Augustinus: Schöpfung, das Böse und die Geschichtsphilosophie des Gottesstaates

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Zusammenfassung

Der Text erläutert die Schöpfungslehre des Augustinus, der sich auf Platon und Plotin stützt, sowie seine Auffassung vom Bösen als Beraubung des Seins (privatio boni). Er unterscheidet metaphysisches, moralisches und physisches Übel. Außerdem wird seine Geschichtsphilosophie mit dem linearen Zeitverständnis und den beiden Städten aus De Civitate Dei dargestellt.

Kernpunkte

  • Augustinus stützt sich auf Platon und Plotin und lehrt, dass Gott die Schöpfung in einem einzigen, zeitlosen und unveränderlichen Akt erschafft.
  • Das Böse ist laut Augustinus keine eigenständige Substanz, sondern eine Beraubung des Seins (privatio boni).
  • Er unterscheidet drei Arten des Übels: metaphysisches, moralisches (Sünde aus freiem Willen) und physisches Übel (Krankheit, Leiden, Tod).
  • Das Christentum führt ein lineares Zeitverständnis ein, von der Schöpfung bis zum Ende der Welt, im Gegensatz zum zyklischen Geschichtsbild der Antike.
  • In De Civitate Dei unterscheidet Augustinus die irdische Stadt, geprägt von der Selbstliebe, und die Stadt Gottes, geprägt von der Liebe zu Gott.
  • Beide Städte existieren nebeneinander bis zum Jüngsten Gericht, an dem sie getrennt werden.

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Die Erschaffung der Welt und die Existenz des Bösen

Augustinus von Hippo stützt sich auf Platon und Plotin, um seine Lehre des Kreationismus zu entwickeln. Er postuliert, dass Gott die Ideen aller Dinge nutzt, um die Realität zu erschaffen. Dieser Schöpfungsakt entzieht sich unserem vollen Verständnis, basiert jedoch auf zwei wesentlichen Anforderungen:

  • Zeitlosigkeit: Die Schöpfung ist zeitlos, da Gott außerhalb der Zeit steht und die Zeit erst mit der Schöpfung beginnt.
  • Unmittelbarkeit: Die Schöpfung muss instantan erfolgt sein. Wäre sie ein Prozess, könnte sich der Schöpfer verändern, was aufgrund der Unveränderlichkeit des göttlichen Wesens ausgeschlossen ist.

Augustinus erklärt, dass Gott die Wirklichkeit in einem einzigen Akt schuf. Einige Dinge erhielten dabei die Kraft, sich in aufeinanderfolgenden Phasen zu entwickeln (die sogenannten rationes seminales).

Der Ursprung des Bösen

Nachdem Augustinus den Manichäismus hinter sich gelassen hatte, vertrat er die christliche Auffassung, dass Gott der Schöpfer der gesamten Wirklichkeit ist. Das Böse ist aus christlicher Sicht kein eigenständiges Wesen, sondern eine Beraubung des Seins (privatio boni), die endliche Geschöpfe betrifft.

Er unterscheidet drei Arten des Bösen:

  • Metaphysisches Übel: Minderwertige Wesen erscheinen im Vergleich zu vollkommeneren Wesen als eine Beraubung des Seins.
  • Moralisches Übel: Dies ist die Sünde, die auf den freien Willen des Menschen zurückzuführen ist (Erbsünde und tatsächliche Sünden).
  • Physisches Übel: Krankheit, Leiden und Tod sind die Konsequenzen des moralischen Übels.

Das Böse hat jedoch eine positive Seite: Durch Leiden in Vereinigung mit Christus kann der Mensch seine Sünden bereuen.

Geschichtsphilosophie bei Augustinus

Während in der Antike ein zyklisches Geschichtsverständnis vorherrschte, führte das Christentum ein lineares Zeitverständnis ein – von der Schöpfung bis zum Ende der Welt. In seinem Werk De Civitate Dei (Vom Gottesstaat) verteidigt Augustinus das Christentum und beschreibt zwei Denkweisen, die nach der Erbsünde entstanden sind:

  1. Die irdische Stadt: Geprägt von der Liebe zu sich selbst.
  2. Die Stadt Gottes: Geprägt von der Liebe zu Gott.

Beide Städte existieren in der Gesellschaft nebeneinander, bis sie am Tag des Jüngsten Gerichts getrennt werden. Da Christus sein zweites Kommen am Ende der Geschichte angekündigt hat, verbindet Augustinus die menschliche Freiheit mit der göttlichen Weisheit. Dies verleiht Christen Hoffnung und Optimismus, da sie auf die Erlösung durch Christus vertrauen.

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Häufige Fragen

Was bedeutet privatio boni bei Augustinus?

Privatio boni bedeutet, dass das Böse keine eigenständige Wirklichkeit ist, sondern eine Beraubung des Guten bzw. des Seins. Es betrifft endliche Geschöpfe.

Welche zwei Städte beschreibt Augustinus in De Civitate Dei?

Er beschreibt die irdische Stadt, geprägt von der Liebe zu sich selbst, und die Stadt Gottes, geprägt von der Liebe zu Gott. Beide existieren bis zum Jüngsten Gericht nebeneinander.

Welche drei Arten des Bösen unterscheidet Augustinus?

Er unterscheidet metaphysisches Übel, moralisches Übel (die Sünde aus dem freien Willen des Menschen) und physisches Übel wie Krankheit, Leiden und Tod, die Folgen des moralischen Übels sind.

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Test

1. Auf welche Philosophen stützt sich Augustinus bei seiner Schöpfungslehre?
2. Warum muss die Schöpfung nach Augustinus instantan erfolgt sein?
3. Wie definiert Augustinus das Böse?
4. Welche Art des Übels entsteht aus dem freien Willen des Menschen?
5. Welches Zeitverständnis führte das Christentum nach dem Text ein?
6. Wie heißt das Hauptwerk, in dem Augustinus das Christentum verteidigt?

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