Soziolinguistik: Grundlagen, Sprachgemeinschaft und Diglossie
Grundlagen der Soziolinguistik: Konzepte und Definitionen
1. Soziolinguistik: Definition und Fokus
Die Soziolinguistik befasst sich mit der Verwendung der Sprache im sozialen Kontext, d.h. mit den Bedingungen ihrer Existenz und ihrer Verbindung zur Gesellschaft.
2. Bereiche der Sprachverwendung (Ambit Nutzung)
Der Bereich der Sprachverwendung (Register oder Varietät) beschreibt, wo eine bestimmte Sprache oder Sprachsorte verwendet wird (z.B. Bildung, Familie, Justiz). Die Wahl des Registers hängt von vier Hauptfaktoren ab:
Faktoren der Sprachverwendung:
- Sprecher/Individuum: Alter, Bildungsniveau, Herkunft, Geschlecht.
- Situation und Empfänger: Formell oder informell.
- Thema: Täglich, technisch oder spezifisch.
- Intention: Ziel der Kommunikation.
3. Die Sprachgemeinschaft
Eine Sprachgemeinschaft besteht aus Mitgliedern, die mindestens eine gemeinsame Sprache oder linguistische Varietät sowie gemeinsame Regeln und Normen für deren korrekte Verwendung teilen. Sie muss nicht notwendigerweise mit einer ethnischen Gruppe, Religion, nationalen oder regionalen Ebene übereinstimmen. Das Bewusstsein für diese gemeinsamen Normen fördert jedoch den Zusammenhalt der Gemeinschaft.
Beispiele: Die balearische Varietät (Katalanisch) auf den Balearen; Spanisch in Andalusien.
4. Einsprachigkeit und Zweisprachigkeit (Bilingualismus)
Die **Zweisprachigkeit (Bilingualismus)** ist eine weit verbreitete Situation. Angesichts der Tatsache, dass es weltweit über 6000 Sprachen, aber nur etwa 200 Staaten gibt, existieren in vielen Ländern mehrere Sprachen nebeneinander.
Einsprachigkeit als seltene Situation
Die **Einsprachigkeit (Monolingualismus)** ist in vielen Teilen der Welt eine relativ seltene Situation (Beispiele: Portugal, Albanien, Island).
Soziale Zweisprachigkeit und Konfliktpotenzial
Soziale Zweisprachigkeit tritt auf, wenn eine Gesellschaft zwei Sprachen spricht, wobei die eigene Sprache der Sprecher im Gegensatz zur Sprache einer anderen sozialen Gruppe steht, die oft höheres Prestige genießt. Dies kann zu Situationen führen, die sprachlich bedingte Konflikte verursachen.
5. Diglossie: Zwei Definitionen
Die Diglossie beschreibt eine relativ stabile Situation in einer Sprachgemeinschaft, in der zwei Sprachvarietäten existieren, die klar voneinander getrennte Funktionen erfüllen:
- Definition 1: Eine standardisierte Varietät (Hochsprache, H) wird in der Literatur und formalen Kontexten verwendet, während die Dialekte oder die Umgangssprache (Niedrigsprache, L) im täglichen Gebrauch dominieren. Die Varietäten überschneiden sich kaum.
- Definition 2: Die Verwendung von zwei Sprachen in derselben Sprachgemeinschaft, wobei eine Sprache für formelle Funktionen (die sogenannte Hochsprache oder H-Varietät) und die andere Sprache informell (die Niedrigsprache oder L-Varietät) verwendet wird.