Wittgensteins Philosophieverständnis und seine Ethik: Tractatus und Ethikvortrag

Philosophie und EthikAktualisiert am 2,68 KB

Zusammenfassung

Der Text erläutert Wittgensteins Auffassung der Philosophie als kritische Sprachtätigkeit im Tractatus, die falsche Probleme durch Klärung von Sprachspielen beseitigen soll. Außerdem behandelt er seine Sicht auf Ethik im Vortrag über Ethik, insbesondere die Unterscheidung zweier Bedeutungen von „gut“ und die drei ethischen Erfahrungen Erstaunen, Sicherheit und Schuld. Lernende erfahren, warum Wittgenstein Ethik als übernatürlich und jenseits der Sprache der Tatsachen versteht.

Kernpunkte

  • Im Tractatus ist Philosophie keine Wissenschaft, sondern eine kritische Sprachaktivität zur Klärung von Sätzen.
  • Philosophische Probleme entstehen laut Wittgenstein durch ein Missverständnis der Sprache und sind daher sinnlos.
  • Die Philosophie hat eine deskriptive Funktion (Fakten beschreiben) und eine therapeutische Funktion (Sprachmissbrauch aufdecken).
  • Im Tractatus gibt es keine ethischen Sätze; im Ethikvortrag wird „gut“ relativ (Standard erfüllt) und absolut verstanden.
  • Ethik ist laut Wittgenstein übernatürlich und kann nur durch Beispiele, Gleichnisse und Metaphern angedeutet werden.
  • Die drei ethischen Erfahrungen nach Wittgenstein sind Erstaunen, Sicherheit und Schuld.

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Die Rolle der Philosophie in Wittgensteins Werk

Wittgensteins Tractatus zufolge fordert die Philosophie die Klärung von Sätzen, anstatt durch irreführende Sprachformen abzulenken. Sie ist keine Wissenschaft, da philosophische Sätze durch ein Missverständnis der Sprache entstehen und somit sinnlos sind. Die Methode besteht darin, nichts zu sagen, außer dem, was sich sagen lässt. Wenn jemand etwas Metaphysisches äußert, soll gezeigt werden, dass er bestimmten Zeichen keine Bedeutung gegeben hat, da diese Aussagen die Grenzen der Sprache und der Welt überschreiten. Über die Gesamtheit der Welt lässt sich nichts sagen; aus diesem Grund wird das Schweigen auf diesem Feld zum Mystischen.

Wissenschaftliche Sprache gilt als Vorbild und Ideal, doch es gibt Spielraum für das Mystische jenseits der Sprache, in dem die wirklichen Probleme wohnen. Zwischen diesen beiden Bereichen ist die Philosophie als kritische Sprachaktivität definiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Realität jenseits der Sprache zurückgewiesen wird; das Unaussprechliche ist gerade das Wichtigste. Die Rolle der Philosophie besteht daher darin, Sprachspiele zu untersuchen, um falsche Probleme zu beseitigen, die aus deren komplexer Nutzung entstehen. Sie hat zwei Funktionen:

  • Deskriptiv: Die Fakten zu erkennen und zu beschreiben.
  • Therapeutisch: Den Missbrauch der Sprache zu identifizieren, der philosophische Pseudoprobleme (Metaphysik) schafft.

Ethik im Denken Wittgensteins

Im Tractatus lesen wir, dass es keine ethischen Sätze geben kann. In seiner Vortrag über Ethik bietet Wittgenstein jedoch einen anderen Blickwinkel an und hinterfragt, ob allgemeine Beschreibungen von Sätzen Wahrheit in sich tragen können. Er unterscheidet zwei Bedeutungen des Wortes „gut“:

  • Relativer Sinn: „Gut“ bedeutet, dass ein vorgegebener Standard erfüllt wird.
  • Absoluter Sinn: Ethisch kann nicht einfach definiert werden, da unsere Worte nur natürliche Fakten vermitteln können.

Ethik ist, wenn überhaupt, übernatürlich. Um davon zu sprechen, müssen wir Beispiele, Gleichnisse und Metaphern verwenden. Wittgenstein beschreibt drei ethische Erfahrungen: Erstaunen, Sicherheit und Schuld. Dies sind eindeutig übernatürliche Erfahrungen, die real, aber unbeschreiblich erscheinen. Sie ergeben keinen logischen Sinn, da ihr Wesen gerade in der Sinnlosigkeit liegt – sie bemühen sich, jenseits der Sprache der bloßen Tatsachen zu gehen. Sie fügen dem menschlichen Wissen nichts hinzu, sind aber ein grundlegender Trend des menschlichen Geistes.

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Häufige Fragen

Was ist laut Wittgenstein die Aufgabe der Philosophie?

Die Philosophie soll Sprachspiele untersuchen und falsche Probleme beseitigen, die aus deren komplexer Nutzung entstehen. Sie hat dabei eine deskriptive und eine therapeutische Funktion.

Welche drei ethischen Erfahrungen beschreibt Wittgenstein?

Wittgenstein beschreibt Erstaunen, Sicherheit und Schuld als ethische Erfahrungen. Sie gelten als übernatürlich, real, aber unbeschreiblich.

Wie unterscheidet Wittgenstein die Bedeutungen von „gut“?

Im relativen Sinn bedeutet „gut“, dass ein vorgegebener Standard erfüllt wird. Im absoluten Sinn kann Ethik nicht einfach definiert werden, weil Worte nur natürliche Fakten vermitteln können.

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Test

1. Wie beschreibt der Text den Status der Philosophie im Tractatus?
2. Warum sind philosophische Sätze laut Tractatus sinnlos?
3. Welche Funktion ist im Text als therapeutisch bezeichnet?
4. Was sagt der Text über den Tractatus und ethische Sätze?
5. Wie kann man laut Wittgenstein über Ethik sprechen?

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