Die Generation von 98: Führende Köpfe der spanischen Literatur
Miguel de Unamuno: Der große Essayist
Miguel de Unamuno, ein bedeutender Essayist, hebt in seinem Werk zwei zentrale Anliegen hervor: die Sorge um Spanien, wobei er das Wesen der spanischen Seele und ihre geistige Entwicklung hin zum Existenzialismus analysiert, sowie den Konflikt zwischen Vernunft und Glauben. Er strebte danach, die Erzähltechnik zu erneuern, und nannte seine wichtigste literarische Form „Nivolas“. Ein herausragendes Werk ist „San Manuel Bueno, Märtyrer“.
Antonio Machado: Lyrik und Melancholie
Antonio Machado wurde in Sevilla geboren und lehrte später in Soria. Er heiratete Leonor, die jedoch drei Jahre später verstarb. Machado lebte im Exil und starb schließlich in Frankreich. Sein erstes Buch war typischerweise modernistisch geprägt. In seinen Werken überwiegt ein melancholischer Ton; die Themen sind charakteristisch für die Intimität der Moderne. Ein wesentliches Merkmal ist die Verwendung von Symbolen.
Im Jahr 1907 veröffentlichte er mit vielen Änderungen „Soledades. Galerías. Otros poemas“. Hier betont er die enge Linie von Erinnerung, Gedächtnis und Schlaf, die ständig eine verlorene Vergangenheit beschwören. Sichtbar wird zudem ein Gefühl der Angst, sowohl vor dem unaufhaltsamen Fluss der Zeit als auch die Vorahnung des Todes.
Im Jahre 1912 erschien zum ersten Mal „Campos de Castilla“. Der Modernismus mildert sich hier ab; er beschreibt reale Landschaften, die mit menschlichen Schicksalen oder historischen Anspielungen gefüllt sind. In „Campos de Castilla“ existieren sehr unterschiedliche Gedichte. Er beschreibt reichhaltig das Land und die Menschen in Kastilien und hebt den Kontrast zwischen der glorreichen Vergangenheit dieses Landes und seiner kämpfenden Gegenwart hervor. Nach dem Tod von Leonor erinnert sich Machado von Baeza aus an die kastilischen Lande; seine Vision wird emotionaler und die Landschaft ist stärker von Subjektivität gefärbt. Im Jahre 1924 erschien sein letztes Gedichtbuch, „Nuevas canciones“.
Pío Baroja: Der existenzielle Roman
Für Pío Baroja ist der Roman ein literarisches Stück, das absolut alles enthalten kann. So finden wir in seinen Texten philosophische und politische Schlussfolgerungen, Humor, Abenteuer und harte Gesellschaftskritik. Die Handlung in Barojas Romanen folgt oft der existenziellen Entwicklung einer einzigen Hauptfigur, wie in „Der Baum der Erkenntnis“ (El árbol de la ciencia).
Die primäre Struktur ist einfach, geprägt durch das Fehlen von Konflikten sowie reichliche Dialoge und Beschreibungen. Die Charaktere, wie etwa Andrés Hurtado, sind meist zum Scheitern verurteilt. Wie der Autor selbst sind die Protagonisten Barojas oft misogyn, antiklerikal und anarchistisch eingestellt. Sein Stil ist kurz, klar und präzise.
Azorín: Essayistik und die Suche nach der Zeit
Die literarische Produktion von Azorín gliedert sich vor allem in zwei große Abschnitte: den Essay und den Roman. Als Essayist widmet er der Landschaft Spaniens besondere Aufmerksamkeit, getrieben von seiner Obsession für die Suche nach der Zeit und der Vergänglichkeit des Lebens, geprägt von einem melancholischen und nostalgischen Temperament. Sein Stil zeichnet sich durch detaillierte Beschreibungen und einen knappen, schlichten Satzbau aus.
Valle-Inclán: Originalität und das Esperpento
Die exzentrische Persönlichkeit des Autors spiegelt sich in seinen Schriften wider, die durch Originalität und Theatralik gekennzeichnet sind. Seine Produktion ist beträchtlich und vielfältig: Romane, Erzählungen und Gedichte. Vor allem aber zeichnet er sich im Theater aus, in dem er eine Entwicklung vollzog, die von der bürgerlichen Ästhetik bis zur Erneuerung durch das Esperpento reicht.
Das Esperpento ist eine Möglichkeit, die Welt zu sehen, indem die Realität verzerrt wird, um das wahre Bild dahinter zu enthüllen. Dazu verwendet er Parodien, vermenschlicht Tiere und animalisiert Menschen. Den Charakteren fehlt es an Menschlichkeit; sie erscheinen wie Marionetten oder „Fantoches“. Ein Beispiel für dieses Schaffen ist das Werk „Glanz der Bohème“ (Luces de Bohemia).