Die spanische Lyrik der Renaissance

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Drei Strömungen der Lyrik

  • Traditionelle Lyrik: Umfasst die Romances (Balladen), die als Versromane geschrieben und durch Volksbücher sowie Liederbücher verbreitet wurden.
  • Gelehrte Lyrik: Eine höfische Dichtung, deren bedeutendster Vertreter Cristóbal de Castillejo war.
  • Italianisierende Lyrik: Modelliert nach Petrarca, gilt sie als repräsentativ für die wichtigste Lyrik der Renaissance.

Garcilaso de la Vega und die Erneuerung

Garcilaso de la Vega war maßgeblich an der Erneuerung der Formen und Themen beteiligt. In der Form kultivierte er den Endecasillabo (Elf-Silbler) sowie Strophen wie das Sonett, die Terzinen und Kombinationen wie die Silva und die Lira (Verbindung von Heptasyllables und Endecasillabo).

Themen der Renaissance-Literatur

Oft kombiniert erscheinen Themen wie Carpe Diem oder Beatus Ille.

  • Liebe: Das petrarkistische Modell beschreibt eine platonische Liebe, die den Verliebten adelt, da er sich durch die geliebte Person der Perfektion nähert. Gleichzeitig erzeugt sie Unzufriedenheit und Melancholie, da sie oft unerwidert bleibt.
  • Natur: Ein Symbol der Vollkommenheit und des einfachen Lebens. Sie wird als idealisierter Locus Amoenus dargestellt, der oft die Stimmung des Dichters widerspiegelt. Die Natur steht im Mittelpunkt des Bucolismo und der pastoralen Kompositionen, in denen Hirten über ihre Liebe sprechen.
  • Mythologie: Spiegelt die Bewunderung für die griechisch-römische Kultur wider; der Ton ist heidnisch und prägt die neue Literatur.

Petrarkismus und Mystik

In der zweiten Phase der Renaissance setzt sich der Petrarkismus fort. Unter Philipp II. entwickelte sich zudem die horazische Lyrik mit einer prägnanten Sprache sowie die religiöse Lyrik.

Die Mystik

Die Mystik strebt die Vereinigung mit Gott an. Sie sucht nach Wegen der Reinigung (via purgativa), der Erleuchtung (via illuminativa) und der Vereinigung (via unitiva). Der Mystiker gilt als der Auserwählte Gottes.

San Juan de la Cruz

Sein Werk ist quantitativ gering, aber von enormer Bedeutung. Er verfasste Versionen von Romanzen „a lo divino“ und übertrug petrarkistische Motive in die Mystik. Er beschreibt die Reise der Seele, um mit dem Geliebten (Gott) eins zu werden, wobei er die drei Wege der Mystik besingt.

Stil: Er nutzt sowohl traditionelle als auch neue italienische Ressourcen wie Antithesen und Paradoxien, um das Unaussprechliche (lo inefable) auszudrücken. Sein Lexikon kombiniert volkstümliche und rustikale Begriffe mit kultivierten Vokabeln der Troubadour-Tradition. Es herrscht eine große Ausdrucksdichte und Leidenschaft vor, um die Intensität der Vereinigung mit Gott darzustellen.

Garcilaso de la Vega: Leben und Werk

Garcilaso war von edler Herkunft und ein klassischer Dichter-Soldat. Seine Muse war Isabel Freyre, die ihn zu vielen Liebesgedichten inspirierte. Er war ein Humanist und starb bei einem Angriff auf eine Festung.

Stilphasen:

  1. Kastilische Phase unter dem Einfluss von Petrarcas Liebesgedichten.
  2. Einfluss klassischer Dichter wie Vergil und Horaz bei gleichzeitiger petrarkistischer Assimilation.
  3. Vollständige Vision von Liebe und Ruhe in der Natur nach dem Tod seiner Geliebten.

Wichtige Werke:

  • Sonette: Etwa 40 bedeutende Gedichte.
  • Ekloge I: Die wertvollste; die Hirten Salicio und Nemoroso klagen in einer süßen, bukolischen Natur über ihre Liebe.
  • Ekloge II: Die unglückliche Liebesgeschichte zwischen Albanio und Camilla; es ist sein umfangreichstes Werk.
  • Ekloge III: Vier Nymphen weben tragische Liebesgeschichten in Wandteppiche inmitten einer idyllischen Natur.

Zudem komponierte er 4 Lieder im Stile Petrarcas, die Ode an die Blume von Knidos, 2 Elegien und Episteln. Er gilt als einer der am meisten bewunderten Dichter, da sein Werk die Metrik und das Thema der Liebe und Natur erneuerte.

Fray Luis de León (1527–1591)

Sein Werk spiegelt die Spannungen zwischen Humanismus und religiösen Themen sowie zwischen kirchlicher und ziviler Macht wider. Er war ein hochgebildeter Humanist und Nachkomme von Konvertiten. Die Inquisition verurteilte ihn, weil er die Lektüre der Bibel in der Originalsprache verteidigte und das Hohelied (Cantar de los Cantares) ins Kastilische übersetzte. Nach vier Jahren Haft wurde er freigesprochen.

Themen und Poesie:

Zentrale Themen sind Beatus Ille, Einsamkeit und der Rückzug in die Natur als Inspirationsquelle. Seine Gedichte sind meist Oden (in Liren geschrieben) mit moralischem Ton. Sie spiegeln den Einfluss der Stoa wider: das Streben nach Tugend durch die Beherrschung der Leidenschaften und der Durst nach spirituellem Frieden. Er stellt die Welt als schmerzhaftes Exil dar, aus dem sich der Mensch durch die Betrachtung von Natur und Kunst erheben kann.

Stil: Die Sprachauswahl ist natürlich und elegant, mit einer Reihe von kultivierten Ausdrücken. Die poetische Sprache ist sehr sorgfältig gestaltet, was sich unter anderem durch den Einsatz von Enjambements zeigt.

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