Ortega y Gasset: Philosophie des Perspektivismus
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Ortega y Gasset und das Problem Spaniens
Im Objektivismus sieht Ortega das zentrale Problem Spaniens. In diesem Zusammenhang stellt er die objektivistische Lehre auf: Der spanische Rückgang ist schlicht und einfach ein Mangel an Wissenschaft und eine Benachteiligung der Theorie.
Circunstancialismo: Die Meditationen über den Quijote
In seinen Meditationen über den Quijote entdeckt Ortega grundlegende philosophische Gedanken über die Umstände (Circunstancialismo). Zwei wesentliche Faktoren haben die westliche Kultur geprägt: die griechische Philosophie und die jüdisch-christliche Tradition. Die Entdeckung Ortegas geht über diese beiden Umstände hinaus. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf lokale Umstände, die oft unbemerkt bleiben, und wendet die philosophische Analyse auf Fragen an, die in der philosophischen Reflexion selten vorkommen.
Die Lehre des Perspektivismus
Der Perspektivismus, formuliert in den Meditationen über den Quijote, basiert auf dieser Idee: Wenn die Grundlagen das Selbst und die Umstände sind, ist die Sicht des Einzelnen der einzige Punkt, von dem aus man die Welt in ihrer Wahrheit betrachten kann. Die individuelle Perspektive ist der einzige Weg, die Wahrheit zu erfahren. Mit der Lehre des Perspektivismus will Ortega Skepsis und Rationalismus überwinden.
Ratio-Vitalismus: Leben und Vernunft
Der Ratio-Vitalismus prüft die zwei wichtigsten Perspektiven für den Menschen: das Leben und die Vernunft. Mit der „entscheidenden Vernunft“ vermeidet Ortega es, die vitalistischen Philosophen zu diskreditieren, indem er die Vernunft dem Leben unterordnet.
Realismus versus Idealismus
- Realismus: Er gibt den Dingen den Primat sowie die Unabhängigkeit und die Fähigkeit zur Durchsetzung gegenüber dem Menschen.
- Idealismus: Hier wird das menschliche Subjekt zum entscheidenden Grund in der Beziehung zwischen Mensch und Welt.
Für Ortega liegt die wahre Authentizität im Selbst und im Umgang mit den Dingen. Das Leben ist die letzte Wirklichkeit und das absolute Ereignis; alles andere muss einen Sinn ergeben, um Teil dieses Ganzen zu sein.
Die Struktur des Lebens
Das Leben ist eine ständige Hier-und-Jetzt-Erfahrung. Alles Leben ist die Summe eines Ichs im Zusammensein mit den Dingen. Leben bedeutet immer, etwas zu tun.
Der Umstand
Der materielle Umstand ist die Menge der Dinge, die mich umgeben. Es sind jedoch nicht die Dinge an sich, sondern die Dinge in Bezug auf mich. Dieser Zustand ist für mich ein reines System von Erleichterungen und Schwierigkeiten. Sogar der Körper ist ein Umstand für mich, insofern ich einen Körper bewohne, ihn aber nicht rein bin.
Das Selbst (Ich)
Ich möchte dieses oder jenes gewinnen oder werden. Ich bin ein eminent wichtiges Vorhaben für mich selbst. Dem Selbst fehlt ein natürliches Projekt; es ist der Wunsch, etwas zu sein, mit dem man sich auto-identifiziert.
Die Notwendigkeit zu wissen
Zu leben ist kein bloßer Grund, sondern die unerbittliche Tatsache, sich identifizieren zu müssen. Der Mensch denkt nicht aus ungelenkter Neugier oder Bewunderung; er besteht aus dem, was er ist und was er braucht. Er widmet sich dem Verstehen, weil ihm etwas fehlt, das dringend notwendig ist. Das Wissen entspringt der Notwendigkeit zu wissen.
Ideen und Überzeugungen
Ideen: Diese Gedanken kommen zu uns; wir können sie analysieren, übernehmen oder imitieren. Zuerst lebe ich, dann kann ich an einer Idee festhalten. Die Idee schmiedet das, was ich erlebe, als meine Interpretation. Eine Idee existiert nur, solange wir sie denken.
Annahmen (Überzeugungen): Der Mensch nutzt seinen Glauben, um zu leben. Es ist ein mentales Bild, das uns prägt. Jeder Glaube ist ursprünglich eine Idee, die sich kollektiv ausgebreitet hat und auf die Nachkommen übertragen wurde.
Zweifel: Der Zweifel entsteht, wenn man den Glauben an eine Überzeugung verloren hat. Er tritt nur auf, wenn man zuvor an etwas geglaubt hat oder eine Idee besitzt.
Das Leben als Mission und Wahl
Das Leben ist eine ständige Auswahl dessen, was wir als Nächstes tun. Die Wahl hängt davon ab, wer wir entschieden haben zu sein. Wir sind frei, weil jeder sein Leben selbst baut. Das menschliche Leben ist ein ständiges „Tun“. Vor einer Wahl zu stehen bedeutet zu entscheiden, was getan werden soll, und letztlich ein Selbst zu wählen – ein wichtiges Vorhaben, das mit allen Konsequenzen durchgeführt werden muss.