Die industrielle Entwicklung Spaniens im 19. Jahrhundert
Die industrielle Expansion in Spanien
Trotz der schlechten Qualität und des niedrigen Heizwertes der asturischen Kohleförderung wuchs die Eisen- und Stahlindustrie in Asturien schnell. Vizcaya-Hegemonie: Durch die Ankunft walisischer Kokskohle in Bilbao konsolidierte sich die Eisen- und Stahlindustrie im Baskenland. Der höhere Heizwert der walisischen Kohle und ihr niedrigerer Preis untergruben die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Asturien, die hohe Kosten verursacht hatten. Die Sociedad Anónima Altos Hornos produzierte Eisen und Stahl in Bilbao und installierte die erste Bessemer-Birne.
Die langsame industrielle Expansion
Katalonien und das Baskenland spielten eine ständige Rolle in der Textil-, Lebensmittel- und Eisenindustrie. Die Textilindustrie nahm eine wichtige Rolle ein und repräsentierte 1856 mehr als die Hälfte der gesamten Industrieproduktion Spaniens. Zusammen mit Andalusien, Asturien, den Kanarischen Inseln und der Extremadura erreichte dieser Anteil 75 %. In Valencia stammten die Gewinne aus dem Verkauf von Zitrusfrüchten; zudem entstanden die Schuh-, Holz- und Chemieindustrie. In Aragonien gab es Mühlen, in Madrid eine Verlags- und Satzindustrie. Die Gasindustrie weitete sich in Barcelona, Madrid, Bilbao, Sevilla und Saragossa aus. Die chemische Industrie produzierte Schwefelsäure und Kalilauge für andere Industriezweige sowie Sprengstoffe für den Bergbau.
Bergbau und Eisenproduktion
Die erhöhte Nachfrage nach Kohle wurde durch die Dampfkraft und die Entwicklung der Stahlindustrie unterstützt. In Asturien erreichte die Kohleförderung aufgrund reichlich vorhandener Ressourcen und des einfachen Zugangs für die Schifffahrt eine Weiterentwicklung. Die Ankunft walisischer Kohle wurde durch zollrechtlichen Protektionismus gemildert. Die Gewinnung von Eisen erlebte durch die Verbreitung der Bessemer-Birne eine deutliche Ausweitung. Das Mineral aus Vizcaya hatte den Vorteil der Küstennähe. Durch den Anstieg der Exporte wurde Spanien zum wichtigsten Lieferanten von Eisenerz in Europa.
Die Liberalisierung des Bergbaus
Das Gesetz von 1868 führte zur Liberalisierung des Sektors, was die massive Ausbeutung der Lagerstätten in Spanien einleitete. Der Ausbau der Bergwerke wurde durch drei Faktoren begünstigt: die gestiegene internationale Nachfrage, Fortschritte in der Agrartechnik und die chronische Verschuldung der spanischen Hacienda. Letztere erklärte die Gewährung von Ausbeutungsrechten an ausländische Unternehmen im Austausch für finanzielle Entschädigungen an den Staat. Die wichtigsten Betriebe betrafen: Blei (Linares), Kupfer (Huelva), Quecksilber (Ciudad Real) und Zink (Kantabrien).
Der Bau der Eisenbahn
Die erste Bahnstrecke entstand in England (Liverpool-Manchester). Das Eisenbahnnetz in Spanien wurde 1855 mit der Verabschiedung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes initiiert. Zuvor waren nur 475 km in Betrieb, darunter die Strecke Barcelona–Mataró.
- Etappen der Bauarbeiten: Die erste große Expansion wurde von ausländischen Unternehmen durchgeführt.
- Die Finanzkrise von 1866 stoppte den Bau.
- Ab 1873 begann eine neue Phase, in der das Netz vervollständigt wurde.
