Das Rolandslied: Ursprung, historischer Hintergrund und Legende
Zusammenfassung
Der Text stellt das Rolandslied vor, das altfranzösische Epos aus dem späten 11. Jahrhundert, und seinen Verfasser Turold. Er erklärt den Begriff Chanson de geste und die Gattung des Epos. Außerdem zeigt er, wie die historische Schlacht von Roncesvalles im Jahr 778 im Epos legendär verklärt wurde.
Kernpunkte
- Das Rolandslied ist ein altfranzösisches Epos aus dem späten 11. Jahrhundert und gilt als ältestes Epos Europas in einer romanischen Sprache.
- Die Oxforder Handschrift umfasst 4002 zehnsilbige Verse, verteilt auf 291 Laissen.
- Chansons de geste sind Epen für den öffentlichen Vortrag; das Wort „Geste“ leitet sich vom lateinischen gesta (Taten) ab.
- Historisch handelte es sich wohl um einen Hinterhalt auf Karls Rückzug am 15. August 778 in der Valcarlos-Schlucht.
- Im Epos wird aus Graf Roland ein Neffe Karls des Großen, und aus dem Hinterhalt ein Angriff von 400.000 Sarazenen.
Das Rolandslied (französisch: La Chanson de Roland) ist ein episches Gedicht, das aus mehreren hundert Versen besteht. Es wurde im späten 11. Jahrhundert in altfranzösischer Sprache verfasst und wird einem normannischen Mönch namens Turold zugeschrieben, dessen Name in der letzten, rätselhaften Zeile erscheint: „Ci falt la geste, que Turoldus declinet.“ Es ist jedoch unklar, welche Bedeutung das Verb „declinet“ in diesem Vers hat; es könnte „singen“, „komponieren“ oder vielleicht „transkribieren“ bzw. „kopieren“ bedeuten. Es ist das älteste Epos Europas, das in einer romanischen Sprache verfasst wurde. Der Text der sogenannten Oxforder Handschrift, die in anglo-normannischer Schrift (ca. 1170) vorliegt, besteht aus 4002 zehnsilbigen Versen, die auf 291 Strophen verteilt sind.
Die Chansons de geste
Als Chansons de geste werden Epen bezeichnet, die für den öffentlichen Vortrag bestimmt waren. Diese Rezitation erfolgte auf Basis einer oder mehrerer einfacher melodischer Phrasen. Das Wort „Geste“ leitet sich vom lateinischen gesta (Taten) ab. Es handelt sich also um Lieder über unvergessliche Heldentaten. Spanien und Frankreich besitzen eine reiche epische Tradition. Wie viele dieser epischen Gedichte ist auch das Rolandslied anonym überliefert.
Dieses Epos war eines der ersten, die in Europa entstanden. Viele weitere sollten folgen, wobei die Ereignisse von Roncesvalles oft im Vordergrund standen. Die Geschichte ist ein getreues Spiegelbild der ritterlichen Tugenden. Man nennt diese Strophen von ungleicher Länge Laissen (französisch: laisses).
Historische Ereignisse
Das Epos erzählt eine legendär verklärte Version der Schlacht von Roncesvalles, die historisch gesehen kaum mehr als ein Scharmützel war. Dabei standen baskische Stämme der Nachhut Karls des Großen gegenüber, die von Graf Roland, dem Präfekten der Bretonischen Mark, angeführt wurde. Es ist unklar, ob das Ausmaß des Zusammentreffens ausreicht, um es als Schlacht in den Ebenen von Roncesvalles oder Burguete zu bezeichnen.
Es ist wahrscheinlich, dass es sich um einen Hinterhalt auf Karls Heerzug am 15. August 778 in der Valcarlos-Schlucht am Nordhang der Pyrenäen handelte, gemäß den Daten aus Annalen und Chroniken des 9. Jahrhunderts. Zum Beispiel berichtet die Vita Karoli Magni von Einhard, eine lateinische Chronik der Herrschaft Karls des Großen, wie der junge König Karl (der noch nicht Kaiser Karl der Große war), verbündet mit einigen muslimischen Führern in deren internen Kämpfen, im Frühjahr 778 die Pyrenäen überquerte, die Stadt Pamplona einnahm und Saragossa belagerte.
Aufgrund eines Angriffs der Sachsen und eines Aufstands in Aquitanien musste er in sein Reich zurückkehren, brach die Belagerung ab, plünderte Pamplona und trat den Rückzug an. Als Vergeltung für die Plünderung der Stadt Pamplona wurde er daraufhin aus dem Hinterhalt von baskischen Bergbewohnern aus Navarra angegriffen.
Legendäre Transformation der Tatsachen
Das Rolandslied wurde tatsächlich erst etwa drei Jahrhunderte nach den Ereignissen verfasst. Dies war Zeit genug, um die Ereignisse zu verarbeiten: Roland, ursprünglich nur der Graf der Bretagne, wurde zum Neffen Kaiser Karls des Großen, der nun als Greis mit einem „weißen Bart“ dargestellt wird. Die Fakten wurden ausgeschmückt, um ihnen eine epische und heroische Dimension zu verleihen.
Der Protagonist Roland wird von einem fiktiven Freund namens Oliver begleitet. Aus dem Hinterhalt der Basken wurde ein Angriff von 400.000 Sarazenen – die einzige Niederlage Rolands und der zwölf Paladine (Pairs) von Frankreich, die zudem durch den Verrat des falschen Ganelon herbeigeführt wurde.
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Wer hat das Rolandslied verfasst?
Das Werk wird einem normannischen Mönch namens Turold zugeschrieben, dessen Name in der letzten Zeile erscheint. Die genaue Bedeutung des Verbs „declinet“ in diesem Vers ist jedoch unklar.
Was bedeutet der Begriff Chanson de geste?
Chansons de geste sind Epen, die für den öffentlichen Vortrag bestimmt waren und auf einfachen melodischen Phrasen beruhten. Der Begriff leitet sich vom lateinischen gesta (Taten) ab.
Was geschah historisch in Roncesvalles?
Die historische Begebenheit war wohl ein Hinterhalt baskischer Bergbewohner auf nach Hause ziehende Truppen Karls des Großen. Sie war historisch kaum mehr als ein Scharmützel.
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