Descartes: Gottesbeweis und Garantie des Wissens

Philosophie und EthikAktualisiert am 4,02 KB

Zusammenfassung

Der Text erläutert Descartes' Argument, dass die angeborene Idee der Vollkommenheit nur von einem vollkommenen Wesen, also Gott, stammen kann. Er zeigt, wie Gott als metaphysische Grundlage und Garant der Wahrheit dient, und stellt Descartes' Weiterentwicklung des ontologischen Arguments Anselms dar. Abschließend wird die Existenz der materiellen Welt im Rahmen der Güte Gottes begründet.

Kernpunkte

  • Das denkende Selbst (Res Cogitans) ist unvollkommen, besitzt aber die Idee der Vollkommenheit.
  • Die Idee Gottes ist angeboren und kann nicht aus einem unvollkommenen Geist stammen; sie muss von einer göttlichen Realität eingepflanzt worden sein.
  • Gott gilt als Garant des Wissens: die mathematischen Wahrheiten und die Naturgesetze sind in Gott verankert.
  • Descartes verstärkt das ontologische Argument Anselms, indem er die Existenz mit dem Wesen Gottes untrennbar verbindet.
  • Die Güte Gottes garantiert, dass die natürliche Neigung, an ausgedehnte Dinge zu glauben, nicht täuscht.

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Descartes' Beweis der Existenz Gottes

Descartes argumentiert, dass das denkende Selbst (*Res Cogitans*) an sich unvollkommen ist. Es hat durch den methodischen Zweifel methodische Ungenauigkeiten, Fehler und Illusionen festgestellt, die es korrigieren muss. Trotz dieser Unvollkommenheit besitzt das Denken die Idee der Vollkommenheit.

Wir erkennen unsere eigene unvollkommene Natur nur, weil wir wissen, was eine perfekte Natur ist, und uns mit dieser vergleichen können. Die Idee der Vollkommenheit ist uns somit angeboren – sie ist die Idee eines vollkommenen Wesens: die Idee Gottes.

Die angeborene Idee der Vollkommenheit

Nach Descartes kann diese Idee der Vollkommenheit oder Gottes nicht von uns, den unvollkommenen Wesen, stammen. Sie muss uns von einer göttlichen Realität eingepflanzt worden sein. Nur eine *wirklich unendliche Substanz* kann die Ursache für die Idee eines Unendlichen sein.

Unter den Ideen, die das Denken in sich selbst vorfindet, nimmt die Idee Gottes eine sehr privilegierte Stellung ein. Sie ist eine Idee, die über die eigene Subjektivität hinausweist. Eine Idee, die ich klar und deutlich erfasse, die aber nicht aus meinem eigenen Geist stammen kann, muss tatsächlich eine *außergeistige Realität* repräsentieren. Diese privilegierte, angeborene Vorstellung von Gott ermöglicht es mir, mich selbst zu überschreiten.

Gott als metaphysische Grundlage und Wahrheitsgarant

Der Beweis der Existenz Gottes ist ein fundamentaler Bestandteil der kartesianischen Metaphysik. Gott ist die Realität, die meine Subjektivität überwindet. Ich weiß nun, dass außerhalb meiner selbst eine andere Realität existiert: die perfekte Substanz. Dieses Wesen kann nicht zulassen, dass meine klaren und deutlichen Ideen eine Falschmeldung sind.

Descartes geht einen Schritt weiter: Gott wird zur Garantie des Wissens. In Gott sind die großen Wahrheiten verankert. Alle mathematischen Wahrheiten sind von Gott entdeckt, und die Gesetze der Natur sind von Gott angeordnet, so wie ein König Gesetze in seinem Reich erlässt.

Descartes' Stärkung des ontologischen Arguments

In seiner Argumentation für die Existenz Gottes greift Descartes das *ontologische Argument* des Heiligen Anselm auf, verstärkt es jedoch, da Descartes' Ideen als unbestreitbar gelten.

So wie die Idee des Dreiecks untrennbar mit seinen Eigenschaften verbunden ist (zum Beispiel, dass die Summe seiner Winkel 180° beträgt), ist das Wesen Gottes untrennbar mit seiner größten Eigenschaft, der Existenz, verbunden. Ein perfektes Wesen kann keinen Mangel an Perfektion aufweisen, wie es das Fehlen der Existenz wäre.

Die Existenz der materiellen Welt und des Körpers

Der Zweifel hat es Descartes zunächst ermöglicht, die Existenz einer Substanz zu bestätigen: das Denken selbst (*Res Cogitans*). Das Denken entdeckte wiederum eine zweite Substanz: Gott (*Res Infinita*), der alle Vollkommenheiten besitzt, einschließlich der Wahrhaftigkeit.

Die Außenwelt und der eigene Körper

Was ist mit der Außenwelt und meinem eigenen Körper? Können wir darüber mit Sicherheit sprechen?

Mein Selbst ist sich des Unterschieds zwischen der Idee des denkenden Selbst und der Idee des ausgedehnten Körpers bewusst. Ich habe eine klare und deutliche Vorstellung vom denkenden Selbst, das nicht ausgedehnt ist, und ebenso eine klare und deutliche Vorstellung vom ausgedehnten Körper, der nicht denkt. Ich kann am Denken nicht zweifeln, aber am Körper schon.

Gottes Güte als Garantie für die materielle Realität

Da ich jedoch eine klare und deutliche Vorstellung von meinem Körper als ausgedehnt habe, und da ein perfekter Gott, der mich als rationales Wesen erschaffen hat, mich nicht täuschen kann, wenn ich meine Vernunft richtig anwende, garantiert die Güte Gottes, dass die sehr starke Neigung oder natürliche Veranlagung des Menschen, an die Existenz ausgedehnter Dinge zu glauben, nicht irreführend ist.

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Häufige Fragen

Warum ist die Idee Gottes nach Descartes angeboren?

Der Mensch ist unvollkommen und erkennt seine Unvollkommenheit nur, weil er die Idee der Vollkommenheit besitzt. Diese Idee kann nicht aus einem unvollkommenen Wesen stammen, sondern muss uns von einer göttlichen Realität eingepflanzt worden sein.

Was bedeutet es, dass Gott die Garantie des Wissens ist?

In Gott sind die großen Wahrheiten verankert: Die mathematischen Wahrheiten sind von Gott entdeckt, und die Naturgesetze sind von Gott angeordnet. Dadurch sind klare und deutliche Ideen verlässlich.

Wie verstärkt Descartes das ontologische Argument?

Descartes vergleicht die Existenz Gottes mit den Eigenschaften eines Dreiecks: So wie die Winkelsumme untrennbar zum Dreieck gehört, gehört die Existenz untrennbar zum vollkommenen Wesen Gottes.

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Test

1. Was ist nach Descartes die Res Cogitans?
2. Woher stammt nach Descartes die Idee der Vollkommenheit?
3. Welches Argument greift Descartes auf und verstärkt es?
4. Warum kann ein perfektes Wesen nach Descartes nicht fehlen?
5. Was garantiert nach dem Text, dass die Neigung, an ausgedehnte Dinge zu glauben, nicht irreführend ist?

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