Der Ablasskrämer verkaufte Ablassbriefe (Bullen) und gewährte gegen Bezahlung Ausnahmen von kirchlichen Verboten (z. B. Fleischverzehr an Fasttagen).
Dieser Pardoner ist der schamloseste und betrügerischste Meister, den Lazarillo je erlebt hat.
Lázaro wird zum stillen Zeugen der Täuschungen des Ablasskrämers und lernt, sich ruhig zu verhalten.
Vertrag VI: Der Maler und der Wasserträger
Dieser Abschnitt ist ähnlich strukturiert wie der vierte Vertrag. Lázaro dient zwei Herren, wobei der zweite der Wasserträger ist, bei dem er vier Jahre bleibt.
Durch seine Ersparnisse kann er sich ein Schwert und neue Kleidung kaufen. Er macht den Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen.
Vertrag VII: Der Erzpriester von San Salvador
Lázaro berichtet, dass er kurzzeitig als Polizist arbeitete, diesen Posten jedoch als zu gefährlich empfand und aufgab. Er arbeitet nun als öffentlicher Ausrufer (Pregón).
Der Erzpriester hat seine Magd geheiratet. Lázaro mietet ein Haus und ist sozial aufgestiegen und zufrieden. Es ist ihm gleichgültig, was die Leute über die Umstände reden.
Der Protagonist: Geburt des modernen Schelmenromans
Lázaro ist ein Antiheld aufgrund seiner niedrigen sozialen Herkunft und der korrupten Welt, in der er sich bewegt. Er ist ein Charakter, der sich im Laufe der Geschichte entwickelt.
Das Werk gilt als früher Bildungsroman, da es die Geschichte einer Figur von der Kindheit bis zur Reife erzählt.
Der Bildungsprozess wird ironisch dargestellt: Lázaro wird zu einem amoralischen und materialistischen Mann, der seine eigene Degradierung akzeptiert.
Die ersten drei Verträge zeigen seine progressive „Ausbildung“: Er lernt zu lügen und zu stehlen.
Themen und Absicht des Lazarillo
Das Werk ist geprägt von Spott und Humor, dient aber gleichzeitig als scharfe Kritik an sozialen und religiösen Missständen.
Es bietet einen Einblick in die Gesellschaft der Epoche: die Strapazen der Armen, die Ungerechtigkeit und das moralische Elend der Kleriker.
Der Ton ist generell von sanfter Ironie und Humor geprägt.
Das Werk bewertet die persönliche Tugend und den Verdienst höher als die Herkunft oder den sozialen Stand.
Die Schlussfolgerungen sind ambivalent: Lázaro erreicht sozialen Aufstieg, jedoch zu einem moralischen Preis.
Stil und Sprache
Es dominiert eine natürliche, einfache und oft umgangssprachliche Sprache.
Der Stil ist prägnant und verwendet volkstümliche Ausdrücke und Sprichwörter.
Charakteristisch sind die starke Ironie und der Spott.
Die Nachfolge des Schelmenromans
Lazarillo de Tormes war äußerst erfolgreich und begründete das Genre des Schelmenromans (Picaresque).
Nachfolgewerke behielten die autobiografische Form bei und erzählten die Abenteuer der Protagonisten mit verschiedenen Meistern.
Spätere Schelmenromane zeigten oft grausamere Charaktere, Diebe und Bösewichte.