Struktur und Arten kriminologischer Protokolle
Struktur eines kriminologischen Protokolls
Ein kriminologisches Protokoll gliedert sich in fünf wesentliche Phasen:
1. Bedarfsanalyse (Demand)
Zunächst muss der Auftraggeber identifiziert werden. Da Anforderungen oft nicht explizit formuliert sind, muss der tatsächliche Bedarf ermittelt werden. Nach der Klärung erfolgt die schriftliche Fixierung, um die Art des Berichts (Begründung, Prävention, Prognose oder Bewertung) festzulegen.
2. Methodik und Instrumente
In diesem Abschnitt werden die verwendeten Methoden und Instrumente zur Datengewinnung dargelegt. Dazu gehören Statistiken, Analysen des urbanen Designs, Gruppendiskussionen, Interviews oder Viktimisierungsumfragen.
3. Quellen
Hier werden alle verwendeten Quellen – wie Fachbücher, wissenschaftliche Artikel und Berichte – korrekt zitiert und dokumentiert.
4. Kriminologische Bewertung
Dies ist der Kern des Berichts. Alle kriminologischen Überlegungen, die Ergebnisse der angewandten Methoden und die Fachliteratur werden hier zusammengeführt. Ziel ist es, die Theorie auf den Einzelfall anzuwenden, um Erklärungen, Prognosen oder präventive Maßnahmen abzuleiten.
5. Schlussfolgerungen
Der Kriminologe antwortet hier direkt auf die eingangs identifizierten Anforderungen. Es erfolgt keine Wiederholung der vorherigen Ausführungen, sondern eine präzise Beantwortung der expliziten und impliziten Fragestellungen auf Basis der Bewertung.
Arten kriminologischer Protokolle
Das kriminologische Protokoll dient als wissenschaftliches Instrument zur Untersuchung von Verbrechen, Tätern, Opfern und sozialer Kontrolle. Die Funktionen können je nach Bedarf variieren:
- a) Erläuterung: Wissenschaftlich fundierte Analyse des Ereignisses (Was ist passiert? Warum ist es passiert? Welche Faktoren haben dazu beigetragen?).
- b) Prognose: Vorhersage der Entwicklung eines Phänomens oder menschlichen Verhaltens auf Basis konsolidierter Theorien und empirischer Daten.
- c) Prävention: Entwicklung wissenschaftlich fundierter Maßnahmen oder Programme zur Lösung oder Vermeidung sozialer Konflikte.
- d) Bewertung: Analyse der Effektivität und Effizienz von Maßnahmen, Programmen oder Gesetzen, um deren Erfolg zu messen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.