Spanische Literatur 1902: Pío Baroja & Miguel de Unamuno
Die spanischen Romane des Jahres 1902
Im Jahr 1902 wurden vier Romane veröffentlicht, deren Erscheinen den Beginn der Wiederbelebung des Romans im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts markierte. In diesen Werken finden wir einige gemeinsame Merkmale:
Merkmale der literarischen Erneuerung
- Die Überwindung des Realismus: Ein Ausdruck von Subjektivität und der inneren Welt der Charaktere im Gegensatz zum Spiegelbild der äußeren Wirklichkeit des Romans des 19. Jahrhunderts.
- Pessimismus und die Sinnlosigkeit des Daseins: Die Protagonisten sind oft lustlos und desorientiert, gekennzeichnet durch einen Mangel an Vernunft und Lebenswillen; Selbstmord ist ein häufiges Thema.
- Die Sorge um die Realität der Zeit: Kritik an der übermäßigen Macht der Kirche und der Armee sowie an Schutzherrschaft und Unwissenheit; Vorschlag von Maßnahmen zur Regeneration.
Pío Baroja: Kampf und Pessimismus
Pío Baroja schrieb über 50 Romane. Er nahm die Beobachtung der Wirklichkeit als Ausgangspunkt, gab jedoch die Hoffnung auf Objektivität auf. In seinen Romanen ist das Leben ein unaufhörlicher Kampf, der nirgendwohin führt. Die Protagonisten kämpfen gegen Angst und Orientierungslosigkeit; sie suchen Zuflucht in Dynamik und Abenteuern.
Der Baum der Erkenntnis
Sein bekanntester Roman ist Der Baum der Erkenntnis (Original: El árbol de la ciencia). Er erzählt die Ereignisse aus dem Leben von Andrés Hurtado, einem Arzt, der bei dem Versuch scheitert, Antworten auf die zentralen Fragen der Wissenschaft zu finden. Das Leiden kann nur durch die Ausübung der Ataraxie gelindert werden; schließlich begeht er Selbstmord. Alle seine Romane zeigen Barojas außergewöhnliche Erzählkunst, deren Stil durch kurze Sätze und rhetorische Mittel charakterisiert ist.
Miguel de Unamuno: Existenzielle Fragen
Miguel de Unamuno konzipierte den Roman als Ausdrucksmittel für philosophische Probleme und existenzielle Fragen:
- A) Die Sehnsucht nach Unsterblichkeit: Der Drang des Menschen, an Gott und das ewige Leben zu glauben, obwohl die Vernunft dieser Überzeugung widerspricht.
- B) Die Auffassung des Lebens als Fiktion: Eine Art Parallelität zwischen dem Charakter und dem Autor sowie zwischen den Menschen und Gott.
Die Sorge um die Realität Spaniens spiegelt sich in seinen Romanen wider, in denen Neid und die Klage über den traditionellen hispanischen Kainismus thematisiert werden. In all seinen Werken wird zudem der Dialog besonders betont.