Logik und Argumentationsfehler: Fehlschlüsse mit Beispielen
Zusammenfassung
Der Text erklärt die Grundlagen der formalen und informellen Logik sowie den argumentativen Dialog als Sprachspiel. Im Mittelpunkt stehen elf häufige Argumentationsfehler (Fehlschlüsse), die jeweils definiert und mit einem Beispiel veranschaulicht werden. Lernende erkennen so, wie solche trügerischen Argumente aufgebaut sind.
Kernpunkte
- Die formale Logik prüft die Gültigkeit von Argumenten, die informelle Logik untersucht, welche Bedingungen Argumente für korrektes Argumentieren erfüllen müssen.
- Ein argumentativer Dialog ist ein Sprachspiel, in dem Teilnehmer nach bestimmten Regeln und nach Treu und Glauben zusammenarbeiten, um ein Ziel zu erreichen.
- Fehlschlüsse sind logisch ungültige Argumente, die dennoch überzeugend wirken können.
- Der Zirkelschluss (Petitio Principii) liegt vor, wenn die Begründung die zu beweisende Aussage bereits voraussetzt oder nur umschreibt.
- Argumentum ad Hominem greift die Person statt des Arguments an, Argumentum ad Populum manipuliert Emotionen der Zuhörer.
- Post hoc ergo propter hoc schließt aus einer zeitlichen Abfolge auf eine Ursache, obwohl zeitliche Abfolge keine kausale Verbindung beweist.
- Das Dammbruchargument behauptet eine unvermeidliche Kette immer schlimmerer Folgen und übersieht mögliche Zwischenstopps.
Formale Logik
Die formale Logik ermöglicht die Prüfung der Gültigkeit von Argumenten, die in jeder Kommunikation verwendet werden. Im Alltag benutzen wir oft Argumente, die formal nicht gültig sind, die wir aber dennoch für vernünftig halten.
Informelle Logik
Die informelle Logik, auch von manchen als „Logik der guten Gründe“ bekannt, untersucht die Bedingungen, die Argumente erfüllen müssen, um in dieser Hinsicht korrekt zu sein.
Der argumentative Dialog
Ein argumentativer Dialog ist ein Sprachspiel, in dem zwei oder mehr Teilnehmer Nachrichten austauschen und sich dabei an bestimmte Regeln halten. Sie arbeiten nach Treu und Glauben zusammen, um das Ziel des Dialogs zu erreichen.
Häufige Argumentationsfehler (Fehlschlüsse)
Argumentationsfehler, auch Fehlschlüsse genannt, sind trügerische Argumente, die logisch ungültig sind, aber oft überzeugend wirken. Hier sind einige der häufigsten:
1. Fehlschluss der komplexen Frage (Plurium Interrogationum)
Dieser Fehlschluss liegt vor, wenn eine Frage gestellt wird, die bereits eine oder mehrere Präsuppositionen enthält, die der Befragte möglicherweise nicht akzeptiert. Die Frage zwingt den Befragten, eine implizite Annahme zu bestätigen, selbst wenn er nur mit „Ja“ oder „Nein“ antwortet.
- Beispiel: „Haben Sie aufgehört, meine Cousine zu ärgern?“ (Egal ob „Ja“ oder „Nein“, es wird impliziert, dass man die Cousine zuvor geärgert hat.)
2. Argumentum ad Ignorantiam (Appell an die Unwissenheit)
Hierbei wird argumentiert, dass eine Aussage wahr ist, weil ihre Falschheit nicht bewiesen wurde, oder dass sie falsch ist, weil ihre Wahrheit nicht bewiesen wurde.
- Beispiel: „Gott existiert nicht, weil Wissenschaftler das Gegenteil nicht bewiesen haben.“
3. Zirkelschluss (Petitio Principii)
Ein Zirkelschluss liegt vor, wenn die Begründung für eine Aussage bereits die Aussage selbst voraussetzt oder in anderen Worten wiederholt. Das Argument dreht sich im Kreis.
- Beispiel: „Du bist dumm, weil du Unsinn redest.“ (Die Begründung „Unsinn reden“ ist eine Umschreibung für „dumm sein“.)
