Die Entwicklung der antiken Philosophie: Von der Kosmologie zu Sokrates
Die kosmologische oder vorsokratische Zeit
Die Philosophie begann historisch in der kosmologischen Zeit, etwa von 600 bis 450 v. Chr. In dieser Periode war der wesentliche Gegenstand der Philosophen der Kosmos (das Universum). Sie suchten nach Antworten darauf, wie die Welt entstand und aus welchen Grundelementen sie gebildet wurde. Aristoteles nannte diese Philosophen dieser Epoche Physiker, da sie die Physis (Sinn und Wesen der Natur) untersuchten.
Die Schule von Milet und Thales
Die erste philosophische Schule entstand in der Stadt Milet und wurde von Thales von Milet gegründet, der zwischen 624 und 545 v. Chr. lebte. Dieser Philosoph dachte, dass das wichtigste Element das Wasser sei: Wasser ist lebensnotwendig. Alles Lebendige benötigt Wasser; ohne Wasser stirbt man. Zudem ist Wasser in der Natur allgegenwärtig und bleibt immer bestehen; es verschwindet nicht, sondern durchläuft lediglich verschiedene Zustände (fest, flüssig, gasförmig).
Anaximander
Anaximander (geboren 610 v. Chr., gestorben 547 v. Chr.) dachte, dass das wesentliche Element aus unsichtbaren, ewigen und unendlichen Teilchen bestehe, die alles bilden, was existiert. Er nannte dies das Apeiron. Viele Jahre später bezeichneten Wissenschaftler diese Teilchen als Atome.
Anaximenes
Anaximenes (geboren 585 v. Chr., gestorben 525 v. Chr.) vertrat die Ansicht, dass das Schlüsselelement die Luft sei. Er begründete dies mit zwei Argumenten: Erstens müssen alle Lebewesen atmen, um nicht zu sterben. Zweitens befindet sich alles an einem Ort bzw. in einem Raum, und dieser Raum ist von Luft umgeben.
Heraklit
Heraklit (geboren 536 v. Chr., gestorben 470 v. Chr.) stellte fest, dass sich die Natur ständig wandelt. Er sah das Feuer als wesentliches Element an, da Feuer keine bestimmte Form hat und mit seinem ständigen Wandel das Leben am besten repräsentiert. Heraklit sagte dazu beispielhaft: "Ich steige jeden Tag in denselben Fluss, doch es ist nie derselbe Fluss."
Diese Theorien gehören zu den monistischen Philosophen, da sie argumentierten, dass es nur ein wichtiges Hauptelement gäbe. Im Gegensatz dazu standen die pluralistischen Philosophen, die behaupteten, dass der Schlüssel nicht nur ein Element sei, sondern die Mischung aus mehreren.
Empedokles von Agrigent
Empedokles (geboren 480 v. Chr., gestorben 435 v. Chr.) behauptete, dass das Kernelement eine Mischung aus Erde, Luft und Feuer sei.
Die anthropozentrische Zeit des Sokrates
Von 450 bis 400 v. Chr. entwickelte sich die anthropologische Phase. Hier wurde der Mensch als politisches und soziales Wesen zum Hauptthema der Untersuchung. Die Hauptakteure dieser Phase waren einerseits Sokrates (geboren 469 v. Chr., gestorben 399 v. Chr.) und andererseits die Sophisten.
Die Sophisten
Die Sophisten waren Lehrer, die behaupteten, alles zu wissen, und sich für ihren Unterricht bezahlen ließen. Sie waren Spezialisten in der Kunst des Denkens, der Argumentation und der Überzeugung. Die Philosophie wurde für sie zu einem nützlichen Beruf und einer effizienten Waffe in der Politik. Zu den namhaften Sophisten gehörten Protagoras, Gorgias, Hippias und Prodikos.
Protagoras lehrte: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge." Für die Sophisten bedeutete dies oft, dass es keine allgemeingültigen Regeln oder Normen gibt. Nichts ist absolut gut oder schlecht; alles hängt vom persönlichen Standpunkt des Einzelnen ab.
Sokrates und sein Kampf gegen die Sophisten
Sokrates bekämpfte die Sophisten aus drei wesentlichen Gründen:
- Bezahlung: Die Sophisten ließen sich bezahlen, während Sokrates kostenlos lehrte.
- Wissen und Demut: Die Sophisten behaupteten, alles zu wissen. Sokrates hingegen sagte: "Ich weiß nur, dass ich nichts weiß." Für ihn war das Eingeständnis der eigenen Unwissenheit der erste Schritt zur Weisheit. Wer glaubt, bereits alles zu wissen, wird in seinem Stolz niemals etwas Neues lernen können. Für Sokrates war die Selbsterkenntnis das wichtigste Ziel der Philosophie.
- Relativismus: Er bekämpfte den Relativismus der Sophisten, da er ihn für absurd hielt. Man könne nicht in einer Gesellschaft leben, die keine gemeinsamen Regeln und Prinzipien kennt.
Beiträge des Sokrates zur Philosophie
Zu den Beiträgen des sokratischen Programms gehören:
- Sprachanalyse
- Kritik an den grundlegenden Konzepten der Wissenschaft
- Die rationale Grundlage des menschlichen Handelns (Ethik)
- Staatliche Organisation
- Der philosophische Begriff der Seele