Bentham und Mill: Grundlagen des Utilitarismus im Überblick
Zusammenfassung
Der Text stellt die utilitaristische Ethik und Politik von Jeremy Bentham und John Stuart Mill vor. Bentham begründet das Prinzip des größten Glücks, die moralische Berechnung und einen Minimalstaat mit demokratischer Kontrolle. Mill erweitert dieses Denken durch die Unterscheidung zwischen qualitativen und quantitativen Freuden sowie durch das Schadensprinzip zum Schutz der individuellen Freiheit.
Kernpunkte
- Bentham sieht das Glück als Ziel allen Handelns; moralische Begriffe wie Gerechtigkeit oder Tugend sind nur Mittel dazu.
- Die moralische Berechnung (felicific calculus) bewertet Handlungen nach dem Ausmaß der Lust, die sie der Gemeinschaft bringen.
- Bentham unterscheidet vier Sanktionsarten: physische, politische, moralische und religiöse.
- Bentham fordert einen Minimalstaat, der nur eingreift, wenn Zwang unbedingt notwendig ist, und die Demokratie als beste Regierungsform.
- Mill unterscheidet qualitativ zwischen höheren geistigen und niederen körperlichen Genüssen.
- Das Schadensprinzip besagt, dass Macht gegen den Willen eines Mitglieds nur ausgeübt werden darf, um Schaden für andere zu verhindern.
Jeremy Bentham: Wissenschaftliche Rechtsvorschriften
Jeremy Bentham strebte danach, eine Reihe von Grundsätzen zu definieren, die eine wissenschaftliche Gesetzgebung ermöglichen. Ihn leitete ein positivistischer und pragmatischer Geist: Er stützte sich auf objektive Erfahrungen und war konsequent auf die praktische Anwendung ausgerichtet. Das Ziel seines Werkes ist das Glück; moralische Begriffe wie Gerechtigkeit, Tugend und Ehrlichkeit sind lediglich Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.
Das Prinzip des größten Glücks
Um dem Grundsatz des größtmöglichen Glücks gerecht zu werden, muss jede Handlung danach bewertet werden, wie viel Freude sie bereitet. Dieser Prozess wird als moralische Berechnung (felicific calculus) bezeichnet, die jedem Fall die Höhe der Lust zuordnet, die der Gemeinschaft dient. Bentham definiert Sanktionen als Folgen menschlicher Handlungen, die aus vier Quellen stammen können:
| Sanktion | Definition | Beispiel |
|---|---|---|
| Physisch | Produktion durch natürliche Ursachen | Erschöpfung bei der Arbeit |
| Politisch | Auferlegt durch den Gesetzgeber | Zwangsarbeit |
| Moralisch | Populäre Moral oder Umgang mit anderen | Soziale Ächtung |
| Religiös | Auferlegt durch ein höchstes Wesen | Aufrichtige Reue |
Faktoren der Lust und der Minimalstaat
Bentham schlägt sieben Faktoren vor, um den Wert von Lust und Unlust nach dem Grad der Nützlichkeit zu bestimmen. Der Gesetzgeber nutzt hierfür politische Sanktionen als Instrument. In der Praxis sollte die Anwendung von Strafen die individuelle Empfindlichkeit berücksichtigen, da Faktoren wie körperliche Verfassung, Bildung und Gewohnheiten unsere Fähigkeit beeinflussen, Freude oder Schmerz zu empfinden.
Der Minimalstaat: Da jede Zwangsmaßnahme das Glück der Bürger einschränken kann, fordert Bentham, dass der Gesetzgeber Sanktionen nur dort verhängt, wo sie unbedingt notwendig sind. Übermäßige Kontrolle führt zu Unglück. Daher sollte der Staat nicht in wirtschaftliche Fragen intervenieren, sondern lediglich das Eigentum und die Freiheit des Marktes schützen. Bentham betrachtet den Staat als notwendiges Übel, das auf ein Minimum reduziert werden sollte.
Demokratie und Kontrolle
Bentham lehrte, dass Herrscher oft nur nach ihrem eigenen Glück streben. Deshalb schlug er vor, kein blindes Vertrauen zu schenken, sondern eine öffentliche Kontrolle für Herrscher, Beamte und Richter zu etablieren. Die am besten geeignete Regierungsform ist die Demokratie, da sie das Glück der Regierenden mit dem der Mehrheit in Einklang bringen kann. Er forderte zudem ein universelles Wahlrecht, das auch Frauen einschließt.
John Stuart Mill: Humanistische Erweiterung
John Stuart Mill sah den Sinn seines Lebens ursprünglich darin, die Gesellschaft seiner Zeit zu verbessern, stark beeinflusst durch Bentham. Nach einer persönlichen Krise erkannte er jedoch, dass soziale Reformen allein nicht ausreichen. Sein Zugang zu Poesie und Musik milderte seinen Rationalismus und stärkte sein Vertrauen in ein erfülltes Leben.
Qualitativer Utilitarismus und Freiheit
Mill überarbeitete die Strenge des frühen Utilitarismus durch eine humanistische Perspektive. Er etablierte das Nützlichkeitsprinzip als einziges Kriterium für Moral, verteidigte jedoch den Regelutilitarismus. Im Gegensatz zu Bentham unterschied Mill zwischen qualitativen und quantitativen Freuden: Höhere geistige Genüsse sind wertvoller als rein körperliche.
Das Schadensprinzip
Hinsichtlich der Politik hält Mill fest, dass der Staat durch externe Sanktionen das maximale Glück fördern muss, während er die Freiheit des Individuums schützt. Der einzige Zweck, für den Macht rechtmäßig gegen den Willen eines Mitglieds einer Gemeinschaft ausgeübt werden kann, ist die Vermeidung von Schaden für andere. Auf diese Weise kann jeder sein eigenes Wohl suchen, ohne das Glück anderer zu verhindern, was letztlich das allgemeine Glück steigert.
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Was besagt das Prinzip des größten Glücks bei Bentham?
Jede Handlung soll danach bewertet werden, wie viel Freude sie der Gemeinschaft bringt. Das Glück gilt als oberstes Ziel, moralische Begriffe sind nur Mittel dazu.
Was ist das Schadensprinzip von Mill?
Macht darf gegen den Willen eines Mitglieds einer Gemeinschaft nur ausgeübt werden, um Schaden für andere zu verhindern. So kann jeder sein eigenes Wohl suchen.
Worin unterscheidet sich Mill von Bentham?
Mill unterscheidet zwischen qualitativen und quantitativen Freuden: Höhere geistige Genüsse sind wertvoller als rein körperliche. Bentham betrachtete die Freuden nur quantitativ.
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