4. Argumentum ad Hominem (Angriff auf die Person)
Anstatt das Argument selbst zu widerlegen, wird die Person angegriffen, die das Argument vorbringt. Dies lenkt von der eigentlichen Sache ab.
- Beispiel: „Du kannst mir nichts über das Studium erzählen, wenn du selbst nie studiert hast.“
5. Argumentum ad Verecundiam (Appell an die Autorität)
Es wird lediglich auf eine Autorität verwiesen, um eine Aussage zu untermauern, ohne weitere substanzielle Gründe anzuführen. Dies ist nur dann ein Fehlschluss, wenn die Autorität nicht relevant oder nicht glaubwürdig ist.
- Beispiel: „Abtreibung ist falsch, weil der Papst es sagt.“
6. Argumentum ad Baculum (Appell an die Gewalt/Drohung)
Hierbei werden Drohungen oder die Androhung von Gewalt als Begründung oder Druckmittel verwendet, um eine Aussage zu akzeptieren oder eine Handlung zu erzwingen.
- Beispiel: „Wenn Sie für die PP stimmen, kehrt die Diktatur zurück.“
7. Argumentum ad Populum (Appell an die Emotionen)
Dieser Fehlschluss versucht, Emotionen, Begeisterung oder andere Gefühle der Zuhörer zu manipulieren, um Zustimmung zu einer Aussage zu erlangen, anstatt logische Gründe anzuführen.
- Beispiel: „Wie kannst du nur so herzlos sein und das nicht unterstützen, was ich liebe?“
8. Argumentum ex Populo (Appell an die Mehrheit)
Es wird argumentiert, dass etwas wahr oder richtig ist, weil die Mehrheit der Menschen es glaubt oder tut. Die Popularität einer Meinung ist jedoch kein Beweis für ihre Richtigkeit.
- Beispiel: „Jeder sagt, dass P wahr ist. Daher ist P wahr.“
9. Post hoc ergo propter hoc (Danach, also deswegen)
Dieser Fehlschluss nimmt an, dass, weil Ereignis B nach Ereignis A eingetreten ist, A die Ursache von B sein muss. Eine zeitliche Abfolge impliziert jedoch nicht zwangsläufig eine kausale Verbindung.
- Beispiel: „Das Ereignis B folgte auf A. Dann ist A die Ursache von B.“
10. Übereilte Verallgemeinerung (Hasty Generalization)
Es wird eine allgemeine Schlussfolgerung aus einer zu kleinen oder nicht repräsentativen Stichprobe gezogen. Einzelne Fälle werden auf eine gesamte Gruppe übertragen.
- Beispiel: „Ich kenne einige Madrilenen, die rauchen. Daher rauchen alle Madrilenen.“
11. Dammbruchargument (Slippery Slope)
Es wird behauptet, dass eine bestimmte Handlung oder Entscheidung unweigerlich zu einer Kette von immer schlimmeren Konsequenzen führen wird, bis hin zu einem katastrophalen Ergebnis. Dabei wird oft die Notwendigkeit der einzelnen Schritte übertrieben oder ignoriert, dass es Zwischenschritte gibt, die gestoppt werden könnten.
- Beispiel: „Wenn wir A1 zulassen, führt das unweigerlich zu A2, dann zu A3 und so weiter, bis wir bei einem unerwünschten Ergebnis W landen. Daher dürfen wir A1 nicht zulassen.“
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Was ist ein Zirkelschluss?
Ein Zirkelschluss liegt vor, wenn die Begründung für eine Aussage die Aussage selbst voraussetzt oder nur mit anderen Worten wiederholt. Das Argument dreht sich dadurch im Kreis. Ein Beispiel ist: „Du bist dumm, weil du Unsinn redest.“
Was bedeutet Argumentum ad Hominem?
Beim Argumentum ad Hominem wird nicht das Argument widerlegt, sondern die Person angegriffen, die es vorbringt. Dadurch wird von der eigentlichen Sache abgelenkt.
Warum ist post hoc ergo propter hoc ein Fehlschluss?
Der Fehlschluss nimmt an, dass ein Ereignis, das nach einem anderen eintritt, dessen Ursache sein muss. Eine zeitliche Abfolge impliziert jedoch nicht zwangsläufig einen kausalen Zusammenhang.
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