Neuromuskuläre Übertragung und Lungenphysiologie
Phasen der neuromuskulären Übertragung
- Das Aktionspotential (AP) erreicht die präsynaptische Membran des Axons (Knoten Ranvier). Spannungsgesteuerte Ca2+-Kanäle öffnen sich.
- Ca2+ tritt in das Neuron ein. Dies führt zur Exozytose von Acetylcholin (ACh) aus Vesikeln im Zytosol des Axons.
- Acetylcholin diffundiert in den synaptischen Spalt.
- Chemisch gesteuerte Kanäle öffnen sich, wenn ACh bindet, wodurch Na+ in die Zelle strömt.
- Das Aktionspotential wird in der Membran der Muskelzelle ausgelöst und breitet sich über das gesamte Plasmalemma aus.
- In der Triade stimulieren die Dihydropyridin-Rezeptoren (DHPR) – angeregt durch das Aktionspotential – die Ryanodin-Rezeptoren (Ca2+-Kanäle) der terminalen Zisternen. Dies führt zur Freisetzung von Ca2+ in das Sarkoplasma.
- Sobald Ca2+ im Sarkoplasma ist, bindet es an Troponin C, wodurch die Bindungsstellen auf dem Aktin freigelegt werden.
Querbrückenzyklus (Sliding Filament Theorie)
- Bindung (Rigor-Zustand): Der Myosinkopf ist fest mit dem Aktin verbunden (kein ATP vorhanden).
- Lösung: ATP bindet an den Myosinkopf, wodurch dieser sich vom Aktin löst.
- Spaltung (Cocking): ATP wird zu ADP und Pi hydrolysiert. Die freigesetzte Energie verändert die Struktur des Myosinkopfes (Vorspannung). ADP und Pi bleiben am Myosinkopf gebunden.
- Neubindung: Der Myosinkopf bindet an eine neue Stelle des Aktinfilaments. Die Freisetzung von Pi initiiert den Kraftschlag.
- Kraftschlag (Kontraktion): Durch die Freisetzung von ADP kehrt der Myosinkopf in seine ursprüngliche Position zurück und zieht dabei das Aktinfilament (Kontraktion).
Muskelrelaxation
Die Entspannung der Muskelkontraktion erfolgt durch zwei Hauptmechanismen:
- Acetylcholinesterase (AChE): Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt.
- Wiederaufnahme von Ca2+: Ca2+-Pumpen des Sarkoplasmatischen Retikulums (SR) ziehen Ca2+ aus dem Sarkoplasma zurück. Dadurch bedecken die Troponin-Tropomyosin-Komplexe wieder die Bindungsstellen auf dem Aktin.
Lungenvolumina und -kapazitäten
Lungenvolumina
- Tidalvolumen (VT): Volumen der Luft, das pro Atemzyklus ein- oder ausgeatmet wird.
- Anatomischer Totraum (VD): Der Teil des Tidalvolumens, der die Alveolen nicht erreicht und nicht am Gasaustausch teilnimmt (ca. 150 ml).
- Alveoläres Volumen (VA): Der Teil des Tidalvolumens, der die Alveolen erreicht (ca. 350 ml).
- Inspiratorisches Reservevolumen (IRV): Das zusätzliche Volumen, das nach einer normalen Inspiration maximal eingeatmet werden kann (ca. 3 L).
- Exspiratorisches Reservevolumen (ERV): Das Volumen, das nach einer normalen Exspiration forciert ausgeatmet werden kann (ca. 1,1 L).
- Residualvolumen (RV): Das Volumen, das nach maximaler Exspiration noch in der Lunge verbleibt (ca. 1,2 L).
Berechnungen und Kapazitäten
- Atemminutenvolumen (AMV): AMV = Atemfrequenz (F) × Tidalvolumen (VT)
- Alveoläre Ventilation (VA): VA = Atemfrequenz (F) × Alveoläres Volumen (VA)
- Inspiratorische Kapazität (IC): IC = IRV + VT
- Vitalkapazität (VC): VC = IRV + VT + ERV
- Funktionelle Residualkapazität (FRC): FRC = ERV + RV
- Totale Lungenkapazität (TLC): TLC = VC + RV