Psychologische Entwicklung und Theorien: Freud, Skinner und Maslow

Psychologie und SoziologieAktualisiert am 11,24 KB

Zusammenfassung

Der Text gibt einen Überblick über die psychologische Entwicklung des Menschen über den Lebenszyklus sowie über zentrale Persönlichkeits- und Lerntheorien. Behandelt werden Entwicklungsmodelle, die Phasen der Kindheit und Jugend, Freuds Psychoanalyse mit Topiken, Abwehrmechanismen und Sexualphasen, Skinners operante Konditionierung sowie humanistische Ansätze von Rogers und Maslow.

Kernpunkte

  • Es gibt drei Entwicklungsmodelle: mechanistisch, organismisch und systemisch-dialektisch.
  • Freud unterschied eine erste Topik (Bewusstsein, Vorbewusstsein, Unbewusstes) und eine zweite Topik (Es, Ich, Über-Ich).
  • Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Projektion, Verschiebung, Sublimierung und Fantasie schützen das Ich vor Konflikten und Ängsten.
  • Freuds psychosexuelle Phasen reichen von der oralen über die anale, phallische und Latenzphase bis zur genitalen Phase.
  • Skinner sieht Verhalten durch Verstärker und Konsequenzen gesteuert; Token Economy ist eine Form der Verhaltensmodifikation.
  • Maslow ordnet Bedürfnisse hierarchisch, mit Selbstverwirklichung als höchster Stufe; Rogers betont das Selbst und die Nähe zwischen realem Selbst und Ideal-Selbst.

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Psychologische Forschung & Evolutionäres Verhalten

Die psychologische Forschung des evolutionären menschlichen Verhaltens konzentriert sich auf den Lebens- und Entwicklungszyklus. Es gibt drei Hauptmodelle der Entwicklung:

  • Mechanistisches Modell

    Versteht den Einzelnen als eine Ansammlung von Mechanismen. Lernen ist hierbei das zentrale Konzept, wobei ökologische und biologische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

  • Organismisches Modell

    Betrachtet den Menschen als einen lebenden Organismus, dessen Veränderungen oft irreversibel sind. Die Gesetze der Entwicklung sind hierbei weitgehend kulturunabhängig. Umweltfaktoren und Lernen können die Entwicklung modifizieren. Vertreter sind unter anderem Werner, Freud, Erik Erikson und Piaget.

  • Systemisch-Dialektisches Modell

    Ursprünglich von marxistischen sowjetischen Psychologen (z.B. Wallon, Wygotski) entwickelt. Die Entwicklung wird als ein Dialog zwischen dem Subjekt und der Umwelt verstanden, die sich gegenseitig bedingen. Der Einzelne strebt dabei nach einem Gleichgewicht.

Etappen des Lebenszyklus

Die Kindheit ist eine Abfolge von Gleichgewichten. Wenn diese Gleichgewichte gestört werden, kann dies zu Brüchen in der mentalen und affektiven Organisation führen. Die Grenzen der einzelnen Entwicklungsstufen hängen von verschiedenen Umständen ab, wie physiologischen Bedingungen und sozialen Faktoren.

Vier Perioden der Kindheit:

  • Frühe Kindheit (0-3 Jahre)

    Gekennzeichnet durch eine gute psychische Entwicklung und die Bildung des Ichs (die Fähigkeit, sich selbst von anderen zu unterscheiden). In dieser Phase wird alles über den Körper assimiliert.

  • Zweite Kindheit (3-6/7 Jahre)

    Eine egozentrische Haltung dominiert. Der Anpassungsprozess an die Welt wird durch physiologische Veränderungen und die Entwicklung der Sprache beschleunigt.

  • Dritte Kindheit (6/7-11/12 Jahre)

    Überwindung des Egozentrismus. Der Sozialisierungsprozess wird durch die schulische Bildung des Kindes stark gefördert.

  • Jugend (12-18 Jahre)

    Markiert den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter und ist eine Zeit großer physiologischer und mentaler Veränderungen.

    • Physiologische Ebene

      Allgemeines Ungleichgewicht der Funktionen (Hypophyse → Wachstumshormone, Entwicklung der Genitalorgane, Knochen, Muskeln).

    • Intellektuelle Ebene

      Anfänglicher intellektueller Egozentrismus, der später durch korrigiertes Denken und Realitätssinn abgelöst wird.

    • Emotionale Ebene

      Beginn der Suche nach persönlicher Selbstverwirklichung, geprägt von Narzissmus, Einsamkeit und dem Geschlechtstrieb (z.B. Masturbation).

    • Soziale Ebene

      Anhaltende Unzufriedenheit aufgrund der Diskrepanz zwischen der inneren Welt und der Realität. Diese Konflikte werden durch die Suche nach einem Gleichgewicht gelöst, was zu sozialer und beruflicher Anpassung sowie emotionaler und sexueller Stabilität führt.

Charakter & Persönlichkeitstheorien

Der Charakter setzt sich aus Temperament und Charakterzügen zusammen. Das Temperament ist ein geerbtes, biologisches Erbe und schwer zu ändern. Der Charakter hingegen bildet sich durch Gewohnheiten und Verhaltensweisen im Laufe des Lebens. Ein Trait ist eine spezifische Verhaltensform, während ein Typ eine Ansammlung von Eigenschaften darstellt.

