Humes Erkenntnistheorie und Metaphysikkritik
Humes empirische Philosophie
Hume ist einer der führenden Philosophen des Empirismus. Er vertritt eine Philosophie, nach der nur das als wahr gilt, was wir durch Erfahrung oder Eindrücke wahrnehmen. Ein wesentliches Merkmal seines Denkens ist die Ablehnung der kartesischen Philosophie, insbesondere der Konzepte der res cogitans (denkende Substanz), res infinita (unendliche Substanz, d.h. Gott) und res extensa (ausgedehnte Substanz).
Ursprung und Arten des Wissens
Hinsichtlich des Ursprungs des Wissens reduziert Hume alle Erkenntnis auf sinnliche Erfahrung. Die Erfahrung ist für Empiristen der Grundbegriff der Philosophie, da sie den Unterschied zwischen wahren und falschen Annahmen begründet. Niemand kann behaupten, dass etwas wahr ist, wenn er keine Erfahrung davon hat.
Aus diesem Grund bestreitet er die Gültigkeit abstrakter Ideen und unterscheidet zwei Arten von Urteilen:
- Beziehungen zwischen Ideen (Relations of Ideas): Dies sind allgemeine und notwendige Beziehungen, die unabhängig von der Erfahrung sind (d.h. sie sind deduktiv) und sich aus dem Satz vom Widerspruch ergeben (z.B. in der Mathematik).
- Tatsachenaussagen (Matters of Fact): Diese haben einen empirischen Gehalt (sind induktiv) und liefern nur wahrscheinliches Wissen, das durch Erfahrung überprüft werden muss.
Wie können wir wissen, ob etwas wahr ist?
Laut Hume gelten nur Sinneswahrnehmungen als Grundlage des Wissens. Er unterscheidet dabei verschiedene Stufen:
- Eindrücke (Impressions): Dies sind die unmittelbaren und lebhaften Daten der sinnlichen Erfahrung. Sie werden weiter unterteilt in:
- Sensationen (Sinneseindrücke): Direkte körperliche Empfindungen.
- Reflexionen (Gefühle): Das Bewusstsein dessen, was man fühlt.
- Ideen (Ideas): Dies sind blassere Kopien unserer ursprünglichen Eindrücke, die im Gedächtnis gespeichert sind. Um zu prüfen, ob eine Idee gültig ist, muss sie auf einen ursprünglichen Eindruck zurückgeführt werden können.
- Assoziation von Ideen: Ideen treten nicht isoliert auf. Die Vorstellungskraft (imagination) verbindet sie durch verschiedene Prinzipien miteinander.
Die drei Gesetze der Ideenassoziation
Überzeugungen entstehen in unserem Geist durch drei Assoziationsgesetze:
- Gesetz der Ähnlichkeit: Unser Geist neigt dazu, ähnliche Ideen miteinander zu verbinden.
- Gesetz der Kontiguität: Ideen von Dingen, die in Raum oder Zeit nahe beieinander liegen, werden miteinander verknüpft.
- Gesetz von Ursache und Wirkung: Der Geist stellt eine Verbindung her, wenn ein Ereignis regelmäßig auf ein anderes folgt.
Humes Kritik am Kausalitätsprinzip
Hume argumentiert, dass wir zwar eine „konstante Verbindung“ (constant conjunction) zwischen Phänomenen beobachten – also dass ein Ereignis B regelmäßig auf ein Ereignis A folgt – wir aber keine „notwendige Verbindung“ (necessary connection) wahrnehmen können. Wir haben keinen Sinneseindruck von der Kausalität selbst. Die Vorstellung einer „notwendigen Verbindung“ ist daher kein empirisches Faktum, sondern ein subjektiver Glaube (belief), der aus der Gewohnheit entsteht.
Kausalität ist somit kein Gesetz der Wirklichkeit (ontologisch), sondern lediglich eine Art, wie unser Verstand die Welt ordnet (erkenntnistheoretisch). Da wir keinen direkten Eindruck von diesem Prinzip haben, existiert es nicht in der Realität, sondern ist nur eine Überzeugung.
Kritik an den Gewissheiten von Descartes
Aus seiner empiristischen Haltung ergeben sich drei weitere Ablehnungen, die sich gegen die Gewissheiten von Descartes richten:
1. Ablehnung des „Ichs“
Humes Kritik an der Substanz richtet sich auch gegen die menschliche Seele. Da wir keinen beständigen, unveränderlichen Eindruck von einem „Selbst“ haben, sondern nur ein Bündel von wechselnden Wahrnehmungen (bundle of perceptions), können wir nicht behaupten, dass eine denkende Substanz existiert.
2. Ablehnung der Idee Gottes
Hume hält die A-posteriori-Beweise für die Existenz Gottes für ungültig. Da er das Kausalitätsprinzip als objektives Gesetz ablehnt, kann auch nicht auf eine erste Ursache (Gott) geschlossen werden.
3. Ablehnung der Außenwelt
Die Idee einer materiellen Substanz (Außenwelt) ist für Hume ebenfalls eine Fiktion. Wir nehmen nur unsere Eindrücke von Dingen wahr, nicht die Dinge selbst. Wir können daher nicht über die Existenz einer von unserer Wahrnehmung unabhängigen Welt sprechen, sondern nur über unsere Eindrücke und Erscheinungen (Phänomene).
Humes Ethik
In seiner Ethik zeigt sich der Einfluss von Francis Hutcheson. Handlungen werden auf der Basis der Freude oder des Nutzens bewertet, den sie hervorbringen (Utilitarismus). Hume formuliert zudem den naturalistischen Fehlschluss: Aus reinen Fakten (dem, was ist) kann man logisch nicht ableiten, was sein sollte.