Der Realismus in der Literatur des 19. Jahrhunderts
Realismus: Diese Epoche entstand in Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Texte basieren auf Sittenbildern und beschreiben das Leben so, wie es wirklich ist. Die Erzählung ist die dominierende Gattung, während das Theater an zweiter Stelle steht.
Merkmale des Realismus
- Ziel: Objektive Darstellung des Lebens.
- Beschreibung: Detailreiche Schilderung verschiedenster Charaktertypen.
- Schreibstil: Vielfältig und an die Charaktere angepasst.
- Charaktere: Komplex, realitätsnah und gut charakterisiert.
- Thema: Der Konflikt zwischen dem Individuum (Träume, Gedanken) und der Wirklichkeit.
- Perspektive: Einblick in das intime Leben durch die Geschichte.
Ideologie und Stil
Ideologie: Der Erzähler agiert oft objektiv wie ein Journalist und nutzt die Standardsprache. Es werden alle gesellschaftlichen Aspekte sowie die populäre Umgangssprache widergespiegelt. Der innere Monolog offenbart das Innenleben und die Gedanken der Charaktere.
Der Roman ist die bevorzugte Gattung der Bourgeoisie (Bürgertum). Zwei Strömungen prägen das Denken:
- Positivismus: Rationale Analyse; nur das empirisch Erlebte ist gültig.
- Marxismus: Beeinflusst die Denkweise über gesellschaftliche Strukturen stark.
Wichtige Autoren sind Fernán Caballero und José María de Pereda (konservativ) sowie Emilia Pardo Bazán, Blasco Ibáñez und Benito Pérez Galdós (fortschrittlich).
Literarische Gattungen
Lyrik: Sie ist in dieser Epoche weniger präsent, da sich Realität und Poesie schwer vermischen lassen. Bekannt sind die Post-Romantik von Bécquer und Rosalía de Castro sowie Werke von Campoamor und Núñez de Arce.
Theater: Es thematisiert vor allem die wirtschaftliche Situation des Bürgertums. Neben romantischen Stücken gibt es die High Comedy (Alta Comedia). Galdós schuf kühne Werke; López de Ayala und Tamayo y Baus schrieben realistische bürgerliche Geschichten.
Die Entwicklung der Erzählkunst (Narrative)
Die Narrative unterteilt sich in drei Perioden:
- Thesenromane: (Frühwerk von Galdós). Die Figuren sind eindeutig gut oder schlecht (z. B. Doña Perfecta). In Die Möwe (Fernán Caballero) wird das Fehlverhalten bestraft.
- Realistische Romane: Entstanden in den 1880er Jahren; sie sind objektiver gestaltet. Beispiele: La Regenta (Clarín) sowie Fortunata und Jacinta (Galdós).
- Spirituelle oder ideelle Romane: Abkehr vom sozialen Kampf; Fokus auf die Innenwelt und Träume der Charaktere. Beispiele: Misericordia, El abuelo und Halma (alle von Galdós).