Bandura: Verstärkung und Beobachtungslernen

Psychologie und SoziologieAktualisiert am 3,1 KB

Zusammenfassung

Der Text erläutert Banduras Konzept des Beobachtungslernens und die drei Formen der Verstärkung: direkte, stellvertretende und Selbstverstärkung. Außerdem wird erklärt, welche Rolle Folgen von Verhalten als Information und Motivation spielen. Abschließend werden Faktoren genannt, die Beobachtungslernen beeinflussen, und mögliche Anwendungen im Klassenraum.

Kernpunkte

  • Bandura unterscheidet drei Formen der Verstärkung: direkte, stellvertretende (indirekte) und Selbstverstärkung.
  • Direkte Verstärkung erhält der Beobachter, wenn er das Modellverhalten reproduziert und belohnt wird.
  • Bei stellvertretender Verstärkung wird das Modell für sein Verhalten verstärkt, und der Beobachter lernt daran, ohne selbst Erfahrungen zu machen.
  • Selbstverstärkung bedeutet, dass sich die Person selbst belohnt, ohne auf externe Konsequenzen zu warten.
  • Beim sozialen Lernen dienen Verhaltensfolgen als Informationsquelle und Motivation, nicht nur als Verstärkung wie in der operanten Konditionierung.
  • Beobachtungslernen hängt von den Konsequenzen des Verhaltens, den Merkmalen des Beobachters und den Merkmalen des Modells ab.

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Arten von Verstärkung

Bandura nennt drei Formen der Verstärkung, die das Lernen durch Beobachtung fördern:

1. Direkte Verstärkung

Direkte Verstärkung: Verstärkung des Beobachters. Wenn der Beobachter das Verhalten des Modells reproduziert und dafür eine Belohnung erhält, spricht man von direkter Verstärkung.

2. Stellvertretende (indirekte) Verstärkung

Indirekte oder stellvertretende Verstärkung: Verstärkung des Modells. Bandura zeigte, dass die beobachteten Konsequenzen für das Verhalten anderer das Verhalten verändern können, ohne dass eine direkte Erfahrung nötig ist. Stellvertretende Verstärker haben folgende Auswirkungen:

  1. a) Beobachter lernen an Mustern von Erfolg und Misserfolg; so können sie einschätzen, welches Verhalten angemessen ist.
  2. b) Verbesserung des praktischen Lernens durch unmittelbare Erfahrung, da mehrere Beobachter gleichzeitig dem modellierten Verhalten ausgesetzt sein können.
  3. c) Verringerter Aufmerksamkeitsbedarf im Vergleich zur direkten Erfahrung.

3. Selbstverstärkung

Selbstverstärkung: Kontrolle über die eigene Verstärkung. Die Person belohnt sich selbst, ohne auf externe Folgen zu warten.

Wert der Verstärkungen

Bandura, im Anschluss an den Behaviorismus, behauptet, dass Verhalten weitgehend durch die Folgen von Reaktionen gesteuert wird. Während in der operanten Konditionierung die Folgen das Verhalten verstärken, sind beim sozialen Lernen Verhalten und deren Folgen Quellen von Information und Motivation.

Die Folgen informieren die Person über die Richtigkeit oder Angemessenheit ihres Verhaltens.

Die Folgen motivieren Menschen: Wenn erwartet wird, dass ein Verhalten günstige Folgen hat, sind Personen eher geneigt, dieses Verhalten zu zeigen; wenn sie Bestrafung oder unbefriedigende Folgen erwarten, versuchen sie, dieses Verhalten zu vermeiden.

Faktoren beim Beobachtungslernen

Die Beobachtung von Modellen garantiert kein Lernen; das Verhalten wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  1. Die Konsequenzen des Verhaltens: Sie müssen als positiv bewertet werden.
  2. Merkmale des Beobachters: Es sollte eine gewisse Übereinstimmung beziehungsweise Identifikation zwischen Beobachter und Modell bestehen, damit Nachahmung wahrscheinlicher wird.
  3. Merkmale des Modells: Bestimmte Eigenschaften des Modells (z. B. Kompetenz, Status, Attraktivität) erhöhen seine Wirksamkeit als Vorbild.

Beobachtung im Klassenraum

Lernen durch Beobachtung im Klassenraum kann in verschiedener Weise wirksam sein:

  1. Neue Verhaltensweisen lehren (z. B. motorische Fähigkeiten, körperliche oder geistige Aufgaben).
  2. Emotionale Entwicklung fördern.
  3. Verhaltensweisen erleichtern.
  4. Hemmungen verändern.

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Häufige Fragen

Was versteht man unter stellvertretender Verstärkung?

Stellvertretende oder indirekte Verstärkung bedeutet, dass das Verhalten einer Person verändert wird, weil sie die Konsequenzen beobachtet, die das Verhalten eines anderen (des Modells) nach sich zieht. Eine eigene direkte Erfahrung ist dafür nicht nötig.

Welche Faktoren beeinflussen das Beobachtungslernen?

Wirksam sind die Konsequenzen des Verhaltens, die als positiv bewertet werden müssen, die Merkmale des Beobachters, etwa Identifikation mit dem Modell, und die Merkmale des Modells wie Kompetenz, Status oder Attraktivität.

Wie wird Beobachtungslernen im Klassenraum eingesetzt?

Im Klassenraum kann Beobachtungslernen genutzt werden, um neue Verhaltensweisen zu lehren, die emotionale Entwicklung zu fördern, Verhaltensweisen zu erleichtern und Hemmungen zu verändern.

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Test

1. Welche Form der Verstärkung erhält der Beobachter, der das Verhalten des Modells nachahmt und dafür belohnt wird?
2. Was kennzeichnet die Selbstverstärkung nach dem Text?
3. Worin unterscheidet sich das soziale Lernen von der operanten Konditionierung laut Text?
4. Welcher Faktor erhöht laut Text die Wahrscheinlichkeit der Nachahmung?
5. Welche Eigenschaft des Modells wird im Text als Beispiel für seine Wirksamkeit genannt?

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