Literarische Erneuerung: Der spanische Roman der 60er
Formale Erneuerung der 60er Jahre: Charakteristika
Es entstehen revolutionäre Bewegungen, die ein großes Echo in der westlichen Gesellschaft finden und die Jugend faszinieren. Viele der Protagonisten dieser Ereignisse werden zu Mythen der Erneuerung oder Revolution, wie etwa Martin Luther King, Che Guevara oder Mao Tse Tung.
Es handelt sich um eine Revolution der Sitten, die zu neuen Lebensformen und Verhaltensweisen führt. Sexuelle Befreiung und Pazifismus prägen diese Zeit. Diese rebellische Haltung äußert sich in äußeren Zeichen wie Hippie-Kleidung, Miniröcken, Jeans, langen Haaren und dem Konsum von Drogen.
In Spanien kommt es zu einer Lockerung der Zensur. Der Kontakt zum Ausland erleichtert das Verständnis für neue soziale Einstellungen sowie kulturelle und weltanschauliche Bewegungen aus Europa und Amerika. Es treten literarische Einflüsse des europäischen und amerikanischen Romans auf, insbesondere narrative Techniken von großem Interesse sowie die objektive Sicht der Wirklichkeit.
1. Neue Wege
Ab 1960 macht sich eine Müdigkeit gegenüber dem Realismus bemerkbar. Die Erzählkunst beginnt, den sozialen Realismus durch eine neue Konzeption der Formen aufzubrechen. Die Gesellschaft der Zeit wird mit einer ironischen Sprache hervorgehoben. Es werden innovative Techniken eingesetzt, wie der Wechsel zwischen objektiver und subjektiver Erzählweise, der allwissende Erzähler sowie kritische Werte. Zudem finden sich viele innere Monologe voller Jargon, Metaphern und Verweise auf die Mythologie.
2. Erneuerung der etablierten Autoren
Romanautoren der ersten Generation nach dem Krieg tragen dazu bei, neue Erzählformen zu entdecken:
- Camilo José Cela: Er setzte seine Suche nach Erneuerung fort und erweiterte den inneren Monolog durch verschiedene Inhalte, teils ohne Interpunktion und in rhythmischer, fast lyrischer Sprache, wie in San Camilo, 1936 und Oficio de tinieblas 5.
- Miguel Delibes: Er veröffentlichte Fünf Stunden mit Mario, einen langen Monolog, in dem die Protagonistin an ein ungeordnetes Leben erinnert, sowie die Besessenheit in Parábola del náufrago.
- Torrente Ballester: Er wandte sich vom Realismus ab und dem Phantastischen zu. In La saga/fuga de J.B. schuf er eine Hommage an den Experimentalismus und eine meisterliche Parodie seiner selbst.
3. Die neue Generation der Jahrhundertmitte
Zu den Highlights dieser Generation zählen:
- Juan Benet: In seinem Buch Volverás a Región unterstützt er eine radikal neue Erzählweise. Er nutzt kaum Dialoge, sondern lange Monologe verschiedener Stimmen. Die Meditation ist ein fortlaufender Text.
- Juan Marsé: In seinen Romanen spiegelt er die Art und Umgebung der Slums von Barcelona wider. In Letzte Nachmittage mit Teresa (Últimas tardes con Teresa) übt er Satire an der katalanischen Bourgeoisie und nutzt den inneren Monolog, Parodie und Humor. Mit La oscura historia de la prima Montse und Si te dicen que caí erreichte er die volle Reife in der Handhabung neuer Erzählformen.
- Juan Goytisolo: In Señas de identidad sammelt er neue Techniken wie Perspektivwechsel, Zeitsprünge, Erzählungen in verschiedenen Personen und innere Monologe. Er schrieb auch Juan sin tierra und Makbara.
- Luis Goytisolo: In seiner Tetralogie Antagonía nutzt er die Ressourcen des experimentellen Romans mit einer Mischung aus Autobiografie sowie literarischen und kulturellen Bezügen.
- Francisco Umbral: Seine Werke bewegen sich zwischen Fiktion, Autobiografie, Journalismus und Essay. Er schrieb die Ballade der Gamberros, Las ninfas und die Madrid-Trilogie.