Auswirkungen auf die Wirtschaft
Das Eisenbahngesetz von 1855 beeinflusste die Wirtschaftsgeschichte der folgenden hundert Jahre maßgeblich. Zuerst wurde eine radiale Struktur mit dem Zentrum in Madrid konsolidiert, was die Kommunikation zwischen den Industriezonen erschwerte. Zudem wurde eine Spurweite gewählt, die größer als die der meisten europäischen Linien war. Die technischen Gründe hierfür waren die Kapazität für größere Heizkessel zur Leistungssteigerung bei steilen Hängen. Schließlich erlaubte das Gesetz den (ausländischen) Bauunternehmen, alle notwendigen Materialien zollfrei zu importieren. Dieser Zolltarif wurde als verpasste Gelegenheit zur Förderung des industriellen Wachstums betrachtet.
Marktbarrieren und Handelsentwicklung
Um die Zahl der Landwirte zu erhöhen, wurden Gewerkschaften und bestimmte Steuern abgeschafft sowie indirekte Steuern auf den Handel eliminiert. Es wurde ein leistungsfähiges Transportsystem geschaffen, um Waren kostengünstig von den Anbaugebieten zu den Verbrauchern zu bewegen. Da Spanien über kein gutes Straßen- oder Wasserstraßennetz verfügte, war die Eisenbahn das wichtigste Instrument für ein schnelles und billiges Transportsystem, das den Austausch von Personen und Gütern zwischen den Regionen förderte und den Binnenhandel steigerte. Die Schifffahrt wurde zu einem dynamischen Element im Fernhandel und reduzierte die Reisezeiten an den Küsten. Das Hauptproblem blieb jedoch die geringe industrielle Entwicklung in vielen Regionen Spaniens.
Stufen des Handelswachstums
Es gab zwei Etappen: Die erste (1815–1850) war von bescheidenem, aber nachhaltigem Wachstum geprägt. Die zweite (1850–1900) war stärker von der internationalen Handelsexpansion beeinflusst. Die relevantesten Exportgüter waren Öl und Wein, während Baumwolle und Leinen importiert wurden. Die Handelsbeziehungen änderten sich durch den Verlust der amerikanischen Kolonien. Ab 1850 band sich Spanien zunehmend an die fortgeschrittenen Volkswirtschaften Europas; die kolonialen Märkte wurden durch Frankreich und Großbritannien ersetzt.
Freihandel und Protektionismus
Die Tarifpolitik entwickelte sich von einer Phase des Freihandels (bis 1870) hin zum Protektionismus. Die katalanische Textilindustrie, die kastilischen Getreidebauern sowie der asturische Kohle- und baskische Stahlsektor drängten die Regierungen, ihre Produkte zu schützen. Kritiker argumentierten, dass dieser Protektionismus die Verbindung zum internationalen Markt behinderte und den Technologietransfer stoppte, was eine der Hauptursachen für die verzögerte industrielle Entwicklung war.
Finanzsystem und Staatsverschuldung
Die Steuerreform zur Beseitigung der Steuerlast und zur Erhöhung der Einnahmen scheiterte an der mangelnden Gleichheit vor dem Gesetz. Dies war eine der größten Einschränkungen für die öffentlichen Finanzen im Vergleich zu fortgeschritteneren Ländern. Der Staat schaffte es nicht, die Einnahmen ausreichend zu steigern, sodass Defizite ein konstantes Merkmal des 19. Jahrhunderts blieben. Um das Defizit zu finanzieren, wurden Kredite aufgenommen und Konzessionen an ausländische Fondsgruppen vergeben. Zeitweise wurde der Staat für insolvent erklärt.
Das Bankensystem
Das Gesetz über Banken und Kreditinstitute war der Ausgangspunkt für die Modernisierung. Die ersten Banken existierten neben Institutionen des alten Regimes wie Leihhäusern. Die bedeutendste Bank im 19. Jahrhundert war die Bank von San Fernando.
Gründe für die unvollständige Industrialisierung
- Geografische Lage: Die Lage im äußersten Südwesten bedeutete höhere Transportkosten als in Mitteleuropa.
- Geringe Kaufkraft: Die Mehrheit der Bevölkerung verfügte über sehr niedrige Einkommen.
- Kapitalmangel: Investitionen flossen eher in Immobilien oder Staatsverschuldung.
- Ressourcenverteilung: Ungünstige Verteilung von Energiequellen und Rohstoffen.
- Politische Instabilität: Ständige Destabilisierung des Landes.