Spanische Literatur: Realismus und Miguel Delibes
Die Entwicklung des spanischen Romans
Die zweite Stufe ist die Phase des sozialen Realismus. Dies bedeutet, dass die Autoren den Anspruch erheben, Romane zu schreiben, welche die Bourgeoisie darstellen, soziale Ungerechtigkeiten aufzeigen und die Leser gegen diese mobilisieren. Zentrale Themen sind: die Stadt, das Leben in der Natur und die Arbeit. Wichtige Beispiele sind La Colmena von Camilo José Cela sowie Werke von Rafael Sánchez Ferlosio (El Jarama) und Miguel Delibes (Der Weg).
Die dritte Stufe: Neue narrative Techniken
Im Jahr 1962 wurde mit Tiempo de silencio von Luis Martín-Santos ein Roman veröffentlicht, der als einer der besten des 20. Jahrhunderts in Spanien gilt. Dies ist die Stufe der neuen narrativen Techniken im Roman. In dieser Phase wurden große europäische und amerikanische Autoren wie Marcel Proust, Franz Kafka, James Joyce und Virginia Woolf gelesen und übersetzt. In Spanien findet diese Entwicklung ihren Ausdruck unter anderem in Fünf Stunden mit Mario.
Die letzte Stufe: Der zeitgenössische Roman
Die letzte Stufe wird durch die Veröffentlichung des Romans Die Wahrheit über den Fall Savolta von Eduardo Mendoza markiert, welcher die Erzählweise grundlegend veränderte. Zu den modernen Typen von Romanen gehören:
- Historische Romane
- Fantasy und Fiction
- Zeugnisliteratur
- Krimis oder umstrittene Themen
Miguel Delibes und „Fünf Stunden mit Mario“
Erzähltheorie von Miguel Delibes
Delibes war von Unamuno begeistert. Er schrieb drei beispielhafte Romane mit einem Vorwort. Delibes' „Typ A“ in 71 Jahren meines Lebens ist ein Versuch, und es scheint, dass dies für einen Roman steht. Für Delibes ist das Wichtigste in einem Roman die Gestaltung der Charaktere; diese müssen die Realität um sich herum beobachten, wobei stets ein autobiographischer Hintergrund mitschwingt. Ein weiteres wesentliches Merkmal besteht darin, seine Figuren in der Sprache ihrer jeweiligen sozialen Klasse und ihres Lebensumfeldes sprechen zu lassen. Delibes' Romane sind realistisch, nutzen jedoch moderne narrative Techniken.
Die Figur des Mario im Roman wurde ursprünglich nach einem Freund konzipiert, dem er das Buch widmete (José Jiménez Lozano). Doch im Verlauf der Arbeit flossen immer mehr persönliche Daten von Delibes selbst ein.
Struktur und Zeit des Romans
Äußerer Aufbau
Äußerlich besteht der Roman aus einem Nachruf, einem einleitenden unnummerierten Kapitel, gefolgt von 27 Kapiteln sowie einem abschließenden, ebenfalls unnummerierten Kapitel.
Narrative Perspektive
Aus der externen Sicht: Der Nachruf dient dazu, die Charaktere in der Einführungsphase zu verorten. Der Erzähler mischt in der 3. Person Dialoge und Erzählung. Danach folgen die 27 Kapitel von gleicher Dauer, die in der 1. Person als lauter Monolog bzw. Selbstgespräch verfasst sind. Das letzte unnummerierte Kapitel steht wieder in der 3. Person.
Zeitrahmen und Technik
Zeit des Romans: Die Handlung des Romans erstreckt sich auf maximal 12 Stunden, wobei Carmen ihren Mann etwa ab 05:00 Uhr morgens bei der Totenwache begleitet. Narrative Sicht: Delibes begann den Roman ursprünglich in der dritten Person zu schreiben, entschied sich jedoch für eine Änderung, da die Sympathie für Marios Geschichte sonst verfälscht worden wäre. Der Monolog des Romans ist in konzentrischen Kreisen der Stimmen aufgebaut.