Literatur und Postmoderne in Spanien seit 1975
Die Postmoderne in der Literatur
Aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der 1980er Jahre entstand das postmoderne Denken. Es ist gekennzeichnet durch die Ablehnung starrer Ideologien sowie ästhetischer Theorien und praktiziert die Mischung von Sprachen aus verschiedenen Disziplinen wie Literatur und Kino. Die Postmoderne verteidigt die Populärkultur und die Hybridisierung von Stilen. Der Geschmack für die Fusion der Genres zeigt sich darin, dass Autoren spielerisch mit Verweisen arbeiten, die dem Leser bekannt sind. Der Relativismus des postmodernen Denkens favorisiert zudem den Einsatz von Humor und Ironie.
Zeitgenössische Literatur seit 1975
Die Literatur seit 1975 ist geprägt vom Versuch, das Interesse der Leser zurückzugewinnen, nachdem die experimentellen Techniken der Vorjahre an Bedeutung verloren hatten. Zudem gibt es eine wachsende Zahl an Werken in katalanischer, baskischer und galicischer Sprache.
Narrative und Theater
- Wichtige Autoren der Erzählung: Bernardo Atxaga, Manuel Rivas, Terenci Moix.
- Theater: Sergi Belbel, Els Joglars.
Lyrik seit 1975
Die Lyrik dieser Zeit lässt sich nicht auf ein einzelnes Merkmal reduzieren, weist jedoch folgende allgemeine Tendenzen auf:
- Alltagsbezug: Dichter erzählen von persönlichen Erlebnissen und Gefühlen.
- Einfache Sprache: Verwendung von Umgangssprache, Neologismen und Jargon.
- Dialogische Struktur: Das Gedicht wirkt wie ein Dialog zwischen Dichter und Empfänger.
- Formale Reinigung: Präzise Sprache und sorgfältige Gestaltung.
- Formale Freiheit: Verzicht auf starre Metrik oder Reimzwang.
Die Poesie der Erfahrung
Die Poesie der Erfahrung thematisiert reale oder fiktive Erlebnisse des Autors. Wichtige Vertreter sind Luis García Montero und Felipe Benítez Reyes.
- Luis García Montero (*1958): Bekannt für den Gedichtband „Getrennte Zimmer“; er strebt nach Kommunikation und Einfachheit.
- Felipe Benítez Reyes (*1960): Autor von Werken wie „Die eitlen Welten“; seine Lyrik ist von Skepsis gegenüber der Existenz geprägt.
Der Roman seit 1957
Der moderne Roman versucht, das durch den Missbrauch experimenteller Techniken verlorene Leserinteresse zurückzugewinnen. Als Ausgangspunkt gilt Eduardo Mendozas „Die Wahrheit über den Fall Savolta“ (1975), bei dem Inhalt und Handlung wichtiger sind als die Struktur.
Wichtige Strömungen
- Kriminalroman: Fokus auf ein Verbrechen (z. B. Antonio Muñoz Molina, „Winter in Lissabon“).
- Historischer Roman: Rekonstruktion vergangener Ereignisse (z. B. Miguel Delibes, „Der Ketzer“).
- Intimer Roman: Fokus auf persönliche Konflikte (z. B. Antonio Muñoz Molina, „Der polnische Reiter“).
- Testimonial-Roman: Kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen (z. B. Rosa Montero, „Ich werde dich wie eine Königin“).
Theater seit 1975
Man unterscheidet zwischen kommerziellem Theater (Musicals, Komödien) und alternativem Theater (innovative Texte in kleineren Spielstätten).
- Francisco Nieva: Theater mit hohem intellektuellem Anspruch.
- José Sanchis Sinisterra: Erneuerer der theatralen Sprache (z. B. „Ay, Carmela!“).
- José Luis Alonso de Santos: Traditioneller Autor (z. B. „Der Tabakhändler von Vallecas“).