Kriminalität: Faktoren, Geschlecht und soziale Einflüsse
Entwicklung der Jugendkriminalität (1990–2020)
Ein Rückgang der Zahl Jugendlicher im Zeitraum 1990–2020 führt, sofern keine anderen Ereignisse dies ausgleichen, zu einer Reduktion der Delinquenz. Von Jugendlichen begangene Straftaten sind in der Regel weniger schwerwiegend als die von Erwachsenen.
Früher Beginn und kriminelle Intensität
Je früher Jugendliche straffällig werden, desto eher erreichen sie eine kriminelle Intensität, die der von Erwachsenen entspricht.
Alter als Maskierungsfaktor
Das Alter scheint zudem ein Faktor zu sein, der andere Faktoren maskiert.
Daten zur Frauenkriminalität
- Auf 10 festgenommene Männer kommt statistisch eine Frau.
- Auf 15 Verurteilte kommt eine Frau.
- Etwa 8 % der Gefängnisinsassen sind Frauen.
- Spanien weist mit 8,1 % den höchsten Anteil weiblicher Gefängnisinsassen in Europa auf (europäischer Durchschnitt: 4,5 %).
Selbstauskunft-Berichte bestätigen diese offiziellen Daten: Männer gestehen deutlich häufiger schwere Straftaten als Frauen.
Der Faktor soziale Klasse: Arbeitslosigkeit und Kriminalität
Kriminologen betrachteten Kriminalität lange als Phänomen der unteren sozialen Schichten, oft verbunden mit Minderheiten. Diese Perspektive argumentiert, dass Menschen am unteren Ende der sozialen Skala größere Anreize für Straftaten haben, da ihnen konventionelle Güter und Lebensstile der Oberschicht verwehrt bleiben. Frustration führt hier häufiger zu Gewaltverbrechen. Die Mehrheit der Festgenommenen gehört zur unteren sozialen Schicht.
Es erscheint plausibel, dass eine Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und Kriminalität besteht. Dennoch gibt es keine lineare Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit, Armut und Kriminalität. Soziale Prozesse durch Wirtschaftswachstum können Kriminalität sowohl fördern als auch hemmen:
- Armutsreduktion: Verringert soziale Verzweiflung und kriminelle Motivation.
- Wirtschaftswachstum: Erhöht jedoch die Gelegenheiten für Kriminalität (mehr Handel, soziale Mobilität, Nachtleben).
- Kurzfristige Arbeitslosigkeit: Wird oft durch soziale Unterstützung und familiären Rückhalt abgefedert.
- Langfristige Arbeitslosigkeit: Führt hingegen zu einem verminderten Selbstwertgefühl.
Forschung zum Verhältnis von Kriminalität und Drogen
Erklärungen zum Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Kriminalität basieren oft auf der Theorie der Desinhibition: Drogen verstärken Aggressionen, verringern die Aufmerksamkeit und verhindern eine realistische Einschätzung von Konsequenzen. Dies senkt die Hemmschwelle für Risiken.
Zudem werden situative oder prädispositionelle Theorien genannt. Die Wirkung von Alkohol und Drogen hängt stark von sozialen, psychologischen und kulturellen Kontexten ab. Die Beziehung ist komplex:
- Kriminalität durch Drogen: Drogenkonsum fördert direkt aggressives Verhalten.
- Funktionelle Kriminalität: Hohe Drogenkosten zwingen Konsumenten zu Eigentumsdelikten oder Drogenhandel, um ihre Sucht zu finanzieren.
- Drogenkonsum als Folge: Drogen werden genutzt, um den nötigen Mut für die Durchführung einer Straftat aufzubringen.
- Gleichzeitiges Auftreten: Beide Phänomene verstärken sich gegenseitig.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Verhältnis zwischen Drogen und Kriminalität nicht simpel ist. Insbesondere bei gemeinen Verbrechern führt die Kombination aus Drogen und Kriminalität zu einer erhöhten Unsicherheit in der Gesellschaft.