Spanische Literatur: Schelmenroman und Mester de Clerecía

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Merkmale der Novela Picaresca (Schelmenroman)

  • 1. Der Protagonist: Ein Schelm (Pícaro) von sehr niedrigem sozialem Rang oder niederer Herkunft, oft Nachkomme von Eltern ohne Ehre.
  • 2. Autobiografisch: Die Erzählung erfolgt in der Ich-Perspektive.
  • 3. Der Antiheld: Ein Charakter, der oft scheitert und als Schurke agiert.
  • 4. Ideologie: Eine moralisierende und pessimistische Grundhaltung.
  • 5. Struktur: Eine ambulante, episodische Struktur mit satirischer Absicht.
  • 6. Stilmittel: Realismus bis hin zum Naturalismus.
  • 7. Erzählform: Narration in der 1. Person.
  • 8. Sozialer Status: Die Klasse des Schelms steigt im Verlauf der Handlung nicht auf.

Lazarillo de Tormes

Dieses anonyme Werk gilt als der grundlegende Schelmenroman. Die Handlung folgt Lázaro, einem Kind, das beginnt, verschiedenen Herren zu dienen. Durch diese Dienste und seine besonderen Erfahrungen durchläuft er einen Lernprozess.

Thema und Struktur

Das Werk besteht aus einem Prolog und sieben Traktaten. Das Buch ist autobiografisch aufgebaut; obwohl es eine Folge von Episoden präsentiert, bildet die Arbeit eine bauliche Einheit.

Themen und Gesellschaftskritik

  • 1. Das Leben des Protagonisten: Resultiert in mehreren Episoden, die oft den Betrug (Engaño) in den Mittelpunkt stellen.
  • 2. Religiöses Motiv: Ein konstantes Motiv ist die subtile Kritik an der Geistlichkeit und falscher Religiosität, was eine erasmistische Haltung widerspiegelt.
  • 3. Das Thema der Ehre: Dieses Motiv zieht sich durch den gesamten Roman.

Stil und Sprache

Der Stil dieses Romans zeichnet sich durch Realismus, lebendige Sprache und die Verwendung populärer, umgangssprachlicher Ausdrücke aus. Dies verleiht der Erzählung Plausibilität. Zudem nutzt der Autor geschickt die Ironie, um den kritischen Blick und die Einstellungen von Lázaro gegenüber verschiedenen Charakteren und Situationen zu erfassen.

Werke von Miguel de Cervantes

La Galatea

Ein Werk des pastoralen Roman-Genres, das großes Ansehen erlangte und seit der Veröffentlichung durch Jorge de Montemayor die Gunst der Leser genoss.

Novelas ejemplares (Beispielhafte Novellen)

Es handelt sich um zwölf Erzählungen, in denen Cervantes verschiedene Themen entwickelt: Untreue, Eifersucht, Liebe, die Sehschärfe des Wahnsinns sowie Kritik an sozialen Sitten und Charakteren, teils angelehnt an den Schelmenroman.

Die Arbeiten von Persiles und Sigismunda

Dieses Werk ist nach dem Vorbild der fantastischen byzantinischen Romantik gestaltet und handelt von Liebe, Abenteuern und Gefahren.

Mester de Clerecía (Gelehrten-Dichtung)

Ab dem 13. Jahrhundert entstand eine neue Strömung gebildeter und schriftlich fixierter Dichtung, bekannt als Mester de Clerecía, was den Beruf der Geistlichkeit bezeichnet.

Clerecía vs. Minnesang (Mester de Juglaría)

  • 1. Ästhetik: Bewusstsein und Freiwilligkeit für eine kultivierte Ästhetik; im Gegensatz dazu hielten sich Spielleute nicht an feste Regeln oder ästhetische Normen.
  • 2. Inspiration: Religiöse Themen dienen als Haupteinfluss.
  • 3. Autoren: Gelehrte Schriftsteller (Kulte) gegenüber den Spielleuten mit spärlicher Bildung.
  • 4. Metrik: Verwendung einer festen Reimform mit gleicher Silbenanzahl (Cuaderna Vía), während die Versmaße in der Spielmannsdichtung oft unregelmäßig waren.
  • 5. Vortragsart: Diese Werke wurden primär schriftlich verfasst, während Spielmannsdichtung zum Singen und mündlichen Vortrag bestimmt war.

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