Kant, Hobbes und Locke: Ethik und Naturzustand erklärt
Die zwei Formulierungen des kategorischen Imperativs
Nach Immanuel Kant sollten moralische Normen die Struktur eines kategorischen Imperativs aufweisen. Dabei ist nicht der spezifische Inhalt entscheidend, sondern die Form, die darüber bestimmt, ob eine Handlung frei und moralisch ist. Moralische Imperative beschränken sich auf die Notwendigkeit unseres Handelns, die wie folgt formuliert werden kann:
Die erste Formulierung: Das allgemeine Gesetz
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Unter einer Maxime versteht Kant die subjektive Regel, die meinem besonderen Handlungsbedarf zugrunde liegt. Ein Beispiel: Im Falle eines Diebstahls müsste ich die Auffassung vertreten, dass Diebstahl für alle gut ist – auch wenn man mich selbst bestiehlt. Da ich so etwas nicht wollen kann, mache ich mich eines Widerspruchs schuldig, wenn ich diese Maxime akzeptiere. Daher kann sie nicht als moralische Maxime anerkannt werden.
Die zweite Formulierung: Die Menschheitszweckformel
„Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“
Auch hier gibt es keinen festen inhaltlichen Katalog, sondern lediglich die Form, nach der wir handeln müssen.
Der Naturzustand bei Hobbes und Locke im Vergleich
Der Naturzustand nach Thomas Hobbes
Das Leben des Menschen in diesem Zustand ist durch folgende Merkmale charakterisiert:
- 1. Absolute Freiheit: Menschen leben frei und ohne Einschränkungen, lediglich begrenzt durch ihre eigene Stärke und die Gesetze der Natur. Hobbes bezeichnet diese Freiheit als das natürliche Recht.
- 2. Treibende Prinzipien: Die Menschen werden von zwei Prinzipien geleitet: erstens der Selbsterhaltung des eigenen Lebens und zweitens der Befriedigung ihrer natürlichen Bedürfnisse (Appetit).
- 3. Grenzenlose Wünsche: Da nichts ihre Wünsche begrenzt, können Menschen alles tun, um ihr Verlangen zu stillen – wie stehlen, unterjochen oder demütigen.
Dies führt zu einem permanenten Krieg aller gegen alle (bellum omnium contra omnes). In diesem Zustand gibt es keine Möglichkeit für Fortschritt, Eigentum oder eine geordnete Gesellschaft. Daher ist das Leben der Menschen im Naturzustand einsam, arm und böse.
Der Naturzustand nach John Locke
- Natürliche Rechte: Individuen besitzen von Gott gegebene natürliche Rechte. Dazu gehören das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum sowie das Recht, Personen zu bestrafen, die diese Rechte verletzen.
- Vernunftbegabte Wesen: Menschen sind rationale Geschöpfe und daher frei. Die Vernunft ist die Stimme Gottes in ihnen und hilft ihnen, ihre natürlichen Rechte zu erkennen.
- Zustand der Freiheit und Gleichheit: Der Naturzustand ist bei Locke kein Zustand des Krieges, sondern ein Zustand, in dem Menschen sich von ihrer Vernunft leiten lassen und in einem Modus der Freiheit und Gleichheit leben. Die Koexistenz in einer Zivilgesellschaft entsteht erst nach diesem Zustand.