Realismus und Naturalismus in der spanischen Literatur
Merkmale des Realismus
Der Realismus ist durch folgende Aspekte gekennzeichnet:
- Fokus: Konzentration auf das Bürgertum.
- Objektivität: Eine getreue Abbildung der Wirklichkeit.
- Stil: Einfache und klare Prosa, die jede soziale Klasse widerspiegelt.
- Gesellschaftskritik: Das Bürgertum wird als opportunistisch und gierig dargestellt.
- Detailreichtum: Fokus auf die Umwelt und die Charaktere.
- Umgebungen und Sitten: Ziel ist die Reproduktion der Gesellschaft, insbesondere der mittleren und unteren Klassen.
- Charaktere: Die Figuren werden psychologisch analysiert.
Der Naturalismus
Der Naturalismus ist die Weiterentwicklung des Realismus. Er postuliert, dass der Mensch nicht frei ist, sondern durch seine Lebensumstände und Herkunft determiniert wird. Hauptvertreter ist Émile Zola (Die Rougon-Macquart).
Phasen des Realismus in Spanien
Prärealismus
Charakterisiert durch einen einfachen und realistischen Stil (z. B. Der Dreispitz und La Gaviota).
Realismus
Beschreibt die Realität durch verschiedene Romanformen:
- Gesellschaftsroman: Fokus auf Beobachtung und Charaktere.
- Thesenroman: Spiegelt die persönliche Weltanschauung des Autors wider.
- Psychologischer Roman: Konzentration auf die Psychologie der Figuren.
- Spiritueller Realismus: Porträtiert soziale Verhältnisse und kritisiert das Bürgertum.
Herausragende Vertreter in Spanien sind Valera, Clarín und Galdós.
Juan Valera
Geboren in Córdoba. Bekannte Werke: Pepita Jiménez und Juanita la Larga.
- Pepita Jiménez: Ein Briefroman über die Romanze zwischen einem jungen Seminaristen und einer jungen Witwe.
- Juanita la Larga: Roman über die Beziehung eines Witwers zu der jungen Juanita aus den unteren Klassen.
Leopoldo Alas „Clarín“
Geboren in Zamora, studierte Jura. Er schrieb Essays, Erzählungen und Literaturkritiken. Seine Hauptwerke sind La Regenta und Su único hijo.
La Regenta: Thematisiert religiöse und romantische Sinnlichkeit, Ehebruch und Kritik an gesellschaftlichen Institutionen sowie der Macht der Kirche. Das Werk ist in zwei Teile gegliedert:
- Teil 1: Umfasst 15 Kapitel, in denen keine externen Ereignisse eintreten.
- Teil 2: Umfasst weitere 15 Kapitel, in denen sich die Liebesbeziehungen zwischen Ana, Fermín und Don Álvaro entwickeln.
Benito Pérez Galdós
Geboren in Las Palmas de Gran Canaria. Er gab sein Jurastudium zugunsten der Literatur auf. Seine Romane lassen sich einteilen in:
- Thesenromane: Präsentieren und verteidigen eine Idee (z. B. Marianela, Gloria, Doña Perfecta).
- Zeitgenössische spanische Romane: Fokus auf Madrid und eine korrupte Welt (z. B. Tristana, Realidad, Fortunata y Jacinta).
- Spirituelle Romane: Schlagen Liebe und christliche Nächstenliebe als Lösung für soziale Probleme vor (z. B. Misericordia, Ángel Guerra, El Abuelo).
Galdós strebt eine realistische Wiedergabe an; seine Sprache ist nüchtern und die Rede seiner Figuren wirkt natürlich.
Fortunata y Jacinta
Einer seiner beliebtesten Romane. Das zentrale Thema ist die Täuschung, eingebettet in historische und soziale Details. Das Werk besteht aus vier Teilen:
- Teil 1: Die Dreiecksbeziehung führt zur Schwangerschaft.
- Teil 2: Fortunata geht eine zweite Beziehung ein.
- Teil 3: Fortunata verlässt ihren Partner und versöhnt sich mit ihrem Ehemann.
- Teil 4: Fortunata stirbt, nachdem sie ihren Sohn an Jacinta übergeben hat.