Soziale Entwicklung und Bindungstheorie im Kindesalter
ITEM 4: Kinder entdecken die anderen
Wenn das Baby beginnt, sich seiner selbst bewusst zu werden, fängt es an, Objekte von Mitmenschen zu unterscheiden, und sein Verhalten gegenüber anderen Babys verändert sich. Kinder suchen zunehmend bewusst den Kontakt zu geliebten Erwachsenen in fusionellen Situationen.
Die Phase der Besessenheit und Trennungsangst
In dieser Phase treten Momente der Anwesenheit und Abwesenheit auf, die von Angst und dem Gefühl des Verlustes geprägt sind. Das Thema steht in enger Beziehung zu anderen: Das Kind entdeckt seine sozialen Beziehungen als menschliches Wesen. Dabei kann es zu sozialer Hemmung kommen (Schwierigkeiten, die Kommunikation mit anderen aufrechtzuerhalten). Eine Hemmungsstörung kann sich in körperlichen oder geistigen Funktionen zeigen. Gehemmtes Verhalten wird oft durch Angst, die Furcht vor dem Vater oder Minderwertigkeitsgefühle verursacht.
Einflussfaktoren und die Bindungstheorie
Der globale Einfluss steht im Verhältnis zu sich selbst, zu anderen und zum Medium. Desinhibition (Enthemmung) kann als Reaktion auf ein Blockade-Phänomen auftreten. Die Kind-Bindung ist eine emotionale Bindung, die auf der Zuneigung zu einem anderen basiert, wie in der Bindungstheorie von John Bowlby beschrieben.
Theorien zum Bindungsverhalten
Die Theorie des sekundären Antriebs besagt, dass das Kind lernt, die Bezugsperson zu schätzen, wenn physiologische Bedürfnisse befriedigt werden. Laut John Bowlby dienen Verhaltenssysteme der Bezugsperson der evolutionären Anpassung. Es gibt ein didaktisches System zwischen Mutter und Kind, in dem eine Korrespondenz der Aktivitäten besteht.
Kommunikative Verhaltensweisen
Die Mutter zeigt oft ein visuelles Verhalten in einem Abstand von 25 cm, starrt das Kind an und kommentiert Handlungen. Kommunikative Verhaltensweisen umfassen:
- Direkter Kontakt
- Einsatz von Körpersprache
- Einfache, kurze und wiederholte verbale Sprache
- Ausdruck von Gefühlen und Emotionen
Stadien der Bindung an eine Bezugsperson
Das Kind durchläuft verschiedene Stadien bei der Wahl seiner Bezugsperson:
- Bis 3 Monate: Bevorzugung der menschlichen Spezies allgemein.
- Nach 3 Monaten: Die Mutter wird gegenüber Fremden bevorzugt.
- Ab 6 Monaten: Fremde werden abgelehnt (Fremdeln).
- Ab 1 Jahr: Ein konfliktreicher Prozess beginnt, da das Kind nach Unabhängigkeit strebt.
Der Entdeckungsprozess der Familie
Die Familie ist ab der Geburt präsent, aber die bewusste Entdeckung und Anerkennung findet erst im dritten oder vierten Monat statt. Dies führt zum Link-Anhang und zur vorbehaltlosen Annahme. Am Ende des ersten und während des zweiten Jahres erreicht das Kind die Unabhängigkeit von den Bezugspersonen und entdeckt sich selbst.
Freundschaft und soziale Entwicklung nach Osterrieth
Osterrieth unterteilt die Entwicklung der Freundschaft in vier Stufen: alleinstehend, parallel, assoziativ und geregelt. Akzeptanzprozesse zeigen sich besonders im Spiel (Parallelspiel, assoziatives Spiel).
Die Schule als Sozialisationsinstanz
Die Schule ist eine Institution, die soziale Maßnahmen vermittelt. Sie fördert:
- Gleichheit unter Gleichen
- Verteilungsgerechtigkeit
- Die Anwendung von Recht und die Anerkennung des Eigentums
- Affektive Neutralität
Zu entwickelnde Fähigkeiten
Kinder sollen ihr familiäres Umfeld sowie Natur- und Sozialwissenschaften beobachten und entdecken. Sie gewinnen allmählich Autonomie in ihren Aktivitäten und entwickeln ihre emotionalen Fähigkeiten. Durch Interaktion erwerben sie soziale Strukturen des Zusammenlebens und lernen die friedliche Lösung von Konflikten.
Risikofaktoren und Prävention
Die Schule spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention und Intervention für gefährdete Kinder. Risikofaktoren sind:
- Familie: Überbehütung, Verlassenheit, mangelnde Wertschätzung, Gewalt und Angstsituationen.
- Gesellschaft: Arbeitslosigkeit, Armut, Drogen und Probleme bei der Einwanderung behindern die Entfaltung.
- Schule: Wettbewerbsdruck und Diskriminierung.
Strategien der Schule
Die Schule muss zwei Strategien verfolgen: Prävention (Erkennen von physischen Beeinträchtigungen, Müdigkeit oder unregelmäßigem Verhalten) und Intervention (Zusammenarbeit mit Gesundheitsberufen und Erstellung von Plänen zur Problemlösung).
Einfluss der Familie und pädagogische Ansätze
Ein Mangel an Liebe kann zu emotionaler Unreife führen. Ursachen können das Fehlen der Mutter im ersten Lebensjahr oder ein Wechsel der Bezugsperson in den ersten vier bis fünf Jahren sein. Die familiäre Atmosphäre wird stark von der sozialen Situation und der innerfamiliären Dynamik bestimmt.
Präventive Maßnahmen in der Schule
Die Schule sollte die Individualität achten und Vielfalt zulassen. Aktivitäten müssen flexibel sein, die soziale Integration erleichtern und Reize zur Überwindung von Schwierigkeiten bieten. Pädagogische Strategien (PCC) müssen angepasst, aktualisiert und durch stabile Lehrer-Schüler-Beziehungen sowie Bildungsberatung für Eltern gestärkt werden.
Faktoren für Gruppenkonflikte
Interne Faktoren wie Egoismus, Temperament oder die Unfähigkeit, Interessen zu regulieren, spielen eine Rolle. Äußere Merkmale sind kulturelle Stereotypen und Einstellungen der Erwachsenen. Häufige Konflikte entstehen durch:
- Streit um den Besitz von Gegenständen oder Räumen
- Probleme bei der Rollenverteilung innerhalb der Gruppe
- Verletzung von festgelegten Normen
- Fragen der gegenseitigen Akzeptanz