Realismus und Naturalismus in der Literatur
Arten der Koordination
- Kopulative Koordination: (y, e, ni)
- Adversative Koordination: (aber, jedoch, doch, dennoch)
- Disjunktive Koordination: (o, u, oder)
- Distributive Koordination: (bald ... bald, manchmal ... ein andermal, auch ... sowie)
- Explikative Koordination: (d. h., das heißt)
Der Realismus
Der Realismus war eine künstlerische Bewegung, welche die Realität im Einklang mit den Interessen der bürgerlichen Gesellschaft darstellte. Er entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts parallel zur Industriellen Revolution und dem Aufstieg des Bürgertums. Es war eine Zeit wissenschaftlicher Entwicklung, in der sich der technische Fortschritt im Aufstieg der Industrie widerspiegelte: Eisenbahn und Elektrizität prägten das Bild. Es herrschte der Glaube an den Fortschritt. Der realistische Autor wurde zum Chronisten der Gegenwart und Vergangenheit.
Ursprung des Realismus
Geboren in Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war Stendhal sein Wegbereiter. Die realistische Erzählung konsolidierte sich mit Honoré de Balzac. Der französische Realismus erreichte seinen Höhepunkt mit Gustave Flaubert. In den 30er Jahren entwickelten sich in England soziale Schilderungen mit Charles Dickens. In Russland begann der Realismus mit zwei großen Erzählern: Fjodor Dostojewski und Lew Tolstoi.
Merkmale des Realismus
Der Realismus wich der sozialen Darstellung. Er präsentierte das tägliche Leben auf dem Land und in der Stadt. Es erfolgte eine Analyse der Rahmenbedingungen, der gesellschaftlichen Gruppen und deren Einfluss auf die Charaktere. Es bestand eine Sehnsucht nach Objektivität, um die Wirklichkeit auf die unparteiischste Weise darzustellen. Zudem wurde die intime Welt der Psychologie des Einzelnen beleuchtet.
Der realistische Roman
Er verbindet die Darstellung individueller und sozialer Bestrebungen mit der Kunst der Zeit. Eigenschaften:
- Verknüpfung historischer Aspekte mit Elementen der Fiktion, was zur Glaubwürdigkeit des Werkes beiträgt.
- Die Handlung spielt in der heutigen Zeit an realen Orten, die der Autor kennt und durch dokumentierte Beschreibungen wiedergibt.
- Die Charaktere sind normale Menschen; beschrieben werden ihr Äußeres, Inneres und das soziale Umfeld. Sie werden je nach Herkunft und Bildung in direkten Dialogen präsentiert.
- Vorhandensein eines allwissenden Erzählers, der über Gedanken, Wünsche und Motive der Charaktere informiert und durch Meinungen und Kommentare in die Geschichte eingreift.
Realismus in Spanien
Die Entwicklung in Spanien begann ab 1870 mit den Romanen von José María de Pereda, Juan Valera und Benito Pérez Galdós, welche das Leben und die spanischen Gebiete widerspiegelten.
Die Seriennummer (Fortsetzungsromane)
Diese Romane wurden mit großem öffentlichem Erfolg als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen veröffentlicht und von den realistischen Autoren genutzt.
- José María de Pereda: Autor des realistischen Romans, der in Kantabrien spielt. Er konzentriert sich auf die Erhebung und Idealisierung ländlicher Bräuche gegenüber den städtischen (z. B. Sotileza, Peñas arriba).
- Juan Valera: Seine Werke spielen in Andalusien und stellen ländliche Gebiete idyllisch dar. Thema: Liebesbeziehungen zwischen einem Mann und einer jungen Frau. Besonderer Wert wird auf die Charakterisierung der Figuren gelegt (z. B. Juanita la Larga, Pepita Jiménez).
- Benito Pérez Galdós: Seine Produktion ist ein Spiegelbild der Gesellschaft seiner Zeit. In seinen Werken erscheinen verschiedene soziale Gruppen, wobei Madrid, dessen Bräuche und Orte besondere Aufmerksamkeit erhalten. Er zeichnet sich durch die Integration des täglichen Lebens in historische Ereignisse aus. Er nutzt verschiedene narrative Methoden wie den allwissenden Erzähler, direkten Dialog und Monolog und passt die Sprache den Charakteren an.
Typen von Romanen bei Galdós
- Episodios Nacionales: 46 Geschichten über historische Ereignisse des 19. Jahrhunderts aus der Sicht anonymer Charaktere (z. B. Trafalgar).
- Romane der ersten Periode: Frühe Romane wie Doña Perfecta oder Gloria. Es sind Thesenromane, in denen der Autor seine Ideologie ausdrückt: Charaktere mit konservativer Mentalität treffen auf solche mit fortschrittlichen Ideen.
- Zeitgenössische Romane: Bilden die Realität Madrids ab, sowohl die Plätze als auch die Bewohner (z. B. Miau).
- Spirituelle Romane: Beeinflusst vom russischen Realismus, mit Schwerpunkt auf der inneren Welt der Figuren und Werten wie Liebe und moralischer Statur (z. B. Misericordia).
Der Naturalismus
Der Naturalismus steigerte den Realismus und schlug vor, wissenschaftliche Grundlagen auf die Literatur anzuwenden. Nach Émile Zola ist der Mensch das Ergebnis genetischer und sozialer Bedingungen (z. B. Thérèse Raquin). Er zeigt auch die schmutzigen Aspekte der Realität.
Features (Merkmale)
- Themen und Charaktere werden als fehlerhaft dargestellt, dominiert von ihrer Physiologie. Die Sprache ist teils rau und spiegelt die Umgebung wider.
- Narrative Techniken: Der Schriftsteller porträtiert die Realität mit wissenschaftlicher Methode, um das Verhalten von Individuen im Licht von Gesellschaft und Familie zu analysieren. Beschreibungen sparen grausame Aspekte nicht aus.
- Erzähler: Er möchte objektiv und unpersönlich sein.
Clarín und „La Regenta“
Unter dem Pseudonym Clarín wurde Leopoldo Alas für seine Literaturkritik bekannt. Er verfasste Kurzgeschichten und den bedeutenden Roman La Regenta. In der Stadt Vetusta (Oviedo) angesiedelt, präsentiert das Werk den Konflikt zwischen Ana Ozores und Fermín de Pas, dominiert vom Wunsch nach Liebe in einer feindlichen Umgebung. Die bürgerliche Gesellschaft wird als voller Heuchelei und Konventionen dargestellt. Die detaillierte Analyse der Gesellschaft und der Figuren macht den Roman zu einem wunderbaren Beispiel des Naturalismus.
Andere naturalistische Erzähler
- Emilia Pardo Bazán: Ihre Romane enthalten detaillierte Studien der galicischen Landschaft und des dekadenten Adels. In Los Pazos de Ulloa wird der soziale, moralische und physische Verfall durch die Augen eines Außenstehenden beobachtet.
- Vicente Blasco Ibáñez: In Valencia siedelt er die Welt in drei sozioökonomischen Bereichen an: Handel, Landwirtschaft und das Milieu (oft als „Sünde“ oder Sumpf interpretiert). Er gilt als einer der spanischen Schriftsteller, die den Grundsätzen des Naturalismus am engsten folgten. Die Charaktere werden von primitiven Kräften dominiert. Es überwiegt ein gewalttätiges Umfeld, das detailliert, aber ohne unangenehme Aspekte zu verschleiern, beschrieben wird.