Die Neuzeit: Renaissance, Humanismus und Barock
Die Neuzeit
1. Definition
Die Neuzeit markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte, der sich über drei Jahrhunderte erstreckt. Sie beginnt mit dem Fall von Konstantinopel (1453) und endet mit der Französischen Revolution (1789).
2. Merkmale
- Politik und Wirtschaft: Entdeckung neuer Märkte und Aufstieg parlamentarischer Nationen unter absolutistischen Herrschern (Frankreich, Spanien, Russland) oder konstitutionellen Systemen (England).
- Soziale Ordnung: Aufbruch aus dem mittelalterlichen Kastensystem hin zu Prinzipien wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.
- Geistige Ordnung: Die protestantische Reformation fordert die katholische Kirche heraus. Im 17. Jahrhundert wachsen Atheismus und Skeptizismus, während eine säkulare Moral entsteht.
- Wissenschaft und Kultur: Etablierung der experimentellen Methode. Bedeutende Fortschritte in Astronomie (Kopernikus), Mathematik (Newton), Chemie (Lavoisier) und Medizin (Michael Servet). Erfindungen wie der Buchdruck, der Kompass und die Dampfmaschine prägen die Ära.
Kulturelle Epochen
- 16. Jahrhundert: Renaissance.
- 17. Jahrhundert: Barock (Spanien, England) und Klassizismus (Frankreich).
- 18. Jahrhundert: Französischer Klassizismus in ganz Europa.
Die Renaissance
1. Definition
Die Renaissance bezeichnet die Wiedergeburt der antiken Kultur, die in Italien begann und sich im 16. Jahrhundert in ganz Europa ausbreitete.
2. Merkmale
- Wiederaufleben der Klassik: Rückkehr zu Themen und Formen der griechisch-römischen Antike.
- Anthropozentrismus: Der Mensch rückt in den Mittelpunkt, während der mittelalterliche Theozentrismus an Bedeutung verliert.
- Naturbegeisterung: Entdeckung der Landschaftsmalerei und literarische Naturbeschreibungen nach dem Vorbild Vergils.
3. Literarische Gattungen
A) Epische Dichtung
Abkehr von mittelalterlichen Epen zugunsten antiker Vorbilder (Homer, Vergil). Wichtige Werke: Ariosts Orlando Furioso und Camões’ Epos über den Ruhm Portugals.
B) Lyrik
Wichtige Vertreter wie Dante, Petrarca und Ronsard (Plejaden). Zentrales Thema ist oft der Genuss des Lebens nach dem Prinzip Carpe diem.
C) Der Roman
Durch den günstigeren Buchdruck verbreiteten sich sentimentale Romane, Pastoraldichtungen, Ritterromane und Schelmenromane. Bedeutende Autoren: Sannazaro (Arcadia) und Rabelais (Gargantua und Pantagruel).
4. Humanismus
Der Humanismus stellte den Menschen in den Mittelpunkt. Wichtige Denker waren Erasmus von Rotterdam (Lob der Torheit), Thomas Morus (Utopia), Machiavelli (Der Fürst), Castiglione und Montaigne, der den Begriff des „Essays“ prägte.
Barock
Die Epoche des Barock folgt auf die Renaissance und ist geprägt von einer komplexen, oft prunkvollen Ästhetik.