Fragebogen 2010: Mensch, Person, Freiheit und Ethik
Fragebogen - Berücksichtigung 2010
1. Fakultäten des Menschen
Die Fakultäten des Menschen sind: Verstand, freier Wille, Gefühle und Körper. Verstand und freier Wille sind Fähigkeiten, die typisch für den Menschen sind. Wir besitzen außerdem Gefühle und einen Körper; letzterer ist das naheliegendste materielle Element, das sich daraus ergibt, dass jeder Mensch ein organisches, sinnlich wahrnehmbares System ist.
2. Geistige Fähigkeiten als immaterieller Bereich
Die geistigen Fähigkeiten des Menschen gehören zur immateriellen Dimension. Die Vernunft befähigt den Menschen als Person, seine Lage zu erkennen; sie unterscheidet ihn vom Tier. Die geistige Dimension des lebenden Menschen ist untrennbar mit dem Körper verbunden. Die Person ist fähig zu denken, zu wollen und zu fühlen. Dies macht jedes Mitglied der menschlichen Gattung einzigartig und unwiederholbar und verdient deshalb besonderen Respekt. Genau hier liegt einer der wichtigsten Gründe für die Universalität der Goldenen Regel.
3. Markante Merkmale menschlicher Fähigkeiten
Aus der Beschreibung der menschlichen Fähigkeiten lassen sich einige charakteristische Merkmale ableiten:
- Vernunft und Freiheit sind kennzeichnend für die Person.
- Empfindungsfähigkeit (sinnliche Wahrnehmung) ist bei Menschen ausgeprägt, unterscheidet sich aber in der Qualität von der anderer Tiere. Sie ist untrennbar mit den sensorischen Fähigkeiten verbunden.
4. Bedeutung von Verständnis (Verstand) und Wille
Verstand (Verständnis): Die Fähigkeit des Menschen, zu denken; ihr Merkmal ist die Rationalität. Der Verstand will die Realität erkennen, das Wahre vom Falschen unterscheiden.
Wille: Die Fähigkeit zu lieben und zu wählen; er ist eng mit der Freiheit verknüpft. In Anlehnung an die Vernunft entscheidet der Wille, was als gut zu betrachten und zu verfolgen ist und was zu vermeiden ist.
5. Warum spricht man vom Menschen als Person?
Man spricht von der Person, weil der Mensch als animal rationale existiert: vernünftig, frei und mit einem Willen ausgestattet. Dies ermöglicht dem Menschen, als einzigartiges Lebewesen mit Verstand, Willen und Affektivität zu gelten. Die geistige Dimension des Menschen ist seit der Antike bekannt und bleibt untrennbar mit dem Körper verbunden. Die Fähigkeit zu denken, zu wollen und zu fühlen macht jeden Menschen einzigartig und verdient besonderen Respekt; dies ist ein zentraler Grund für die Universalität der Goldenen Regel.
6. Weitere Kennzeichen der Person
Die Einheit der Person: Die Einheit von Person und Handeln ist ein herausragendes Merkmal. Das Geistige ergibt sich aus der realen Einheit des menschlichen Körpers mit seinen dynamischen, emotionalen und willentlichen Kräften. Der Mensch ist ein bewusstes und freies organisches System, eines der komplexesten Systeme der Natur, mit verschiedenen voneinander unterscheidbaren, aber miteinander verbundenen Elementen. Ohne das physische Organ Gehirn wären Denken und Entscheiden nicht möglich; wer jedoch denkt und entscheidet, ist die ganze Person. Neuronale Störungen können die Fähigkeit beeinträchtigen, zu urteilen und zu entscheiden, und somit die ganze Person betreffen.
Die Einzigartigkeit der Person: Die unverwechselbare Identität der Person ergibt sich aus der engsten Verbindung aller ihrer materiellen und immateriellen Kräfte. Daraus entsteht ein einzigartiges und unwiederholbares Bewusstsein von sich selbst (Verstand), die Verantwortung für die eigenen Handlungen (Wille) und die Fähigkeit, die Realität zu empfinden (Affektivität). Kurz: der Mensch ist ein einzigartiges Wesen mit einer inneren Welt (Privatsphäre) und der Fähigkeit, frei zu handeln. Die Einzigartigkeit beruht auf der unauflöslichen Einheit zwischen materiellen und immateriellen Dimensionen.
