Spanische Literatur: Realismus, Schelmenroman und Barock
Der realistische Roman
Der realistische Roman entstand aus einem gesellschaftlichen Bedürfnis heraus als Reaktion auf den idealistischen Roman. Er bildet die Gesellschaft der damaligen Zeit ab, spiegelt reale Probleme wider und stellt Charaktere mit niedrigem sozialen Status in den Mittelpunkt. Die Handlung findet meist in Städten statt. Er dient sowohl der Unterhaltung als auch der gesellschaftlichen Kritik, wobei der Schelmenroman die repräsentativste Form darstellt.
Der Schelmenroman
Der Schelm (Pícaro) ist ein Charakter aus bescheidenen Verhältnissen, den Not und Hunger zur Kriminalität treiben. Die Erzählweise ist autobiographisch, verfolgt eine moralisierende Absicht und liefert einen kritischen Blick auf die Gesellschaft.
Das Barock: Historischer Hintergrund
Krise des politisch-sozialen Systems
- Politik: Absolute Monarchie; Regierungen liegen in den Händen von Günstlingen (Validos).
- Wirtschaft: Die unteren Klassen fliehen in die Städte, was zu einem Anstieg von Kriminalität und Bettelei führt.
- Soziales: Allgemeine Demoralisierung, geprägt von Pessimismus und Misstrauen.
Literatur im Goldenen Zeitalter (Siglo de Oro)
Dies ist eine künstlerisch glanzvolle Periode mit folgenden zentralen Themen:
- Liebe: Als schmerzliche Erfahrung.
- Moral und Philosophie: Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens.
- Soziologie: Die Situation des Augenblicks, Ungleichheit und das Elend der Menschheit.
Stilmerkmale des Barock
Der Stil ist künstlich und kompliziert:
- Culteranismo: Vorliebe für Schönheit und Form sowie der intensive Einsatz literarischer Mittel.
- Conceptismo: Fokus auf den Inhalt anstelle der äußeren Form.
Das Barock-Drama (Theater)
Dies ist die Zeit des maximalen Glanzes. Die Aufführungsorte waren ursprünglich die Corrales de Comedias (Innenhöfe von Häusern).
Die neue Komödie
Sie bricht mit der Strenge des klassischen Theaters, ahmt menschliche Handlungen nach, porträtiert Bräuche und richtet sich an alle Zielgruppen. Die Arbeit ist in drei Akte unterteilt:
- Akt I: Exposition (Ansatz)
- Akt II: Knotenpunkt (Konflikt)
- Akt III: Lösung (Ende)
Themen: Liebe und Ehre (Mischung aus Tragik und Komik).
Charaktere: Der Dandy (Galán), der Lustige (Gracioso) und die Dame (Dama).
Wichtige Autoren
- Lope de Vega: Der Hund im Garten (El perro del hortelano)
- Calderón de la Barca: Das Leben ist ein Traum
- Guillem de Castro: Die Jugend des Cid
Lyrik (Lírica)
Gekennzeichnet durch literarisches Genie und zwei Trends:
- Kultiviert: Entwicklung komplizierter Formen.
- Populär: Einfachheit und Klarheit.
Themen der kultivierten Lyrik
Kontraste zwischen Freude und Schmerz in der Liebe, Enttäuschung, eine kritische Sicht auf das Leben sowie Satire auf Gesellschaft und Politik. Auch Szenen der griechisch-römischen Mythologie sind zentral.
Culteranismo
Höchster Repräsentant: Luis de Góngora. Vorherrschaft der Form, Einsatz von Mythologie, Kultismen, Hyperbatons, Metaphern, breite Syntax und ausdrucksstarke Adjektive.
Conceptismo
Höchster Repräsentant: Francisco de Quevedo. Hier herrscht der Inhalt vor. Es wird eine syntaktische Prägnanz genutzt (Ellipsen), um mit wenigen Worten viel auszusagen. Einsatz von rhetorischen Figuren wie Wortspielen, Antithesen und Übertreibungen.
Populäre Lyrik
Dazu gehören Villancicos (Weihnachtslieder) sowie klare und einfache Letrillas.