Grundlagen der Politikwissenschaft: Methoden und Theorien
Definition der Politikwissenschaft nach Bobbio
Nach Norberto Bobbio ist die Politikwissenschaft im Wesentlichen die Untersuchung von politischen Phänomenen und/oder Strukturen. Sie wird mit wissenschaftlicher Strenge durchgeführt, gestützt auf eine umfassende Überprüfung des Sachverhalts und entwickelt auf der Grundlage rationaler Argumente.
Kriterien für Wissenschaftlichkeit
Laut Bobbio müssen drei Elemente erfüllt sein, damit die Untersuchung als Wissenschaft gelten kann:
- Die Ausrichtung der Studie.
- Der Fokus auf politische Phänomene (insbesondere Macht).
- Die Verwendung einer einheitlichen, kohärenten und verständlichen Methodik.
Grundlegende Komponenten der Politikwissenschaft
- Typologien: Dienen der Klassifizierung und Beschreibung politischer Phänomene und Ereignisse in Kategorien.
- Verallgemeinerungen: Entstehen durch den Vergleich von Gruppen, um Regelmäßigkeiten festzustellen.
- Allgemeine Theorien: Erklären die untersuchten Phänomene umfassend und bieten einen allgemeinen konzeptionellen Rahmen für das Verständnis politischer Ereignisse.
Sartoris Perspektive und historische Entwicklung
Nach Giovanni Sartori beschränkt sich das Studium der Politik nicht auf Empirie oder Philosophie, sondern zielt auf die Anwendbarkeit ab, um „eingreifen zu können“.
Historisch gesehen verband die Politikwissenschaft das Theoretische zunächst nicht mit dem Empirischen, sondern war an das Naturrecht gebunden.
Etappen einer politischen Studie
- Klassifikation der Daten
- Entwicklung von Verallgemeinerungen
- Ausarbeitung allgemeiner Konzepte
- Vorschlag von Theorien
Wichtige Denker und ihre Beiträge
- Hobbes: Naturrecht
- Aristoteles: Vergleich von Verfassungen
- Machiavelli: Konzeption des Machtsystems
- Max Weber: Staatsmacht
- Karl Marx: Natur von Konflikt und Wandel
Ziele der Politikwissenschaft
- Theoretische Erklärung
- Praktische Anwendung und Vorhersage
Paradigmen, Theorien und Inhalte
Paradigmen
- Klassisch
- Kritisch
- Modern
Theorien
- Systemtheorie
- Kulturtheorie
- Entwicklungstheorie
- Klassen- und Konfliktforschung
Zentrale Themen
- Ethik
- Gleichheit
- Freiheit
Forschungsmethoden und Ansätze
- Systematischer Ansatz
- Psychoanalyse
- Evolutionismus
- Historismus
- Politische Modernisierung und Entwicklung
- Strukturalismus
- Religionssoziologischer Ansatz
Was ist der Zweck der Politikwissenschaft?
Ihr Zweck ist es, politische Phänomene zu erklären und neues Wissen zu schaffen.
Die wissenschaftliche Methode in der Politik
Zusammensetzung der Wissenschaft
- Wissenschaftliche Theorien: Sie müssen überprüfbar, falsifizierbar (fehlbar), erklärend, wiederholbar und von allgemeiner Gültigkeit sein.
- Wissenschaftliche Methode
Formel: Wissenschaft = Theorie + Erfahrung
Schritte der wissenschaftlichen Methode
Theoretische Schritte
- Auswahl des Untersuchungsobjekts
- Formulierung des Problems
- Aufstellung der Hypothese
Praktische Schritte
- Datensammlung
- Datenanalyse
- Schlussfolgerungen
Alternativer Ablauf der wissenschaftlichen Methode
- Beobachtung
- Verallgemeinerung
- Hypothesenbildung
- Versuch der Überprüfung der Hypothese
- Bestätigung oder Widerlegung der Hypothese
- Erwerb von neuem Wissen
Poppers Methodologie (Falsifikationismus)
a) Deduktion: Aus einer Hypothese werden durch logische Deduktion immer spezifischere Aussagen abgeleitet. Ziel ist es, diese empirisch zu isolieren und zu überprüfen (Falsifizierungsversuch).
b) Überprüfung: Die abgeleiteten Behauptungen müssen auf die Probe gestellt werden, um die Hypothese zu überprüfen und potenziell zu widerlegen (falsifizieren).
Merkmale der politikwissenschaftlichen Methode
- Sachlichkeit: Sie ist faktenbasiert.
- Verallgemeinerung: Sie geht über den Einzelfall hinaus.
- Fortschrittlichkeit: Sie ist selbstkorrigierend und progressiv.
- Präzision: Sie zeichnet sich durch Genauigkeit in der Verarbeitung aus.
- Allgemeingültigkeit: Ihre Formulierungen streben nach Verallgemeinerung.
- Zweckorientierung: Sie verfolgt einen klaren Zweck.
Elemente der Methode
Ein zentrales Element ist das Konzeptsystem. Konzepte sind Abstraktionen oder theoretische Konstrukte.
Die Rolle der Hypothese
Eine Hypothese ist ein Erklärungsversuch in Form einer plausiblen Annahme, die bewiesen oder widerlegt werden soll.
Eigenschaften einer guten Hypothese
- Sie sollte allgemeingültig sein, aber auch die Spezifizierung auf konkrete politische Details ermöglichen.
- Sie muss überprüfbar und falsifizierbar (widerlegbar) sein.
- Sie muss sich auf einen bestehenden theoretischen Rahmen beziehen.
- Sie muss operationalisierbar (funktional) sein.
Klassifikation von Hypothesen
- Nach ihrem Geltungsbereich: z. B. Generalisierungen.
- Nach ihrer Funktion: z. B. allgemeine/zentrale, private, alternative Hypothesen.
- Nach dem zeitlichen Bezug: z. B. Post-facto (nachträglich), Ante-facto (vorab).
- Nach ihrem Inhalt: z. B. empirische Gleichförmigkeiten, komplexe Idealtypen, Beziehungen zwischen Variablen.
Arten von Definitionen
- Deskriptiv (beschreibend): Beschreibt den Gegenstand.
- Explikativ (erklärend): Erklärt den Zweck.
- Stipulativ (festlegend): Definiert den Zweck für eine bestimmte Untersuchung.
- Essentialistisch: Definiert die wesentliche Natur des Objekts.