Freuds psychoanalytische Perspektive (20. Jahrhundert)

Freud definierte die Persönlichkeit anhand von zwei Topiken:

  1. Erste Topik: Bewusstsein, Vorbewusstsein, Unbewusstes

    Das Bewusstsein ist das, was wir direkt wahrnehmen. Das Vorbewusstsein enthält Inhalte, die nicht bewusst sind, aber leicht zugänglich gemacht werden können (z.B. durch Ordnung oder Zensur). Das Unbewusste ist der Bereich der Verdrängung, eine moralisch internalisierte/unbewusste reine Energie, die uns unbekannt ist. Freud sah den Menschen als instinktgesteuert.

  2. Zweite Topik: Es, Ich, Über-Ich

    Die Interaktion mit der Außenwelt führt zu Verdrängung durch das Ich. Das Über-Ich fungiert als Zensor (entspannt sich z.B. beim Zugang zum Unbewussten im Traum). Das Es repräsentiert die Instinkte: Libido (Liebe, sexuelle Energie) und Thanatos (Tod, Aggression). Der Traum ist die Befreiung von allem, was uns beschäftigt.

Sigmund Freud (1856-1939)

Geboren in Freiberg (Mähren). Studierte an der medizinischen Fakultät und erhielt ein Stipendium für ein Studium in Paris bei dem Neurologen Charcot. Dort entdeckte er das Unbewusste durch die Untersuchung hysterischer Patienten mit traumatischen Ursachen. Von dort aus entwickelte er den Begriff der Psychoanalyse, der in ganz Europa großes Interesse weckte. Während der Zeit der nationalsozialistischen Bedrohung wurden seine Bücher verbrannt.

Die unbewusste Psyche

Das Subjekt versteht und erfasst eine Ordnung, ohne sich dessen bewusst zu sein. Freud selbst nutzte eine neue Technik: die freie Assoziation von Bildern und Vorstellungen. Er beobachtete jedoch, dass Widerstände (Abwehrmechanismen) diese hemmten. Verdrängung verhindert das bewusste Auftauchen traumatischer Erinnerungen. Das Lustprinzip ist die sofortige Tendenz, unbewusste Wünsche zu erfüllen, wird aber durch die Realität und Zensur eingeschränkt. Zensierte Elemente zeigen sich in Träumen, Fehlleistungen und Versprechern.

Freuds Abwehrmechanismen

Abwehrmechanismen sind unbewusste Strategien des Ichs, um mit Konflikten und Ängsten umzugehen:

  1. Sublimierung

    Sexuelle Begierden und Aggressivität werden auf sozial akzeptable Ziele umgelenkt. Dieser Mechanismus ist wichtig für die Anpassung und die persönliche Entwicklung.

  2. Fantasie

    Auf gedanklicher Ebene werden Wünsche befriedigt, um eine Grundlage für Bilder zu schaffen, oft in Verbindung mit Verdrängung.

  3. Verschiebung

    Die Motivation für ein Ziel wird auf andere Ressourcen verlagert, wenn das ursprüngliche Ziel unerreichbar ist. Zum Beispiel Daumenlutschen als Ersatz für die fehlende Brust der Mutter.

  4. Projektion

    Eigene Schuldgefühle, Wünsche und Impulse werden anderen zugeschrieben, um sie nicht akzeptieren oder ablehnen zu müssen.

  5. Verdrängung (Repression)

    Der kontrollierendste Mechanismus, bei dem das Ich die Abstoßungen unterdrückt und ins Unbewusste verbannt.

Manifestationen des Unbewussten

Das Unbewusste manifestiert sich in Träumen, Neurosen und Psychosen. Das Subjekt wird sich des Widerstands bewusst, der es blockiert. Der Entstehungsprozess des Traumes wirkt über zwei Mechanismen:

  • Verschiebung: Verlagerung von Affekten und Bedeutungen von einem Objekt auf ein anderes.
  • Verdichtung: Mehrere latente Inhalte werden zu einem einzigen manifesten Traumelement zusammengefasst.

Die Teile des Traumes, an die wir uns erinnern, sind oft die am stärksten zensierten.

Freuds Theorie der Sexualität

Die psychoanalytische Sichtweise der Sexualität, die sie als natürlich darstellte, war zu Freuds Zeiten ein Tabuthema und erntete viel negative Kritik und einen sozialen Skandal. Freud unterschied verschiedene Phasen der psychosexuellen Entwicklung:

  1. Orale Phase (0-2 Jahre)

    Die Lustgewinnung erfolgt über den Mund. Das Saugen (Schnuller, Mutterbrust) dient der Sicherheit und Beruhigung.

  2. Anale Phase (2-4 Jahre)

    Verbunden mit der Befriedigung durch den Stuhlgang. Das Kind lernt, wie es die Eltern durch Gewohnheiten oder deren Verweigerung beeinflussen kann.

