Anthropologische Feldarbeit: Methode und teilnehmende Beobachtung
Item 1. Anthropologische Arbeit: Dialog und Beobachtung
Die Feldarbeit ist die methodische Grundlage der Anthropologie. Sie fungiert sowohl als wissenschaftliche Methode als auch als intensiver Erfahrungsaustausch. Das populäre Bild des Anthropologen – jemand, der in einem tropischen Wald verloren geht, an Jagden teilnimmt und fremde Bräuche studiert – ist zwar ein Klischee, doch die Anthropologie nutzt diese exotischen Umgebungen nach wie vor, um Konflikte und interkulturelle Begegnungen zu untersuchen.
Die Grundlagen der ethnographischen Forschung
Ihr Begründer war Bronisław Malinowski, der in den 1920er Jahren die methodischen Grundlagen der ethnographischen Forschung legte: die Methode der teilnehmenden Beobachtung. Diese wurde erstmals bei den Ureinwohnern der Trobriand-Inseln (Papua-Neuguinea) umgesetzt.
Malinowski gilt zudem als Begründer der funktionalistischen Anthropologie, die davon ausgeht, dass alle sozialen Einrichtungen in einem System miteinander verbunden sind und jede ihre spezifische Funktion erfüllt.
Prämissen der anthropologischen Methode
- Langzeitstudie: Es ist ein Aufenthalt von mindestens einem Jahr erforderlich, um den Lebensweg der Menschen zu verstehen.
- Teilnehmende Beobachtung: Aktives Lernen durch die Teilnahme am Alltag der Gruppe.
- Dialog: Das Zusammenleben und der ständige Austausch sind unverzichtbar.
- Native Point of View: Die Welt aus der Sicht der Einheimischen verstehen und deren Begriffe verwenden.
- Kontextualisierung: Anthropologie hilft dabei, Handlungen in ihren kulturellen Kontext einzuordnen.
- Kulturelle Vielfalt: Die Wertschätzung der Vielfalt, die auch in unserer eigenen Gesellschaft durch Migration präsent ist.
Teilnehmende Beobachtung: Prozess und Methodik
Um Vertrauen zu gewinnen, muss der Anthropologe Sympathie für die Lebensweise der Einheimischen zeigen. Nach der Identifikation mit der Gruppe kann der Forscher seine eigenen Sinne und Gefühle als Instrumente nutzen, um Interviews zu führen, Beobachtungen zu machen und Hypothesen zu bilden.
Der Prozess der Beobachtung
Das Ziel ist die Generierung von Forschungsdaten. Beobachten bedeutet nicht nur, mit den Sinnen wahrzunehmen, sondern auch die eigenen Kategorien, Ideen und Annahmen zu reflektieren. Wir müssen unsere eigene Kultur relativieren, um die fremde Kultur objektiv zu erfassen. Dies beginnt bereits bei der Vorbereitung und Gestaltung der Forschung.
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Beobachtung
- Integration: Das Leben mit der Gruppe, bis diese ihr normales Verhalten wieder aufnimmt.
- Interpretation: Die einheimische Sichtweise mit unseren eigenen kulturellen Bedingungen kontrastieren.
- Dokumentation: Führung eines Feldtagebuchs und schriftliche Fixierung der beobachteten Handlungen.
Untersuchungsgegenstände
Unser Ziel ist es, die Bedeutung zu finden, die die Menschen ihren eigenen Erfahrungen beimessen. Zu untersuchende Bereiche sind unter anderem:
- Gesellschaftsstruktur
- Physische Merkmale
- Sprache
- Kunst
- Lebenszyklen
- Riten
- Werte