Spanische Literatur der Renaissance: Lyrik und Romane
Artikel 15: Italienische Einflüsse in der Lyrik
Italienische Einflüsse: Juan Boscán führte italienische literarische Trends in die spanische Poesie ein. Er und sein Freund Garcilaso de la Vega übernahmen diese, was zu einer poetischen Revolution führte.
Einflüsse auf die neue Dichtung
Diese neue Dichtung wurde beeinflusst durch:
- Petrarchismus: Die Liebe zu ihr steht über allem; die Frau ist eine Attraktion, die den Liebenden ins Paradies führt.
- Baldassare Castiglione: Autor von „Der Höfling“ (das Idealbild des Mannes jener Zeit).
Metrik und Formen der Renaissance-Poesie
Versmaße: Endekasyllaben (Elf-Silbler) und Heptasyllaben (Sieben-Silbler). Es entstanden neue Strophenformen wie Terzinen, Sonette und die Lira.
Zentrale Themen der Lyrik
- Natur: Eine Umgebung, die geeignet ist, die Stimmung des Autors widerzuspiegeln.
- Mythologie: Genutzt als Umsetzung von Gefühlen.
- Topoi: Ubi sunt, Beatus ille (gesegnet jener), Carpe diem.
Punkt 16: Die Entwicklung des Romans
1. Der Roman in der Renaissance
Der Roman entwickelte sich während der Renaissance aus einer neuen bürgerlichen Mentalität heraus. Die Geschichten handelten fast immer von unglücklich Liebenden.
Merkmale des frühen Romans
- Die Zusammensetzung folgt nicht unbedingt festen Erzählformen.
- Einflüsse der Troubadourdichtung.
- Elemente der Predigt.
- Der Brief (Epistel) wurde zum ursprünglichen Kern des Romans.
Bücher des Rittertums: Amadís von Gallien
Diese Art von Geschichte pries die Ideale des Rittertums. Es erscheint ein tapferer Held, dessen einziges Motiv es war, den Hof zu verteidigen und seiner Dame zu dienen. Die Werke über Amadís von Gallien revitalisierten die Ritterromane, die man bereits zu kultivieren begonnen hatte.
Struktur und Handlung
Erzählt wird die Geschichte von Amadís, der nach der Geburt in einen Fluss geworfen und von einem Mann gerettet wurde. Als junger Mann begibt er sich auf die Suche nach seiner Herkunft und erlebt zahlreiche Abenteuer. Amadís verliebt sich in Oriana und sie haben einen Sohn namens Esplandián. Das Werk bestand ursprünglich aus den Büchern I und II, denen später ein drittes hinzugefügt wurde.
Hauptfigur und Stil
Hauptfigur: Prototyp des unbesiegbaren, ritterlichen und edlen Helden.
Stil: Elegante und höfische Prosa. Merkmale sind Klarheit, Schlichtheit (Llaneza) und eine Romanisierung der Syntax.
2. Lazarillo de Tormes
Struktur: Ein in Briefform geschriebener Roman, bestehend aus einem Prolog und sieben Traktaten.
Handlung: Lázaro schreibt seine Geschichte an „Eure Gnaden“. Er beginnt seine Erzählung bei seiner bescheidenen Herkunft. Er ist ein Kind ohne Vater und hat eine Mutter, die in wilder Ehe lebt. Man beobachtet die Entwicklung von einem naiven Kind zu einem Schelm, der ums Überleben kämpft. Während er seine Herren wechselt (den Blinden, den Erzpriester, den Kleriker, den Junker und den Priester), lernt er Bosheit kennen. Schließlich bekommt er Arbeit als Ausrufer und heiratet eine der Mägde des Erzpriesters. Er leidet unter ihrer Untreue, doch der Brief endet mit einem zynischen Blick auf seinen Zustand: Er behauptet, sein Glück gefunden zu haben, obwohl er seine Ehre verloren hat.
3. Der Schäferroman (Novela Pastoril)
Solche Romane erreichten ihren Höhepunkt, wurden aber nicht so populär wie andere Genres.
Hintergrund und Raum
Der Raum ist idealisiert als Arkadien dargestellt – ein zeitloser Ort ohne geschäftliches Treiben, in dem sich die Bürger zurückziehen konnten.
Merkmale der Gattung
- Roman mit poetischen Funktionen.
- Die Protagonisten sind „falsche Hirten“, deren Liebe stets ehrbar (onesto) ist.
- Die Landschaft ist schön und friedlich (Thema des Locus amoenus).
- Häufiges Eingreifen mythologischer Figuren.
- Die Prosa ist elegant und von hoher Lyrik geprägt.
4. Der byzantinische Abenteuerroman
Diese Romane (auch Pilgerromane genannt) erzählen eine Abfolge von Abenteuern, die mit dem freudigen Wiedersehen der Liebenden enden.
5. Der Schelmenroman (Novela Picaresca)
Der Schelmenroman weist die folgenden Eigenschaften auf:
- Ein Antiheld als Protagonist.
- Autobiographische Form.
- Offene Struktur.
- Determinismus.
- Einsatz technischer Letztbegründung, satirischer Charakter und Realismus.