Grundlagen der Ethik, Erkenntnistheorie und Wissenschaft

Philosophie und Ethik4,15 KB

Klassifikation der Verantwortung nach Aristoteles

Nach Aristoteles gibt es drei Arten von Handlungen:

  • Gemischte Handlungen (Mixtas): Werden aus Angst vor einem größeren Übel begangen.
  • Handlungen aus Unwissenheit (Culpable): Man hat die Mittel, sich zu informieren, unterlässt dies jedoch aus eigener Entscheidung.
  • Freiwillige Handlungen (Puras): Das Subjekt handelt mit der bewussten Absicht, ein Ziel zu erreichen.

Unterschiede zwischen Ethik und Moral

Moral (von lat. mos, moris = Sitte) ist die Reihe von Standards oder Anforderungen an das Verhalten von Menschen. Sie bestimmt, was sein sollte.

Ethik (vom griechischen ethos = Gewohnheit) ist die philosophische Reflexion über die Moral. Wie Schopenhauer sagte: „Moral ist einfach zu lehren, wie schwierig es ist, sie zu begründen.“

Moralischer Relativismus

Der Relativismus leugnet universelle Werte und behauptet, dass moralische Grundsätze nur innerhalb spezifischer Gruppen gelten. Formen des Relativismus:

  • Kultureller Relativismus: Abhängig von verschiedenen Kulturen.
  • Kontextualismus: Eine Handlung ist nur im jeweiligen Kontext beurteilbar.
  • Ethnozentrismus: Rechtfertigung nur gegenüber jenen, die den eigenen Lebensstil teilen.
  • Skepsis: Unmöglichkeit, objektiv zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.
  • Subjektivismus: Die Wahrheit ist individuell und nicht universell übertragbar.
  • Emotivismus: Werturteile sind Ausdruck von Emotionen, um andere zu überzeugen.

Kohlbergs Theorie der moralischen Entwicklung

Kohlberg identifiziert drei Ebenen der moralischen Entwicklung:

  • Level I: Präkonventionelle Moral (4–10 Jahre): Gehorsam durch Strafe; Streben nach persönlicher Bereicherung.
  • Level II: Konventionelle Moral (10–13 Jahre): „Guter Junge/braves Mädchen“-Orientierung; „Law and Order“.
  • Level III: Postkonventionelle Moral (ab 13 Jahren): Gesellschaftsvertrag; universelle ethische Prinzipien.

Epikureismus vs. Utilitarismus

Der Epikureismus sucht nach nachhaltigen, intensiven Freuden. Der Utilitarismus (Bentham, Mill) strebt nach dem größten Glück für die größte Zahl. Während Bentham alle Freuden gleichsetzt, unterscheidet Mill zwischen geistigen und körperlichen Genüssen.

Kants Ethik

Kants Kritik an materialen Ethiken: Sie sind empirisch, hypothetisch und heteronom. Seine formale Ethik basiert auf der Verallgemeinerbarkeit einer Maxime. Zentrale Begriffe sind die Pflicht um der Pflicht willen und der kategorische Imperativ.

Axiologie: Die Lehre der Werte

Werte sind positiv oder negativ und in einer Hierarchie angeordnet. Das sittlich Gute ist die Entscheidung für einen höheren Wert gegenüber einem niedrigeren.

Wissenschaftstheorie nach Kuhn

Wissenschaft schreitet nicht kumulativ voran, sondern durch wissenschaftliche Revolutionen, bei denen ein altes Paradigma durch ein neues, inkompatibles ersetzt wird.

Erkenntnistheorie: Ist Erkenntnis möglich?

  • Dogmatismus: Die Wirklichkeit ist direkt erkennbar.
  • Skepsis: Zuverlässiges Wissen ist unmöglich.
  • Subjektivismus/Relativismus: Wahrheit hängt von Kultur oder Individuum ab.
  • Pragmatismus: Wahr ist, was nützlich ist.
  • Kritizismus (Kant): Wissen ist möglich, aber durch kognitive Fähigkeiten begrenzt.
  • Perspektivismus (Ortega y Gasset): Wahrheit entsteht durch die Kombination verschiedener Perspektiven.

Die hypothetisch-deduktive Methode

Die wissenschaftliche Methode umfasst: Beobachtung, Hypothesenbildung, mathematische Ableitung, experimentelle Überprüfung, Gesetzesbildung und Theoriebildung.

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