0,2 %)
- Beschäftigungsanteil: Landwirtschaft (5 %), Fischerei (0,3 %)
Innerhalb der Landwirtschaft lassen sich drei Teilbereiche unterscheiden:
- Landwirtschaftlicher Teilsektor (58 % des Agrar-BIP): Wichtigste Erzeugnisse sind Gemüse, Obst, Getreide und Olivenöl.
- Tierhaltung (39 %): Wichtig sind Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen.
- Forstwirtschaft (3 %): Gewinnung von Holz und Kork.
Merkmale des Primärsektors
- Die landwirtschaftlichen Betriebe werden meist von Personen über 55 Jahren geführt.
- Im Norden dominieren kleine Betriebe, während im Süden großflächige Strukturen überwiegen.
- Es gibt viele Kleinbauern, die weitgehend unabhängig agieren.
- Der Agrarsektor ist zwar repräsentativ (über 50 % der Fläche), doch der Ertrag pro Hektar ist im Vergleich zu anderen EU-Ländern deutlich niedriger.
- Der Gartenbau ist der wettbewerbsfähigste Bereich, leidet jedoch unter Wasserknappheit.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)
Die GAP wurde im Vertrag von Rom verankert.
Ziele:
- Steigerung der Produktivität
- Gewährleistung eines angemessenen Lebensstandards für Landwirte
- Stabilisierung der Märkte
- Versorgungssicherheit und Preisstabilität
Prinzipien:
- Einheitlicher Markt: Freier Handel zwischen Mitgliedsländern durch einen gemeinsamen Außenzoll.
- Gemeinschaftspräferenz: Schutz des europäischen Marktes vor günstigen Importen.
- Finanzielle Solidarität: Finanzierung über den EU-Haushalt (EAGFL). Die GAP soll Landwirten durch jährliche Anpassungen (CPI) ein rentables Einkommen sichern.
Die Ergebnisse der GAP sind zwiespältig: Einerseits hohe Produktivität, andererseits hohe Kosten, Preissteigerungen über dem Weltmarktniveau und enorme Haushaltsbelastungen, die Reformen notwendig machten.
GAP-Reformen
- Erste Reformen: Einführung von Entschädigungszahlungen und Produktionsbegrenzungen.
- Agenda 2000: Vertiefung der Reformen mit Fokus auf ländliche Entwicklung, Diversifizierung, Umweltschutz und Vereinfachung der GAP.
- Reform von 2003:
- Entkopplung: Einführung der einheitlichen Betriebsprämie, unabhängig vom Ertrag.
- Modulation: Progressive Verringerung der Beihilfen (Ziel: 5 % Reduktion).
- Compliance: Verpflichtende Einhaltung von Umwelt- und Tierschutznormen (bei Verstößen drohen 25 % Kürzung der Beihilfen).
- Stärkung der ländlichen Entwicklung: Förderung ergänzender Aktivitäten.