Die wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich, Deutschland und Großbritannien (1870–1914)
1. Frankreich
Nachkriegssituation: Der Krieg gegen Deutschland führte zu einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, die durch den Verlust der industriell bedeutsamen Gebiete Elsass und Lothringen weiter verschärft wurde.
Wirtschaftswachstum: Obwohl Frankreich Fortschritte machte, wuchs die Wirtschaft langsamer als bei den Konkurrenten England und Deutschland, wodurch Frankreich am Ende der Periode von diesen Mächten überholt wurde.
Landwirtschaft: Die Reblausplage und der massive Import von günstigem Weizen aus Amerika und Kanada belasteten den Sektor. Dies führte zu einer protektionistischen Politik, die die Struktur kleiner landwirtschaftlicher Betriebe festigte.
Bankensektor: Die Struktur war durch eine Vielzahl kleiner lokaler und regionaler Banken geprägt.
Kolonialismus: Frankreich beteiligte sich aktiv an der kolonialen Expansion des 19. Jahrhunderts.
Fazit: Die Wirtschaft wuchs insgesamt, wenn auch langsam, und die Gesellschaft erreichte ein bemerkenswertes wirtschaftliches und soziales Gleichgewicht.
2. Deutschland
Wirtschaftstrend: Die deutsche Entwicklung folgte anderen Mustern als die der Nachbarstaaten.
Unternehmertum: Industrielle Bemühungen waren weniger von unabhängigen Einzelunternehmern geprägt.
Synergien: Besonders hervorzuheben ist die enge Verflechtung zwischen Banken und Industrie sowie zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Organisation.
Rolle der Banken: Banken förderten den Aufbau großer Unternehmen maßgeblich durch die Bereitstellung von Kapital.
Industriestruktur: Die Struktur ermöglichte die direkte Anwendung wissenschaftlicher Forschung. Zudem entstanden Kartelle, die den Wettbewerb innerhalb der Branche regulierten, insbesondere bei Unternehmen mit standardisierten Produkten.
Fazit: Unter diesen Bedingungen war die industrielle Entwicklung spektakulär. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte Deutschland in vielen Schlüsselsektoren England und Frankreich deutlich überholt.