Die Schule von Milet: Thales, Anaximander und Anaximenes
Zusammenfassung
Der Text beschreibt die Anfänge der westlichen Philosophie in Milet an der ionischen Küste und den Übergang vom Mythos zum Logos. Er stellt die Denker Thales, Anaximander und Anaximenes vor und erklärt deren Vorstellungen über die Ursubstanz aller Dinge. Außerdem werden die Grundkonzepte Materialismus und Idealismus eingeführt.
Kernpunkte
- Die abendländische Philosophie entstand in Milet an der Westküste Ioniens (Kleinasien), der Beginn wird auf etwa 585 v. Chr. datiert.
- Die Philosophen ersetzten den Mythos durch den Logos, also durch rationale Erklärungen der Welt.
- Thales hielt das Wasser für die Ursubstanz aller Dinge.
- Anaximander nannte die Ursubstanz „Apeiron“, etwas Unbestimmtes und Grenzenloses.
- Anaximenes bestimmte die Luft als Ursubstanz und erklärte die Vielfalt durch Verdichtung und Verdünnung.
- Materialismus sieht die Materie als primär, Idealismus sieht Geist oder Idee als primär.
Die Anfänge der westlichen Philosophie
Philosophie bedeutet „Liebe zur Weisheit“ oder der Wunsch nach Wissen. Sie begann mit dem Staunen und der Neugier der Menschen, die sich in grundlegenden Fragen ausdrückten: Was sind die Dinge wirklich? Was ist die Substanz, die ihnen zugrunde liegt? Und wie erkennen wir den Prozess der Veränderung der Dinge?
Die abendländische Philosophie entstand in Milet an der Westküste Ioniens (Kleinasien), noch vor dem Aufstieg Athens. Der Beginn der philosophischen Arbeit wird auf etwa 585 v. Chr. datiert. Milet war ein Knotenpunkt des Handels, und der maritime Wohlstand ermöglichte die Entwicklung von Kunst und Philosophie.
Vom Mythos zum Logos
Vor der Philosophie erklärten Dichter wie Homer und Hesiod die Welt durch den Mythos. In diesen Erzählungen bestraften launische Götter die Menschen und verlangten Gehorsam. Die Philosophen suchten nach rationalen Erklärungen und ersetzten den Mythos durch den Logos (Wort, Vernunft). Zu den ersten Vertretern dieses Übergangs gehörten Anaximander und Anaximenes.
Zwei philosophische Strömungen
Das Ziel der Philosophie ist es, die Welt, die Natur und den Menschen zu erklären. Daraus entwickelten sich zwei grundlegend unterschiedliche Konzepte:
- Materialismus: Eine wissenschaftliche Weltauffassung, die besagt, dass die Materie und die Natur die Ursache der Schöpfung sind. Alles, was wir sehen und anfassen können, ist die primäre Realität. Der Geist ist ein Produkt der Materie.
- Idealismus: Eine nicht-wissenschaftliche Weltauffassung, die davon ausgeht, dass die Welt von einer höheren Idee oder einem Gott erschaffen wurde. Der Geist oder die Idee ist primär, die Materie ist sekundär.
Die Philosophen von Milet
Thales (ca. 624–546 v. Chr.)
Thales war bekannt für seine Kenntnisse in der Meteorologie und Astronomie. Zu seinen Leistungen zählen:
- Die Berechnung der Höhe der Pyramiden.
- Die Vorhersage einer Sonnenfinsternis.
- Die Entwicklung eines Instruments zur Messung der Entfernung von Schiffen auf See.
Er beobachtete, dass sich Dinge wie Land, Wolken und Ozeane im Laufe der Zeit verändern und dennoch Ähnlichkeiten aufweisen. Daraus schloss er, dass alle Dinge aus einer einzigen Substanz bestehen müssen: dem Wasser. Er begründete dies mit der Beobachtung, dass alles von Feuchtigkeit lebt, Wärme aus Feuchtigkeit entsteht und die Samen aller Dinge von Natur aus feucht sind. Somit sei Wasser der Ursprung der Natur.
Anaximander (ca. 610–546 v. Chr.)
Anaximander, geboren in Milet, argumentierte, dass die primäre Substanz, aus der alles entsteht, etwas Unbestimmtes und Grenzenloses sein müsse, das er „Apeiron“ nannte. Während die realen Dinge spezifisch und endlich sind, ist ihr Ursprung unbestimmt und unendlich. Er erklärte, dass der Ursprung der Dinge eine ewige Bewegung in dieser Substanz sei. Aus dieser Bewegung trennten sich Gegensätze wie Wärme und Kälte. Aus diesen entstanden dann das Feuchte und daraus wiederum Erde und Luft.
Anaximander versuchte auch, die Himmelskörper und die Luftströmungen um die Erde zu erklären. Er behauptete, dass alles Leben, einschließlich des Menschen, aus dem Meer stamme und sich im Laufe der Zeit an das Land angepasst habe. Er vertrat zudem die Ansicht, dass es viele Welten und Universen gäbe, die in einem ewigen Kreislauf von Entstehung und Zerstörung existieren.
Anaximenes (ca. 585–528 v. Chr.)
Anaximenes bestimmte die Luft als die Ursubstanz, aus der alles entsteht. Wie das Apeiron von Anaximander ist die Luft unbegrenzt und allgegenwärtig, aber im Gegensatz dazu ist sie eine identifizierbare und greifbare Substanz. Obwohl unsichtbar, ist sie für den Menschen lebensnotwendig zum Atmen.
Um die Entstehung der Vielfalt der Dinge zu erklären, führte er die Idee ein, dass qualitative Unterschiede durch quantitative Unterschiede verursacht werden: durch Verdichtung und Verdünnung. Durch Verdünnung (Expansion) wird die Luft wärmer und wird zu Feuer. Durch Verdichtung (Kontraktion) wird sie kälter und verwandelt sich schrittweise in Wind, Wolken, Wasser, Erde und schließlich Stein.
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Was bedeutet der Begriff Philosophie?
Philosophie bedeutet „Liebe zur Weisheit“ oder der Wunsch nach Wissen. Sie entstand aus dem Staunen und der Neugier der Menschen.
Was ist das Apeiron von Anaximander?
Das Apeiron ist die unbestimmte und grenzenlose Ursubstanz, aus der nach Anaximander alle Dinge entstehen. Die realen Dinge sind dagegen spezifisch und endlich.
Warum hielt Thales das Wasser für den Ursprung aller Dinge?
Thales beobachtete, dass alles von Feuchtigkeit lebt, Wärme aus Feuchtigkeit entsteht und die Samen aller Dinge feucht sind. Daraus schloss er auf das Wasser als Ursprung der Natur.
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