Lazarillo de Tormes: Analyse der Verträge V–VII und des Schelmenromans

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Die späten Verträge: Aufstieg und Degradierung

Vertrag V: Der Ablasskrämer (Pardoner)

  • Der Ablasskrämer verkaufte Ablassbriefe (Bullen) und gewährte gegen Bezahlung Ausnahmen von kirchlichen Verboten (z. B. Fleischverzehr an Fasttagen).
  • Dieser Pardoner ist der schamloseste und betrügerischste Meister, den Lazarillo je erlebt hat.
  • Lázaro wird zum stillen Zeugen der Täuschungen des Ablasskrämers und lernt, sich ruhig zu verhalten.

Vertrag VI: Der Maler und der Wasserträger

  • Dieser Abschnitt ist ähnlich strukturiert wie der vierte Vertrag. Lázaro dient zwei Herren, wobei der zweite der Wasserträger ist, bei dem er vier Jahre bleibt.
  • Durch seine Ersparnisse kann er sich ein Schwert und neue Kleidung kaufen. Er macht den Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen.

Vertrag VII: Der Erzpriester von San Salvador

  • Lázaro berichtet, dass er kurzzeitig als Polizist arbeitete, diesen Posten jedoch als zu gefährlich empfand und aufgab. Er arbeitet nun als öffentlicher Ausrufer (Pregón).
  • Der Erzpriester hat seine Magd geheiratet. Lázaro mietet ein Haus und ist sozial aufgestiegen und zufrieden. Es ist ihm gleichgültig, was die Leute über die Umstände reden.

Der Protagonist: Geburt des modernen Schelmenromans

  • Lázaro ist ein Antiheld aufgrund seiner niedrigen sozialen Herkunft und der korrupten Welt, in der er sich bewegt. Er ist ein Charakter, der sich im Laufe der Geschichte entwickelt.
  • Das Werk gilt als früher Bildungsroman, da es die Geschichte einer Figur von der Kindheit bis zur Reife erzählt.
  • Der Bildungsprozess wird ironisch dargestellt: Lázaro wird zu einem amoralischen und materialistischen Mann, der seine eigene Degradierung akzeptiert.
  • Die ersten drei Verträge zeigen seine progressive „Ausbildung“: Er lernt zu lügen und zu stehlen.

Themen und Absicht des Lazarillo

  • Das Werk ist geprägt von Spott und Humor, dient aber gleichzeitig als scharfe Kritik an sozialen und religiösen Missständen.
  • Es bietet einen Einblick in die Gesellschaft der Epoche: die Strapazen der Armen, die Ungerechtigkeit und das moralische Elend der Kleriker.
  • Der Ton ist generell von sanfter Ironie und Humor geprägt.
  • Das Werk bewertet die persönliche Tugend und den Verdienst höher als die Herkunft oder den sozialen Stand.
  • Die Schlussfolgerungen sind ambivalent: Lázaro erreicht sozialen Aufstieg, jedoch zu einem moralischen Preis.

Stil und Sprache

  • Es dominiert eine natürliche, einfache und oft umgangssprachliche Sprache.
  • Der Stil ist prägnant und verwendet volkstümliche Ausdrücke und Sprichwörter.
  • Charakteristisch sind die starke Ironie und der Spott.

Die Nachfolge des Schelmenromans

  • Lazarillo de Tormes war äußerst erfolgreich und begründete das Genre des Schelmenromans (Picaresque).
  • Nachfolgewerke behielten die autobiografische Form bei und erzählten die Abenteuer der Protagonisten mit verschiedenen Meistern.
  • Spätere Schelmenromane zeigten oft grausamere Charaktere, Diebe und Bösewichte.

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