Die Zielgerichtetheit der Handlungen: Das Verhalten des Menschen ist auf ein oder mehrere Ziele hin orientiert. Dies ist ein Merkmal von Systemen, die einen Zweck verfolgen.
Die Vervollkommnung des Individuums: Zu den Kennzeichen gehört auch die Fähigkeit des Menschen, sich weiterzuentwickeln: Körperlich und geistig zu wachsen, neues Wissen zu erwerben, neue Gewohnheiten und Gefühle zu entwickeln. Die Möglichkeit, ein besserer Mensch zu werden, ist die Grundlage der Ethik. Nur Menschen können bewusst entscheiden, ob sie besser oder schlechter werden wollen; diese Fähigkeit zur Selbstverbesserung ist ethisch relevant.
Die Rationalität: Die Rationalität des Menschen und seines Handelns ist ein zentrales Merkmal. Die Person hat die Fähigkeit, in spezifischer Weise auf ihre Umwelt zu reagieren, sich selbst zu artikulieren und Beziehungen zu anderen aufzubauen. Diese relationale Dimension zeigt sich in der Geselligkeit und der Fähigkeit, stabile Beziehungen und gemeinsame Ziele zu schaffen. Nur Personen können frei Beziehungen eingehen und gemeinsam Zwecke verfolgen.
7. Fundamentale Eigenschaft des individuellen Lebens
Das Leben wird als das erste Gut der Person verstanden: Ohne Leben gäbe es kein anderes Gut. Die rationale Wertschätzung des Lebens führt zur Notwendigkeit, dieses zu verteidigen. Die praktische Vernunft diktiert letztlich einen ethischen Standard. Ebenso gilt die Weitergabe des Lebens (Sexualität) als gutes Element des menschlichen Lebens. Im Unterschied zu Tieren können Menschen freiwillig und verantwortlich über beide Tendenzen entscheiden. Einen neuen Menschen in die Welt zu bringen ist ein Akt, der nicht rein instinktiv ist; er impliziert Verantwortung gegenüber dem höchst schützenswerten neuen Leben.
8. Fundamentale Eigenschaft des guten Menschen
Im ethischen Sinn ist das Gute etwas, das durch freie Wahl erreicht wird, etwas, das weder Maschinen noch Tieren zukommt. Das Gute wird durch die von der Vernunft geleiteten Entscheidungen verwirklicht. Das Böse ist die Abwesenheit des Guten oder ein Fehlurteil in der Entscheidung: etwas zu wählen, das der menschlichen Exzellenz nicht dient und zur Entmenschlichung beiträgt.
9. Verschiedene Arten von Freiheit in der Person
- Physische Freiheit
- Psycho-emotionale Freiheit
- Kognitive Freiheit (Fähigkeit zu denken)
- Ethische Freiheit
10. Aussagen zur körperlichen Freiheit
Physische Freiheit ist die Abwesenheit von Zwang oder körperlicher Einschränkung. Handlungen können nur stattfinden, wenn keine Gewalt sie verhindert. Diese Art von Freiheit bezieht sich auf den Körper und kommt sowohl bei Tieren als auch bei Menschen vor; sie ist durch Einschränkungen und einen Grad von Begrenzung gekennzeichnet. Es gibt keine absolute physische Freiheit: Jeder Körper ist physischen Gesetzen unterworfen (z. B. Schwerkraft). Äußere Einschränkungen können die Bewegungsfreiheit begrenzen; totale Immobilität entspricht weitgehend dem Tod. Das Ausmaß der körperlichen Freiheit beeinflusst oft das Verhalten und kann Gefühle wie Enttäuschung oder Entmutigung hervorrufen, doch ist nicht jede Beschränkung negativ.
11. Aussagen zur psycho-emotionalen Freiheit
Psycho-emotionale Freiheit ist die Fähigkeit, das zu tun, was man will, ohne äußere Härten oder Zwang. Auf dieser Ebene ist das Individuum im Allgemeinen frei, seine Ziele zu verfolgen, muss jedoch geeignete Mittel wählen. In absoluter Form kann diese Freiheit durch die Präsenz anderer Personen begrenzt werden. Das klassische Beispiel ist Robinson Crusoe: Solange er allein ist, genießt er psycho-affektive Freiheit; das Erscheinen von Freitag führt Verpflichtungen ein. Freiheit, einfach nur zu tun, was man will, gerät in Konflikt mit Verantwortung und mündet leicht in Individualismus. Daher gilt die Maxime: Ihre Freiheit endet dort, wo die der anderen beginnt.
