Spanisches Theater und Roman: Von der Nachkriegszeit bis heute

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Das Straßentheater

In der Endphase der 1970er Jahre entstand ein Theater, das sich von traditionellen Darstellungsformen löste und Orte wählte, an denen der Text in den Hintergrund trat. Zu dieser Zeit bildete sich eine Vielzahl nicht-kommerzieller und freier Theatergruppen. Das Theater wurde als Schauspiel konzipiert, in dem der literarische Text zweitrangig war. Die Charaktere blieben skizzenhaft und die dramatische Handlung unspezifisch. Es dominierte eine allegorische, abstrakte und symbolische Sprache. Zudem zielte das Theater auf die Interaktion mit dem Publikum ab, wodurch der Zuschauer selbst zum Akteur wurde.

Wichtige Theatergruppen

  • Joglars: Eine katalanische Gruppe, die das sogenannte „Schwellentheater“ praktiziert, bei dem die theatralische Geste durch Aktionen oder Worte entwickelt wird.
  • Els Comediants: Ein Ensemble aus Schauspielern, Musikern und Künstlern, das die festlichen Wurzeln des Theaters wiederbeleben möchte. Hier steht die Einbindung des Zuschauers im Vordergrund.
  • Dagoll Dagom: Eine katalanische Gruppe, die sich dem Theater aus einer poetischen Perspektive nähert, wobei Inszenierung und Musik eine zentrale Rolle spielen.
  • Weitere Gruppen: Tricicle und La Fura dels Baus.

Der spanische Roman der Nachkriegszeit

Die 1940er Jahre: Der „Tremendismo“

Nach dem Krieg schloss Spanien seine Grenzen für neue europäische literarische Strömungen. Der Roman entwickelte sich zur häufigsten Gattung. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen:

  • Traditionelle Autoren: Sie schrieben nach den Regeln der Meister wie Benito Pérez Galdós, ohne thematische oder technische Innovationen.
  • Innovative Autoren: Sie distanzierten sich vom klassischen Realismus und schrieben mit einem Ton existenzieller Verzweiflung. Unter dem Druck der Zensur thematisierten sie das Elend und die Missstände des Landes. Ihre Geschichten zeichnen sich durch gewalttätige und skatologische Themen aus. Da ihre Werke beim Leser ein Gefühl der Beklemmung erzeugten, wurden diese Romane als „Tremendismo“ (Panikmache) bezeichnet.

Vertreter des Tremendismo

  • Camilo José Cela: Begann mit „Die Familie des Pascual Duarte“. Später veröffentlichte er „Der Bienenkorb“, eine Geschichte über das Volk von Madrid nach dem Krieg. Für sein umfangreiches Werk erhielt er den Nobelpreis.
  • Carmen Laforet: Gewann die erste Ausgabe des Premio Nadal mit dem Roman „Nada“, der die Ankunft von Andrea in Barcelona und ihre persönliche Reifung schildert.
  • Miguel Delibes: Bekannt für den „tremendistischen“ Roman „Der Schatten des Zypressenbaums ist lang“.
  • Gonzalo Torrente Ballester: Verbindet Tradition und Experiment in Werken wie „Die Freuden und Schatten“.

Die 1950er Jahre: Sozialer Realismus

In den 1950er Jahren begann in Spanien eine Verschiebung hin zum sozialen Realismus mit folgenden Merkmalen:

  • Offene Struktur: Eine neue Art zu erzählen, die Raum und Zeit erschütterte.
  • Kollektiver Protagonist: Eine Gruppe von Charakteren, die ein unbestimmtes Ganzes bilden.
  • Spanische Realität: Die Autoren verpflichteten sich, die Wirklichkeit unverfälscht darzustellen.
  • Erneuerung der Techniken: Einfluss durch den italienischen Neorealismus und den amerikanischen Roman.

Strömungen des sozialen Realismus

  • Objektivismus (Neorealismus): Der Romancier fungiert wie eine Filmkamera und bildet die Realität objektiv ab. Ein Höhepunkt ist „Jarama“ von Rafael Sánchez Ferlosio.
  • Kritischer Realismus: Der Schriftsteller versucht, das Gewissen zu rühren und soziale Ungerechtigkeiten anzuprangern (z. B. Juan Goytisolo mit „Duel in das Paradies“).

Die 1960er Jahre: Der experimentelle Roman

Autoren suchten nach neuen Ausdrucksformen, da sie des sozialen Realismus überdrüssig waren. Merkmale des experimentellen Romans:

  • Zusammenbruch der linearen Erzählung.
  • Einsatz von inneren Monologen.
  • Änderung der Zeichensetzungsregeln und Einbeziehung von Fachsprachen.
  • Der Charakter verkörpert den Kampf des Individuums gegen die Gesellschaft.

„Tiempo de silencio“ von Luis Martín-Santos markierte den Wendepunkt. Auch Miguel Delibes und Camilo José Cela entwickelten in dieser Zeit innovative Erzählformen.

Zeitgenössische Theaterautoren

  • Francisco Nieva: Sein Theater sucht nach neuen Formen, unterteilt in „Farce“ und „Unglück“.
  • Fernando Fernán Gómez: Sein Werk „Fahrräder sind für den Sommer“ ist eine Hommage an die Schriftsteller der Nachkriegszeit.
  • José Sanchis Sinisterra: Sieht Theater als offenes Feld, um gesellschaftliche Fragen zu stellen (z. B. „Ay, Carmela“).
  • José Luis Alonso de Santos: Behandelt die Realitäten der heutigen Welt mit Humor (z. B. „Bajarse al moro“).

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