Habermas: Lebenswelt und System, kommunikatives Handeln und die vier Handlungskonzepte
Zusammenfassung
Der Text erläutert Habermas' Gesellschaftstheorie, die Gesellschaft als Zusammenspiel von Lebenswelt (materielle Rationalität) und System (formale Rationalität) analysiert. Behandelt werden kommunikatives, instrumentelles und strategisches Handeln, die Universalpragmatik sowie die vier Grundformen des Handelns. Lernende erfahren, wie Habermas soziologische Handlungskonzepte systematisiert und warum kommunikative Rationalität heute unter Druck steht.
Kernpunkte
- Habermas unterscheidet die Lebenswelt (interne Perspektive der Akteure) und das System (externe Perspektive, z. B. Bürokratie und Technik).
- Kommunikatives Handeln ist eine durch Symbole vermittelte Interaktion, die auf intersubjektiv anerkannten Normen beruht.
- Arbeit definiert Habermas als Mittel-Zweck-Aktion; er unterscheidet instrumentelles Handeln (technische Umsetzung) und strategisches Handeln (Rational Choice).
- In der kapitalistischen Gesellschaft weiten sich die Teilsysteme des instrumentellen Handelns, besonders die Wirtschaft, zunehmend aus.
- Habermas reduziert die Vielzahl soziologischer Handlungskonzepte auf vier Grundformen: teleologisch, normgeregelt, dramaturgisch und kommunikativ.
- Die Universalpragmatik soll die sprachlichen Voraussetzungen kommunikativer Vernunft aufzeigen.
Zusammenfassung: Habermas' Gesellschaftstheorie
Habermas schlägt ein Modell vor, um die Gesellschaft als zwei Formen von Rationalität zu analysieren: die materielle Rationalität der Lebenswelt und die formale Rationalität des Systems.
Lebenswelt und System
- Die Lebenswelt: Sie stellt die interne Perspektive dar, also die Sicht der handelnden Subjekte auf die Gesellschaft.
- Das System: Es repräsentiert die externe Perspektive, wie die systemische Struktur (technische Rationalität, Webersche Bürokratie, Institutionen).
Habermas betrachtet die Gesellschaft als ein komplexes, strukturiertes Konglomerat, in dem die Prozesse die handelnden Akteure in den Hintergrund drängen.
Kommunikatives Handeln
In seiner Theorie des kommunikativen Handelns definiert Habermas Handlungen als symbolische Manifestationen, die durch Normen und dramaturgisches Handeln geregelt sind – bezogen auf mindestens eine Welt, aber immer in Verbindung mit der objektiven Welt.
Im Gegensatz zur Sphäre der Arbeit wird das kommunikative Handeln als eine „durch Symbole vermittelte Interaktion“ definiert. Diese Aktion basiert auf Kernnormen oder zwingenden Bestimmungen, die gegenseitige Verhaltensmöglichkeiten definieren und intersubjektiv verstanden sowie anerkannt werden müssen.
Instrumentelles und strategisches Handeln
Diese Art des Handelns führt im institutionellen Rahmen der Gesellschaft zu Systemen instrumenteller und strategischer Maßnahmen. Habermas definiert Arbeit als „eine Mittel-Zweck-Aktion, bei der man bestimmte Mittel einsetzen muss, um einen Zweck zu erreichen“.
Er unterscheidet zwei Arten:
- Instrumentelles Handeln: Technische Umsetzung.
- Strategisches Handeln: Rational Choice.
Das instrumentelle Handeln bleibt der legitimierenden Tradition untergeordnet. In der kapitalistischen Gesellschaft weiten sich die Teilsysteme des instrumentellen Handelns, insbesondere die Wirtschaft, jedoch zunehmend aus.
Rationalität im Wandel
Die traditionelle kommunikative Rationalität steht heute der neuen wissenschaftlich-technischen Rationalität (Instrumentation) gegenüber. In dieser Konfrontation wird die kommunikative Rationalität oft verdrängt, während mythisch-religiöse Interpretationen durch wissenschaftliches Verständnis ersetzt werden.
Universalpragmatik
Habermas postuliert die pragmatische Notwendigkeit einer universalen Wissenschaft der Sprachstrukturen, die in allen kommunikativen Kontexten gültig ist. Die Universalpragmatik zeigt die sprachlichen Voraussetzungen auf, die kommunikative Vernunft erst ermöglichen.
Die vier Konzepte des Handelns
Habermas reduziert die Vielzahl soziologischer Handlungskonzepte auf vier Grundformen:
1. Teleologisches Handeln
Dieses Konzept steht seit Aristoteles im Mittelpunkt. Der Akteur verfolgt ein Ziel oder einen gewünschten Zustand, indem er die Situation analysiert und die konsequentesten Mittel wählt.
2. Normgeregeltes Handeln
Dieses Konzept bezieht sich nicht auf einen isolierten Akteur, sondern auf Mitglieder einer sozialen Gruppe, die ihr Handeln an gemeinsamen Werten ausrichten.
3. Dramaturgisches Handeln
Hierbei vermittelt der Akteur seinem Publikum ein bestimmtes Bild oder einen Eindruck von sich selbst, um die eigene Subjektivität zu inszenieren.
4. Kommunikatives Handeln
Dieses Konzept bezieht sich auf das Zusammenwirken von mindestens zwei sprach- und handlungsfähigen Subjekten, die (verbal oder extraverbal) eine zwischenmenschliche Beziehung aufbauen.
Herunterladen
PDF Word HTMLHäufige Fragen
Was unterscheidet Lebenswelt und System bei Habermas?
Die Lebenswelt stellt die interne Perspektive der handelnden Subjekte dar, das System die externe Perspektive mit technischer Rationalität, Bürokratie und Institutionen. Habermas analysiert die Gesellschaft als Zusammenspiel beider Formen von Rationalität.
Was ist kommunikatives Handeln nach Habermas?
Kommunikatives Handeln ist eine durch Symbole vermittelte Interaktion, die auf Kernnormen beruht, welche intersubjektiv verstanden und anerkannt werden müssen. Es bezieht sich auf mindestens zwei sprach- und handlungsfähige Subjekte.
Welche vier Grundformen des Handelns unterscheidet Habermas?
Habermas unterscheidet teleologisches, normgeregeltes, dramaturgisches und kommunikatives Handeln. Teleologisches Handeln verfolgt ein Ziel, normgeregeltes richtet sich an gemeinsamen Werten aus, dramaturgisches inszeniert ein Selbstbild und kommunikatives beruht auf Verständigung.
Stellen Sie sich auf die Probe
Lernkarten
Tippen Sie auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.
Test
Mit KI aus dem Dokument erstellte Fragen: Prüfen Sie die Antworten anhand des Textes.