Textlinguistik: Grundlagen, Definitionen und Merkmale
Einführung in die Textlinguistik
Punkt 4: Textlinguistik oder Grammatik des Diskurses. Die Textlinguistik (TL) entstand in den 1970er Jahren. Sie betrachtet den Text als die grundlegende Einheit der linguistischen Analyse und der Kommunikation, welche die gesamte Nachricht innerhalb eines Kommunikationsprozesses umfasst.
Der Beitrag der Textlinguistik zur Sprachlehre
Die Studien zur Textlinguistik stellen einen neueren Beitrag von unschätzbarem Wert für die Sprachlehre dar. Dieser Beitrag lässt sich in der Erkenntnis zusammenfassen, dass rein grammatikalische Kenntnisse, die sich lediglich auf Nomen und Sätze beschränken, unzureichend sind. Es besteht die Notwendigkeit, Wissen über die Vollständigkeit des Textes in den Sprachunterricht aufzunehmen. Mit der Textlinguistik werden Diskursformen, Kohäsionsmechanismen, verschiedene Textarten, das Textverständnis sowie die Mechanismen der Nachrichtenproduktion und soziale Konventionen für die jeweilige Kommunikation bewusst untersucht.
Definition und Begriff des Textes
Im modernen Sinne ist jede verbale Äußerung ein Text, der vollständig innerhalb einer Kommunikation auftritt. Texte können mündlich oder schriftlich, literarisch oder nicht-literarisch sein, zum Lesen, Hören, Sprechen oder Schreiben, lang oder kurz. Eine bedeutende Definition stammt von Bernárdez (1982), der besagt: "Ein Text ist die grundlegende kommunikative sprachliche Einheit, ein Produkt menschlicher verbaler Aktivität. Er zeichnet sich durch semantische und kommunikative Geschlossenheit sowie Konsistenz aus, gebildet aus der kommunikativen Absicht des Sprechers, einer vollständigen Struktur und seinem Kontext."
Drei Kernaspekte des Textes
Zudem fasst der Autor drei Kernideen zusammen, welche die Definition des Textes präzisieren:
- Kommunikativer Charakter: Der Text ist eine Handlung oder Tätigkeit mit einem kommunikativen Zweck. Die Textverarbeitung ist eine Aktivität (wie Gymnastik oder das Kochen eines Huhns im Ofen) und gleichzeitig ein Kommunikationsprozess (wie das Betrachten eines Films oder eines Gemäldes).
- Pragmatische Dimension: Der Text wird in einer konkreten Situation produziert. Texte sind in eine bestimmte Situation eingebettet, mit Partnern, Zielen und ständigen Verweisen auf die umgebende Welt; außerhalb dieses Kontextes haben sie keine Bedeutung.
- Strukturierung: Der Text besitzt eine eigene Ordnung und Regeln. Texte haben eine präzise interne Organisation durch Grammatikregeln, Zeichensetzung und Kohärenz, was den Sinn der Botschaft und den Erfolg der Kommunikation gewährleistet.
Der Textbegriff nach Jurij M. Lotman
Eine weitere Definition des Textes stammt von dem sowjetischen Theoretiker Jurij M. Lotman (1979). Für ihn ist der Text "jede Mitteilung, die in einem System von Zeichen erfolgt: Ballett, Theater, Poesie oder Malerei."
Unterscheidung zwischen Text und Diskurs
Ein Begriff, der eng mit dem Text verwandt ist und manchmal mit ähnlicher Bedeutung verwendet wird, ist der Diskurs. In der Umgangssprache bezieht sich dieser meist auf eine formelle mündliche Darlegung. Im technischen, linguistischen Sinne ist ein Diskurs eine Probe (in der Regel mündlich), die analysiert wird.
Die sechs wesentlichen Texteigenschaften
Als Texteigenschaften bezeichnen wir alle Anforderungen, die eine mündliche oder schriftliche Äußerung erfüllen muss, um als Text und Träger der Botschaft in einem Kommunikationsprozess zu gelten. Es gibt sechs zentrale Texteigenschaften:
- Angemessenheit: Zuständigkeit für Dialekt und Register.
- Kohärenz: Strukturierung der Informationen und Inhalte.
- Kohäsion: Die sprachlichen Verbindungen zwischen den Sätzen.
- Grammatik: Die korrekte Bildung von Sätzen.
- Präsentation: Die äußere Ausführung des Textes.
- Stilistik: Der Einsatz literarischer oder rhetorischer Mittel.
Diese sechs Eigenschaften bilden das Regelwerk, damit ein Text als Nachricht in einer Kommunikation fungieren kann. Zudem beziehen sich diese sechs Abschnitte auf dieselbe Realität – den Text – und ergeben nur in ihrer Gesamtheit einen Sinn.