Einführung in die Psychologie und ihre Strömungen
Begriffe und Etymologie der Psychologie
Etymologisch ist das Wort Psychologie griechischen Ursprungs, abgeleitet von Psyche (Seele) und Logos (Vernunft, Wissenschaft, Lehre). Der ursprüngliche Gegenstand der Untersuchung ist somit die Seele. In der konzeptionellen Definition wird Psychologie heute als die Wissenschaft des Geistes (Mind) und seiner Prozesse verstanden.
Die Bedeutung der Psychologie heute
Die Psychologie hat eine umfassende Entwicklung und Expansion erfahren. Tatsächlich ist sie eine Wissenschaft vom Menschen, deren Anwendungen in allen Bereichen der menschlichen Tätigkeit zu finden sind. Ihre Geschichte reicht zurück bis in die Zeit des antiken Griechenlands. Aristoteles schrieb eine Abhandlung über die Psychologie mit dem Titel „Über die Seele“. Als eigenständige Disziplin trennte sie sich jedoch erst im 19. Jahrhundert ab und erlebte nach dem Aufkommen des Positivismus eine rasante Entwicklung.
Der Positivismus
Der Positivismus ist eine philosophische Schule, die fordert, dass Fakten die notwendige Grundlage für die Wahrheitsfindung sein müssen. Alles, was nicht durch Erfahrung an konkreten Sachverhalten belegt werden kann, hat keinen wissenschaftlichen Wert. Die Entwicklung der zeitgenössischen Psychologie lässt sich auch durch die Krise traditioneller Religionen in der modernen Welt erklären, welche die Entwicklung der Wissenschaften beschleunigte.
Gesellschaftlicher Wandel und Religion
Hinsichtlich der Krise traditioneller Religionen mangelt es oft an religiösen Führern, die in der Lage sind, Gläubige bei der Entwicklung ihrer Lebensentwürfe anzuleiten. Früher war es üblich, einen spirituellen Führer zu haben oder zur Beichte zu gehen, wobei die Person eine Entlastung von Sorgen sowie praktische Anleitungen und konkrete Tipps erhielt. Aktuell geht nur noch eine Minderheit der Menschen zur Beichte, was unter anderem am Glaubwürdigkeitsverlust der Religionen liegt. Religion wird heute oft als Privatsache und persönliches Gefühl betrachtet. Während der Besuch beim Psychologen früher als etwas Ungewöhnliches galt, ist er heute gesellschaftlich akzeptiert.
Einsatzgebiete der Psychologie
Die Psychologie findet in fast jedem Bereich des menschlichen Lebens Anwendung. Zu den wichtigsten Gebieten gehören:
- Bildung: Theorien über Lehrende und Lernende.
- Werbung: Ein spezieller Bereich mit dem Ziel, Personen zu überzeugen und zu beeinflussen.
- Industrie und Arbeit
- Forensik (Gerichtspsychologie)
Die Psychoanalyse
Die Psychoanalyse definiert sich als die Wissenschaft vom Unterbewusstsein. Ihr Begründer ist der Psychoanalytiker Sigmund Freud. Er entdeckte das sogenannte Unterbewusste – einen Zustand des Bewusstseins, der sich in Träumen, Versprechern und Fehlleistungen äußert. Das Unterbewusstsein ist bestimmend für das Verhalten und die Persönlichkeit des Subjekts; es ist das „reale Ich“. Alles menschliche Verhalten wird von Impulsen aus dem Unterbewusstsein geleitet.
Die psychoanalytisch orientierte Therapie zielt darauf ab, diese Signale zu interpretieren (früher auch mittels Hypnose). Nach dieser Theorie entstehen psychologische Pathologien oder Persönlichkeitsstörungen oft durch ein Trauma in der Vergangenheit – ein tragisches oder traumatisches Ereignis im Leben des Subjekts.
Der Behaviorismus
Der psychologische Behaviorismus ist eine Lehre, die im 20. Jahrhundert (um 1950) an Bedeutung gewann. Ihr wichtigster Vertreter ist der US-amerikanische Psychologe B. F. Skinner. Diese Richtung basiert auf den Prinzipien des Positivismus (Fakten) und des Empirismus (Erfahrung), wonach nur das als Wahrheit gilt, was in konkreten Tatsachen der Erfahrung nachgewiesen werden kann.
Ein bekanntes Konzept dieser Psychologie ist die Pawlowsche Konditionierung. Da nur das durch direkte Beobachtung Nachprüfbare zählt, wird das Verhalten zum zentralen Untersuchungsobjekt. Behavioristische Psychologen äußern sich in der Regel nicht zur Existenz oder Nichtexistenz einer geistigen Seele. In diesem Sinne verlor die Psychologie ihren ursprünglichen Gegenstand: Verstand man sie früher als Studium der Seele, so ist der Behaviorismus eine „seelenlose“ Psychologie.