  3. Phallische Phase (4-6 Jahre)

    Entdeckung der Geschlechtsorgane. Hier entstehen Schuldgefühle und der Ödipus- bzw. Elektra-Komplex.

  4. Latenzphase (6 Jahre bis Pubertät)

    Geringe sexuelle Aktivität. Eine Zeit der Vorbereitung auf die physiologischen Veränderungen der Pubertät, in der der Realitätssinn entwickelt wird.

  5. Genitale Phase (ab Pubertät, ca. 11-12 Jahre)

    Konzentration der Sexualität auf die Genitalien. Umfassende physische und psychologische Veränderungen. Eine oft schwierige Zeit für Teenager, geprägt von vielen Widersprüchen.

Skinner: Operante Konditionierung

Nach Skinner agiert der Einzelne in einer Reihe von Stimuli. Ein Verstärker ist ein Reiz, der ein bestimmtes Verhalten verstärkt. Jedes Verhalten hat eine Konsequenz; daher sollte man sich so verhalten, dass man einen Nutzen erzielt oder etwas Negatives vermeidet. Ein aversiver Reiz (Bestrafung) wirkt als Kontrastverstärker und soll die Wiederholung eines negativen Verhaltens verhindern. Skinner lehnte jedoch negative Impulse (Bestrafung) als primäres Mittel ab.

Verhaltensmodifikation

Ziel ist es, unerwünschtes Verhalten zu eliminieren und durch wünschenswertes zu ersetzen. Diese Methode wird häufig bei psychologischen Problemen (z.B. Süchten, Neurosen, Schüchternheit, Autismus oder Schizophrenie) angewendet, oft auch bei Kindern.

Token Economy

Eine Variante der Verhaltensmodifikation, die in Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern oder Gefängnissen eingesetzt wird. Hierbei werden kleine Belohnungen (Tokens) für gewünschtes Verhalten vergeben, die später gegen größere Belohnungen eingetauscht werden können, anstatt Bestrafungen zu verwenden.

Humanistische Perspektive

Die humanistische Psychologie berücksichtigt die gesamte Person, einschließlich ihrer Gefühle, Wahrnehmungen und ihrer Lebensvision. Neben der Erfüllung grundlegender Bedürfnisse (Hunger, Durst, Sexualität, Sicherheit) muss der Mensch auch sein Potenzial entwickeln. Das Ziel der humanistischen Psychologie ist es, den Menschen zu verstehen. Wichtige Vertreter sind Carl Rogers und Abraham Maslow.

Carl Rogers

In Rogers' Therapie hat das Individuum die Fähigkeit, sich zu verändern und Entscheidungen zu treffen. Es erforscht und analysiert seine Probleme selbst (im Gegensatz zur Psychoanalyse). Das Selbst (Self) ist führend in dieser Theorie. Jeder Mensch hat ein Ideal-Selbst (die Art von Person, die man sein möchte). Je ähnlicher das reale Selbst dem Ideal-Selbst ist, desto glücklicher ist der Einzelne.

Abraham Maslow

Maslow wurde von der Psychoanalyse beeinflusst. Seine Bedürfnishierarchie beschreibt eine biologische Hierarchie psychologischer Motivationen. Die höchste Stufe ist die Selbstverwirklichung, die mit folgenden Merkmalen verbunden ist:

  • Sichere Wahrnehmung der Realität.
  • Selbstakzeptanz und Akzeptanz anderer, so wie sie sind.
  • Fokus auf die Probleme der Menschheit, nicht nur auf die eigenen.
  • Fähigkeit, das Leben objektiv zu sehen.
  • Fähigkeit, die Erfahrungen des Lebens zu genießen.

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Häufige Fragen

Was unterscheidet Temperament und Charakter?

Das Temperament ist ein geerbtes, biologisches Erbe und schwer zu ändern. Der Charakter bildet sich dagegen im Laufe des Lebens durch Gewohnheiten und Verhaltensweisen.

Was sind die Es-, Ich- und Über-Ich-Instanzen bei Freud?

Das Es repräsentiert die Instinkte wie Libido und Thanatos. Das Ich vermittelt mit der Außenwelt und verdrängt, das Über-Ich wirkt als Zensor.

Was ist Verhaltensmodifikation?

Ziel ist es, unerwünschtes Verhalten zu eliminieren und durch wünschenswertes zu ersetzen. Sie wird etwa bei Süchten, Schüchternheit oder Autismus angewendet.

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Test

1. Welche Topik umfasst Bewusstsein, Vorbewusstsein und Unbewusstes?
2. Welche Instanz wirkt bei Freud als Zensor?
3. Was beschreibt die Verschiebung als Abwehrmechanismus?
4. Welche Phase folgt bei Freud auf die anale Phase?
5. Was verstärkt nach Skinner ein bestimmtes Verhalten?
6. Was ist bei Skinner das primäre Mittel zur Verhaltenskontrolle?
7. Welcher Begriff beschreibt das Belohnungssystem mit Tokens in Schulen oder Krankenhäusern?
8. Welche Stufe steht an der Spitze der Bedürfnishierarchie nach Maslow?
9. Was beschreibt Rogers' Ideal-Selbst?

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