Eine grenzenlose psycho-emotionale Freiheit ist weder möglich noch wünschenswert, da Menschen soziale Wesen sind und oft das Gute nur im Miteinander erreichen oder genießen können. Auch Tiere zeigen soziale Verhaltensweisen, aber nur Menschen können ihre persönliche Entfaltung in moralischer Selbstbestimmung suchen.
12. Aussagen zur ethischen Freiheit
Ethische Freiheit ist die Fähigkeit, das eigene Leben durch eigene Entscheidungen zu gestalten; sie ist Selbstbestimmung. Ethische Freiheit erfordert das Zusammenwirken von Verstand und Wille: Verstehen und Wollen kommen zusammen, um Entscheidungen zu treffen, die den ganzen Menschen formen und ein Urteil über die Vernunft hinaus erlauben.
13. Die Rolle der Gefühle beim Menschen
Die psycho-affektive oder affektive Dimension umfasst Gefühle, Neigungen, Empfindungen und Stimmungen. Obwohl auch Tiere Gefühlsdynamiken zeigen, ist die menschliche Affektivität einzigartig, weil sie mit Reflexion und freiem Willen gekoppelt ist. Diese Dimension spielt eine bedeutsame Rolle bei relevanten menschlichen Entscheidungen und ist ein Schlüsselelement zur Erklärung von Verhalten.
Auf einer mittleren Ebene, die man Affektivität nennt und die zwischen dem Materiellen und dem Immateriellen beziehungsweise zwischen dem Körperlichen und dem Psychischen liegt, erscheinen Neigungen, die man als sensitive Tendenzen oder Gefühle bezeichnen kann. Sie äußern sich als Anziehung oder Abstoßung, als Neigung zum Angenehmen oder Unangenehmen auf der subjektiven Ebene und beeinflussen oft das Verhalten.
Gefühle sind schwer zu definieren, gerade wegen ihrer komplexen Dynamik zwischen Materiellem und Immateriellem. Das Wörterbuch der Real Academia definiert Gefühl als einen emotionalen Zustand des Geistes, hervorgerufen durch tiefe Eindrücke. Begeisterung für ein neues Projekt, Angst vor einer Entscheidung in der Organisation, Freude über ein positives Ereignis oder Entmutigung bei ausbleibendem Erfolg sind Beispiele für Gefühle, die im Arbeitsalltag und in Organisationen entstehen.
14. Rolle der Gefühle bei der Erreichung guten Verhaltens
15. Fördern oder behindern Gefühle gutes ethisches Handeln?
16. Sind Gefühle gut oder schlecht?
17. Unterschiede zwischen Handlungen einer Person und menschlichen Handlungen
Handlungen der Person: Damit werden Handlungen bezeichnet, die bei Menschen auftreten; wenn der Handelnde nicht als Autor anerkannt wird, unterliegen solche Handlungen nicht notwendigerweise dem freien Willen.
Menschliche Handlungen sind alle freiwilligen Handlungen, bei denen das Subjekt als verantwortlich erscheint (es kann zur Rechenschaft gezogen werden), weil es der Autor der Handlung ist. In menschlichen Handlungen spielen Intellekt und Wille eine Rolle, weshalb sie Gegenstand ethischer Beurteilung sind.
18. Komponenten des menschlichen Handelns
Menschliches Handeln liegt dann vor, wenn eine freie Entscheidung des Willens vorliegt, motiviert durch eine Absicht; diese Absicht kann mehr oder weniger rational und mehr oder weniger emotional gefärbt sein. Bei einer Handlung sind Verstand und Affektivität beteiligt. Die Absicht markiert das Ziel, die beabsichtigten Ergebnisse der Handlung. Alle menschlichen Handlungen haben mehr oder weniger vorhersehbare Folgen; diese Folgen sind zwar nicht Teil der Handlung selbst, können aber vernünftigerweise vom Handelnden erwartet werden und müssen in ethischen Überlegungen berücksichtigt werden. Die Folgen betreffen andere Menschen und Wesen (dritte Effekte) sowie die Reaktionen auf die Handlung (extrinsische Effekte). Wichtig ist auch: Jede menschliche Handlung wirkt auf die handelnde Person zurück; wer betrügt, wird zum Betrüger, und unabhängig vom Erfolg bleibt die Handlung eine moralische Eigenschaft.
