Inkontinenz und Katheterpflege: Ein Leitfaden
Inkontinenz und Blasenfunktion
Die Kontinenz beschreibt die Fähigkeit, die Blasenfunktion willkürlich zu kontrollieren. Bei einer Inkontinenz liegt ein unwillkürlicher und unbewusster Urinverlust vor.
Formen der Inkontinenz
- Belastungsinkontinenz (Stress-UI): Urinverlust bei körperlicher Belastung durch erhöhten Druck in der Blase.
- Dranginkontinenz (Urge-UI): Blasenfunktionsstörungen mit plötzlichem, starkem Harndrang.
- Überlaufinkontinenz: Entsteht meist durch ein urethrales Hindernis.
- Reflexinkontinenz: Neurologische Schädigung, bei der kein Harndrang verspürt wird.
Hilfsmittel und Hygienemaßnahmen
Zur Versorgung stehen verschiedene Produkte zur Verfügung:
- Urinbeutel: Silikon- oder Gummisysteme zum Auffangen von Urin. Auf gute Hygiene ist zu achten.
- Absorptionsmittel: Windeln oder Inkontinenzeinlagen halten die Haut trocken. Ein Wechsel sollte alle 2 bis 3 Stunden erfolgen.
Hygienische Maßnahmen: Miktionsprotokolle führen, Blasentraining, Beckenbodengymnastik (Kegel-Übungen) und Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme.
Urinbeutel (Diuresebeutel)
Urinbeutel dienen der Sammlung von Urin bei liegendem Katheter. Sie sind transparent und mit einer Skala versehen. Man unterscheidet zwischen geschlossenen und offenen Systemen.
Blasenkatheterismus
Der Katheterismus ist die Einführung eines Katheters durch die Harnröhre in die Blase.
Ziele des Katheterismus
- Gewinnung von sterilem Urin.
- Blasenspülung und Medikamentengabe.
- Entlastung bei Harnverhalt.
- Vermeidung von Druck auf Wunden im Beckenbereich.
Arten von Kathetern
- Foley-Katheter: Flexibel, mit Ballon zur Fixierung. 2-Wege (Drainage und Ballon) oder 3-Wege (zusätzlich für Spülungen).
- Robinson-Katheter: Starr, abgerundet, für den kurzzeitigen Gebrauch.
- Pezzner-Katheter: Halbsteif, für die chirurgische Anwendung.
- Malecot-Katheter: Halbsteif, einlumig.
Anwendungsdauer
- Kurzzeitkatheter: Liegedauer bis zu 30 Tage.
- Langzeitkatheter: Intermittierende oder dauerhafte Versorgung mit Urinbeutelsystemen.
Komplikationen
Mögliche Risiken sind Verletzungen der Harnröhre (falsche Wege), Harnwegsinfektionen durch aufsteigende Bakterien, Hämaturie oder Druckgeschwüre (Dekubitus) durch unsachgemäße Fixierung.
Pflege und Wartung des Dauerkatheters
Eine sorgfältige Reinigung ist essenziell, um Infektionen und Erosionen zu vermeiden:
- Regelmäßige Reinigung des Dammbereichs und der Harnröhrenmündung mit steriler Gaze und geeigneter Lösung.
- Tragen von Handschuhen bei der Durchführung.
- Sichere Fixierung des Katheters, um Zug auf die Harnröhre zu vermeiden.