19. Elemente für die ethische Beurteilung einer Handlung
Die ethische Prüfung einer Handlung sollte folgende Elemente berücksichtigen: die Entscheidung selbst, die Absicht (der Zweck), die äußeren Umstände und die daraus resultierenden Folgen. Die Absicht und die Auswahl alternativer Handlungswege sind Teil des Entscheidungsprozesses; die Wahl eines Alternativwegs und dessen Ausführung gehören zur eigentlichen Handlung. Umstände treten in allen Phasen des Entscheidungsprozesses in Erscheinung und sind zu berücksichtigen. Auch die Folgen sind bei der Überprüfung einer Entscheidung zu beachten.
20. Wann entsteht Misstrauen in einer Organisation?
Misstrauen entsteht, wenn Entscheidungen sentimental oder situationsbedingt getroffen werden, d. h. wenn sie eher von Stimmungen oder Gefühlen abhängen als von ihrer Eignung zur Erreichung gemeinsamer Ziele. Wenn z. B. die Kriterien für die Ressourcenverteilung nicht angemessen, nicht gerecht oder nicht bekannt sind, wird die Legitimität der Entscheidung infrage gestellt. Wenn Ressourcen nach persönlichen Vorlieben verteilt werden, statt nach objektiven Kriterien, zerstört dies das Vertrauen in die Entscheidungsprozesse.
21. Ursachen für Unkenntnis bei ethischen Urteilen
Unkenntnis tritt auf, wenn Hinweise auf eine falsche Entscheidung vorhanden sind, man aber aus Unwissenheit, Nachlässigkeit oder persönlichem Interesse nicht handeln will. Fehlendes Wissen macht die handelnde Person aus rationaler Sicht schuldig. Wer sich weigert, die Wahrheit über die Qualität eigener Handlungen zu erkennen, ist verantwortlich für deren Folgen, auch wenn seine Unkenntnis nach außen so dargestellt wird, als wüsste er nichts.
22. Was ist vincible Unwissenheit?
Vincible Unwissenheit bei ethischen Urteilen liegt vor, wenn Hinweise auf eine falsche Entscheidung vorhanden sind und die Unkenntnis durch zumutbare Anstrengungen überwunden werden könnte, dies aber aus Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit oder fehlender Gewissensbildung unterlassen wurde. In diesem Fall ist die handelnde Person aus ethischer Perspektive schuldig und verantwortlich.
23. Haftung und Verantwortlichkeit bei Tun und Unterlassen
Haftung bei Handlung (Kommission): Sie tritt ein, wenn eine freiwillige Tat mit der Absicht vorgenommen wurde, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Freiwillig zurechenbare Handlungen bringen direkte Verantwortung mit sich; Folgen, die vernünftigerweise vorhersehbar und vermeidbar gewesen wären, sind dem Handelnden anzulasten.
Haftung bei Unterlassen (Fehler/Unterlassung): Sie tritt ein, wenn erforderliche Handlungen unterlassen werden. Dies kann eine direkte, bewusste Entscheidung sein, nicht zu handeln, oder ein Versäumnis durch Fahrlässigkeit. Wenn jemand die Pflicht hat zu korrigieren, es aber unterlässt, kann dies schweren Schaden verursachen und haftungsrechtliche Folgen haben.
24. Haftung für fremdes Verschulden durch Entscheidungen
Die Haftung für fremdes Verschulden der eigenen Entscheidung bezieht sich auf die Folgen der eigenen Entscheidung in den Handlungen anderer. Diese Haftung kann sich aus der Veranlassung des Verhaltens anderer oder aus der Zusammenarbeit mit dem Verhalten Dritter ergeben.
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- Kann das Verhalten anderer beeinflusst werden und so Vertrauen zerstören oder aufbauen?
Wenn man jemanden öffentlich für einen Fehler rügt, schädigt das seinen Ruf und zerstört das Vertrauen in die Beziehung. Entscheidend ist, ob das Verhalten zur legitimen Rechenschaft zieht oder unbegründet öffentlich gemacht wird.
- Vier Bedeutungen von Freiheit
- Physische Freiheit: Abwesenheit von Zwang oder physischem Druck.
- Psycho-emotionale Freiheit: Die Fähigkeit, zu tun, was man möchte, ohne äußeren Zwang.
- Kognitive Freiheit: Die Fähigkeit zu denken, wie man will, ohne innere Hindernisse.
- Ethische Freiheit: Die Fähigkeit, das eigene Leben durch eigene Entscheidungen zu gestalten; Selbstbestimmung.
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